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Karneval in Köln, Düsseldorf und Mainz Rosenmontagszüge: Schulz im Fleischwolf und Merkel als Fossil

Von dpa

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Köln/Düsseldorf/Mainz. Deutschland steht vor einer „Großen Kollision“ und wird auch im Jahr 2111 noch von Merkel regiert. Keine Panik. Solche Szenarien entstammen - Alaaf und Helau - nur närrischen Fantasien. Zu sehen bei den großen Rosenmontagszügen. Ein Unfall überschattet den Frohsinn.

Als wäre es nicht schon heftig genug - jetzt schlagen auch noch die Narren aus den Karnevalshochburgen zu. Bei den Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz werden Angela Merkel, der Nur-Noch-Ganz-Kurz-SPD-Chef Martin Schulz, die GroKo-Quälerei und die Selbstdemontage der Sozialdemokraten verspottet. Nach den tollen Tagen im politischen Berlin kommt das jecke Echo aus dem Rheinland. Der Frohsinn in Köln wird allerdings geschmälert, als eine Pferdekutsche durchgeht und fünf Menschen verletzt werden.

In Düsseldorf läuft alles glatt - allerdings nicht für Schulz. Vom einstigen SPD-Superstar bleibt kaum was übrig, er dreht sich selbst als Pappkamerad mit letzter Kraft durch den Fleischwolf. Und Merkel? Da sind sich die Wagenbauer einig - die Kanzlerin schafft sie alle.

Die Kölner lassen Merkel im engen roten Blazer als Discoqueen auftreten - ihre Melodie: „Staying Alive“ - „Am Leben bleiben“. Noch bevor ein CDU-Parteitag und die SPD-Mitglieder demnächst im realen Leben entscheiden, sind die Karnevalisten sicher: Deutschland steht wieder vor einer „Großen Kollision“ - äh: Großen Koalition. Dabei schaukeln Merkel und Schulz frontal aufeinander zu. Dass Schulz in einer neuen GroKo gar nicht mehr mitschaukeln darf, konnten die Wagenbauer nicht ahnen, sein Absturz kam zu schnell.

Blick in die Zukunft

Rund 200 Kilometer entfernt blicken die Mainzer in die Zukunft. Im Jahr 2111 wird Deutschland von einem „lebenden Fossil“ regiert, einer moosgrünen Uraltschildkröte - die „Merkel-Raute“ verrät sie. Und auf einem anderem Wagen streift sich die CDU-Chefin mal wieder den alten GroKo-Frack über - unter dem „Helau“ von bunt kostümierten Besuchern und bei trockener Witterung. Auch in Mainz geht es Schulz an den Kragen: Ein Wagen zeigt ihn als Rohrkrepierer.

Während das Motto im größten und ältesten Rosenmontagszug „Mer Kölsche danze us der Reih“ („Wir Kölner tanzen aus der Reihe“) lautet, heißt es beim rheinischen Rivalen in Düsseldorf: „Jeck erst recht!“ Die dortigen Motive von Wagenbauer Jacques Tilly gelten als besonders provokant. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles, die die Sozialdemokraten bald auch als Parteichefin retten soll, dürfte ihr satirisches Konterfei nicht gerade charmant finden: Breiter als hoch, in roten Boxhandschuhen kommt sie daher. „Genossen, das ENDE ist NAHles!“, orakeln die Narren. FDP-Chef Christian Lindner flieht vor Regierungsverantwortung - „von tollen Posen zu vollen Hosen“.

In den großen Zügen wird zudem Dampf abgelassen gegen den „Dieselsumpf“. Und die #MeToo-Debatte ist Thema - etwa in Kölle, dort sehr brav: Zwei Männer im Schweinekostüm hecheln einer Frau hinterher. Comedian Guido Cantz formuliert frecher im WDR: „Nicht jeder, der mit dem Schwanz wedelt, ist ein Regisseur.“

Widriges Wetter stört nicht

Plötzlicher Schnee und Hagel stören die Jecken nicht. Der Unfall mit der Pferdekutsche nicht allzu weit vom Dom entfernt aber schon. Der Zug steht eine halbe Stunde still. Erste Irritationen. Polizei und Feuerwehr berichten später von fünf Menschen, die „leicht bis mittelschwer“ verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden seien. Eine Zuschauerin, der Kutschführer und drei Insassen sind die Betroffenen. Auch Tierärzte werden herbeigerufen, um zwei Pferde zu untersuchen. Eine geworfene Flasche soll eine Rolle gespielt haben. Dann geht’s weiter. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) lassen Kamelle regnen.

Auch die Mächtigen weit fernab der Narren-Hauptstädte sind zum Höhepunkt des Straßenkarnevals nicht sicher: Ein nackter US-Präsident Donald Trump wird von einem russischen Bären namens „Russlands Affäre“ plattgemacht. Die britische Premierministerin Theresa May bringt die Missgeburt „Brexit“ zur Welt. Und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un stemmt - leicht debilem lächelnd - eine Atomrakete in die Höhe.

Mainz und Düsseldorf erwarteten mehrere Hunderttausend Besucher. Rund eine Million sollten es in der Domstadt sein - sogar Florian Silbereisen mischte sich als römischer Legionär unters Volk. Die Kölner „Hexe“ Steffi hält Gnade mit der Politik am Rosenmontag für völlig fehl am Platz: „Im Karneval sollte man Stacheln zeigen, die Politiker müssen das schon aushalten.“


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