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15.02.2018, 13:25 Uhr KOMMENTAR

Amoklauf in Florida: Furchtbare Routine

Kommentar von Jörg Gierse

Traumatischer Valentinstag: Zwei Schülerinnen der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland trauern nach dem Amoklauf um die Opfer. Foto: AFPTraumatischer Valentinstag: Zwei Schülerinnen der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland trauern nach dem Amoklauf um die Opfer. Foto: AFP 

Osnabrück. Wieder einmal ist eine US-Schule Schauplatz eines Amoklaufs geworden. Wieder einmal verübt von einem offenbar psychisch gestörten Waffennarr mit einem halbautomatischen Gewehr. Wieder einmal wird in den USA getrauert, aber nicht gehandelt. Warum nicht? Ein Kommentar.

Am 24. Januar erschoss ein 15-Jähriger in einer High School in Kentucky zwei Gleichaltrige mit einer Pistole. Zwölf weitere verletzte er schwer, dreien von ihnen schoss er in den Kopf. Tags zuvor hatte ein 16-jähriger in einer texanischen Schule sechs Mal auf ein 15-jähriges Mädchen gefeuert. Sie überlebte.

Nie davon gehört? Kein Wunder. Solche Gewaltexplosionen in den USA sind international nicht mal eine kleine Meldung wert. Dass gekränkte, fanatische oder psychisch gestörte Jugendliche ihre Mitschüler und Lehrer töten, ist längst zur furchtbaren Routine geworden. 2018 gab es bereits 19 Schießereien an US-Schulen. Und das Jahr ist keine sieben Wochen alt.

Noch furchtbarer ist die Doppelmoral, mit der die USA darauf reagieren. Allen voran Präsident Donald Trump und seine Republikaner, denen auch diesmal nichts Besseres einfällt, als für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten. Sie sind aber nur die Spitze einer Gesellschaft, die strengere Waffengesetze mehrheitlich ablehnt. Die selbst halbautomatische Sturmgewehre als unverzichtbar für den Selbstschutz ansieht. Und die sich nach Massakern wie in Florida in die kindische Ausrede flüchtet, „das Böse“ sei schuld – nicht der kinderleichte Zugang zu tödlichen Waffen.

So lange das so bleibt, wird sich in den USA nichts ändern. Die nächste Tragödie ist programmiert.


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