Unfall am Nord-Ostsee-Kanal Frachter rammt Schleusentor in Kiel-Holtenau

Von Gerrit Hencke

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Das unter portugiesischer Flagge fahrende Containerschiff „Akacia“ liegt nach der Kollision mit einem Schleusentor in der Südkammer der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Holtenau. Foto: dpaDas unter portugiesischer Flagge fahrende Containerschiff „Akacia“ liegt nach der Kollision mit einem Schleusentor in der Südkammer der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Holtenau. Foto: dpa

Kiel. Wartezeiten für Schiffe am Nord-Ostsee-Kanal: Nachdem ein portugiesischer Frachter ein Schleusentor in Kiel-Holtenau gerammt hat, ist der Verkehr auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt beeinträchtigt. Nur ein Schleusentor funktioniert noch.

„Die Große Südschleuse in Kiel-Holtenau ist ab dem 19. Februar 2018 um 23.54 Uhr bis auf Weiteres außer Betrieb“, teilt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt mit. Grund für die Sperrung am späten Montagabend ist der Frachter „Akacia“, der in der Nacht mit großer Wucht gegen die Holtenauer Südschleuse gefahren ist. Es entstand vermutlich Millionenschaden. Der Verkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist beeinträchtigt – nur eine Schleusenkammer steht noch zur Verfügung.

Das 149 Meter lange und 23 Meter breite Containerschiff konnte bei der Einfahrt nicht rechtzeitig gestoppt werden. Das Schiff durchtrennte mit seinem Bug das Schleusentor und liegt mit dem Rumpf nun teilweise darauf. Nach Polizeiangaben vom Dienstagmorgen ist ein technisches Versagen der Maschinensteuerung wahrscheinlich die Unfallursache. Der Frachter sollte stoppen, nahm aber den Angaben zufolge Fahrt auf und durchbrach das Schleusentor. Der Versuch einer Notankerung blieb erfolglos. Demnach sei das Schiff mit hoher Fahrt von über 20 Kilometern pro Stunde in die Schleuse gefahren. Erlaubt sind auf dem NOK maximal 15 km/h. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand.

Wasser läuft ins Schiff

Das Schiff war auf dem Weg von Bremerhaven nach St. Petersburg (Russland) und fährt unter portugiesischer Flagge. Auch das Schiff wurde durch den Aufprall beschädigt. In die Bugnase des Schiffes drang Wasser ein. Es habe aber nicht die Gefahr bestanden, dass das Schiff vollaufe, betonte Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau.

Hier geht es zur Webcam an der Holtenauer Schleuse

Taucher begutachteten noch am Dienstag die Schäden an der Schleuse und am Schiff. Außerdem wurde der Reeder des Frachters aufgefordert, unverzüglich ein Bergungskonzept vorzulegen. Denkbar sei der Einsatz von Schleppern oder das Leichtern des Schiffes, also einen Teil der Ladung von Bord zu holen, sagte Visser. „Wir wollen die Südkammer so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen und arbeiten mit Hochdruck daran.“ Er gehe davon aus, dass voraussichtlich in einigen Tagen das beschädigte Schleusentor ausgetauscht werden könne.

Nur noch Große Nordschleuse in Betrieb

Der Schifffahrt steht nun nur noch die Große Nordschleuse zur Verfügung, da die beiden kleinen Schleusen ebenfalls gesperrt sind. Da die Nordkammer, die genauso groß wie die Südkammer ist, zur Verfügung stehe, sei der Kanal funktionsfähig, sagte Visser. Dennoch kommt es seit Dienstagvormittag zu langen Wartezeiten auf der Kieler Förde. Die Schiffsbewegungen vor der Schleuse lassen sich auf der Karte von „marinetraffic.com“ nachverfolgen (Bitte reinzoomen).

Laut Polizei mussten Schiffe am Dienstag mit Wartezeiten von vier bis sechs Stunden rechnen. Durch ein Warnsystem würden Schiffe frühzeitig informiert, sodass sie ihre Fahrt drosseln und langsamer zum Kanal kommen konnten. „Alternativ besteht immer die Möglichkeit, den Kanal zu umfahren, kein Schiff muss also tagelang vor der Schleuse warten“, sagte Visser.

Es komme immer wieder zu angekündigten routinemäßigen Wartungsarbeiten, sodass dann nur eine Kammer zur Verfügung stehe. „Hier ist aber das Problem, dass der Unfall zur ungeplanten Sperrung geführt hat.“

Weiterlesen: Kieler Förde: Delfin schwimmt in die Schleuse

(Mit dpa)


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