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Streitthema Fake-Interviews Interviews erfunden? Sandra Bullock versus „Freizeitwoche“

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Oscar-Gewinnerin Sandra Bullock geht gegen angeblich exklusive Interviews vor, die laut ihrer Aussage nie geführt wurden. Foto: dpaOscar-Gewinnerin Sandra Bullock geht gegen angeblich exklusive Interviews vor, die laut ihrer Aussage nie geführt wurden. Foto: dpa

Osnabrück. Im Zeitalter von Fake News und bekannt gewordenen Interviewfälschungen scheint es wie eine Binsenweisheit: Allzu Intimes aus dem Leben von Superstars gilt es, mit Vorsicht zu genießen. Immer wieder landen solche Fälle auch vor Gericht. Aktuell der von Oscar-Gewinnerin Sandra Bullock: Sie wirft der „Freizeitwoche“ vor, Interviews mit ihr gefälscht zu haben.

Depressionen, Drogen, Sex: Wenn Superstars in Interviews erstaunlich intime Details aus ihrem Leben ausplaudern, sorgt das weltweit für Aufregung. Manchmal haben derartige „Geständnisse“ jedoch ein juristisches Nachspiel, nämlich immer dann, wenn der Vorwurf im Raum steht, dass einzelne Aussagen oder gar komplette Interviews erfunden sind. Genau das wirft die Oscar-Gewinnerin Sandra Bullock der Frauenzeitschrift „Freizeitwoche“ vor. Bullock sagt, angeblich exklusive Interviews des Blattes mit ihr hätten so nie stattgefunden. Das Blatt dementiert. An diesem Freitag hat das Hamburger Landgericht den Fall verhandelt.

Anwältin von Bullock mit Verhandlungsverlauf „zufrieden“

Dass Bullock klagen will, hat sich bereits vor gut eineinhalb Jahren abgezeichnet, zuerst berichtet hatte damals „Übermedien.de“, später auch „Der Spiegel“ und andere.

Im Anschluss an die Verhandlung an diesem Freitag vor dem Hamburger Landgericht zog Bullocks Anwältin eine positive Bilanz: „Wir sind mit dem Verlauf der Verhandlung zufrieden. Das Gericht sieht die von uns geltend gemachten Ansprüche als begründet an“, sagte Rechtsanwältin Nina Lüssmann in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Dazu gehören unter anderem die Unterlassungsansprüche für alle fünf fraglichen Interviews sowie ein Anspruch auf Richtigstellung, fügte Lüssmann hinzu.

Details über Bullocks Sexleben?

Insgesamt sechs Interviews, die die „Freizeitwoche“ mit Bullock seit 2005 abgedruckt hatte, waren von der Schauspielerin so nie gegeben worden, berichtete Lüssmann. In den fraglichen Gesprächen hatte die Oscar-Gewinnerin erstaunlich private Details offenbart, zum Beispiel über sexuelles Verlangen, ihren neuen Freund, untreue Ehemänner oder über ihre Kinder. Da ein Fall bereits verjährt war, ist Bullock gegen fünf der sechs Interviews gerichtlich vorgegangen.

Verletzungen für Bullock laut Anwältin teils „erheblich“

In dem Verfahren geht es auch um die Frage, wie schwerwiegend die Verletzungen für das Opfer waren und ob dafür gegebenenfalls Entschädigungszahlungen fällig werden. „Insbesondere in einem Interview von 2014 waren die Verletzungen für Frau Bullock aus unserer Sicht erheblich, dort ging es um sehr intime Dinge“, sagte Lüssmann. Deshalb habe sie die Mindestsumme während der Verhandlung von 50.000 auf 100.000 Euro erhöht, so die Anwältin im Gespräch mit unserer Redaktion. Entscheiden soll darüber das Gericht. „Die Höhe der Geldentschädigung haben wir ins Ermessen des Gerichts gestellt“, erklärte Lüssmann.

Gegenseite kann noch aktiv werden

Den Verkündungstermin hat das Gericht für den 6. April 2018 angesetzt, bis dahin kann die Gegenseite noch aktiv werden und ihre Sicht der Dinge untermauern. Bereits vor eineinhalb Jahren hatte das Blatt alle Vorwürfe dementiert. Bisher verlaufe der Fall aus ihrer Sicht jedoch „erfreulich“, so die Bilanz von Bullocks Anwältin Lüssmann. „Wir können ganz klar sagen: Die Interviews haben so nie stattgefunden.“

Schon vor eineinhalb Jahren hatte der Chefredakteur der „Freizeitwoche“, Michael Graf, den Vorwurf laut „Übermedien.de“ eine „haltlose Unterstellung“ genannt. Die Interviews erhalte die Redaktion von „erfahrenen Korrespondenten“ im Ausland sowie von „von freien Mitarbeitern, mit denen wir seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten“, hieß es.

Weitere Fälle?

Die immer mittwochs erscheinende „Freizeitwoche“ der Bauer Media Group druckt regelmäßig Interviews mit internationalen Superstars ab. Laut „Übermedien.de“ hätten neben Sandra Bullock auch andere Prominente, unter anderem Sean Connery und Catherine Deneuve, die Vermutung, dass mit ihren Interviews etwas nicht stimmen könnte. Das Medium zitierte eine Deneuve-Sprecherin mit den Worten: „Catherine Deneuve hat diesem Magazin noch nie ein Interview gegeben.“ Demnach beruhten die dort erschienenen Aussagen auf Zitaten, die „vor langer Zeit“ anderswo veröffentlicht worden seien, anderes sei „komplett erfunden“.

Wer Wortklaubereien mag, kann in der Selbstbeschreibung der „Freizeitwoche“ fündig werden. Darin steht, das Magazin böte „aktuelle Reportagen und Interviews über nationale und internationale Prominenz“ – Interviews „über“ Stars, nicht „mit“ ihnen.

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