Vorwürfe gegen Hilfsorganisation Sex-Skandal um Oxfam-Mitarbeiter auf Haiti

Von Katrin Pribyl

Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam stehen im Mittelpunkt eines Sexskandals auf Haiti. Unser Symbolfoto zeigt eine Aufnahme von einem Straßenstrich aus Berlin. Foto: Wolfgang Kumm/dpaMitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam stehen im Mittelpunkt eines Sexskandals auf Haiti. Unser Symbolfoto zeigt eine Aufnahme von einem Straßenstrich aus Berlin. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

London. Mitarbeiter der britischen Hilfsorganisation Oxfam haben sich laut einem Bericht von „The Times“ während eines Einsatzes in Haiti Prostituierte bezahlen lassen.

Als Haiti im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, blickte die Welt voller Anteilnahme auf den armen Karibikstaat, der durch das Desaster noch tiefer ins Elend stürzte. 220.000 Menschen starben, 330.000 wurden verletzt und Millionen Überlebende bettelarm. Hilfsorganisationen sammelten Spenden und sandten Einsatzkräfte – darunter auch die britische Nichtregierungsorganisation Oxfam.

Doch einige von ihnen haben nicht nur geholfen, sondern vor allem die Armut der Bevölkerung ausgenutzt, berichtet nun die Tageszeitung „The Times“. Die Enthüllungen klingen unfassbar: Mitarbeiter hätten Orgien mit Prostituierten veranstaltet, unter anderem in einem Gästehaus, das die Gruppe von Männern nur als „Hurenhaus“ bezeichnete. Eine ungenannte Quelle, auf die sich die Zeitung beruft und die Videos von den Sexparties gesehen habe, erzählte, wie Frauen Oxfam-T-Shirts trugen und halbnackt herumrannten. „Es war unglaublich. Es war verrückt.“

Oxfam wusste früh von den Vorwürfen

Sowohl die Prostituierten als auch Hotelzimmer und Unterkünfte, wo die Orgien stattfanden, wurden demnach von Oxfam bezahlt – und damit unter anderem von privaten Spendern. Pro Jahr erhält die Hilfsorganisation etwa 300 Millionen Pfund, umgerechnet 340 Millionen Euro, von privaten Spendern und der britischen Regierung. Auch wenn die überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter unermüdlich unter schwierigsten Bedingungen arbeitete, ist ein Detail besonders pikant: Die Organisation, die mit 230 Einsatzkräften vor Ort war, wusste von den Vorfällen. Im Jahr 2011 leitete sie eine interne Untersuchung ein, die eine „Kultur der Straflosigkeit“ unter den Mitarbeitern in Haiti offenbarte, schreibt „The Times“. (Weiterlesen: Sexistsiche Songs – Musik in Zeiten von #MeToo)

Hat Oxfam den Skandal vertuschen wollen? Die internationale Organisation mit Sitz im englischen Oxford weist solche Vorwürfe zurück. Und nennt jene Anschuldigungen, wonach auch minderjährige Prostituierte engagiert wurden, „nicht bewiesen“. Dennoch heißt es laut Zeitung in dem internen Report von 2011, es könnte nicht ausgeschlossen werden, dass anwesende Haitianerinnen unter 18 Jahren waren.

Ermittlungen gegen ehemalige Mitarbeiter

Der belgische Büroleiter von Oxfam in Haiti, Roland van Hauwermeiren, trat dem Medienbericht zufolge damals von seinem Posten zurück. Doch Disziplinarmaßnahmen wurden nicht eingeleitet, obwohl er zugegeben hat, Prostituierte in seiner Residenz empfangen und mit dem Geld der Organisation bezahlt zu haben. Es bestehe jedoch kein Zusammenhang zu den angeblichen Orgien. Laut einer Sprecherin von Oxfam habe van Hauwermeiren „die gesamte Verantwortung für die Ereignisse, die unter seiner Führung geschehen sind, übernommen“, zudem die Untersuchung unterstützt und uneingeschränkt kooperiert. Zwei andere Männer kündigten, vier weitere seien versetzt worden. Gegen sie werde wegen groben Fehlverhaltens ermittelt.

Prostitution ist in Haiti illegal und verstößt noch dazu gegen den Kodex von Oxfam. Die fünftgrößte Hilfsorganisation des Vereinigten Königreichs beschäftigt mehr als 5000 Mitarbeiter und arbeitet mit rund 22.000 Freiwilligen zusammen.