Neu im Kino Überdreht, aber unterhaltsam: „Hot Dog“

Von dpa

Nicht vom gleichen Schlag: Til Schweiger als Luke (l) und Matthias Schweighöfer als Theo müssen einen Entführungsfall lösen. Foto: Warner Bros. Ent.Nicht vom gleichen Schlag: Til Schweiger als Luke (l) und Matthias Schweighöfer als Theo müssen einen Entführungsfall lösen. Foto: Warner Bros. Ent.

Berlin. Wenn sich Til Schweiger und Matthias Schweighöfer an die Befreiung einer Präsidententochter machen, dann fliegen nicht nur die Fetzen, sondern auch derbe Witze durchs Kino.

dpa Berlin. Til Schweiger und Matthias Schweighöfer waren bereits mehrfach zusammen auf großer Leinwand zu sehen („Keinohrhasen“, „Der rote Baron“, „Kokowääh 2“, „Vier gegen die Bank“). Und auch wenn Kritiker meist kaum ein gutes Haar an diesen Projekten lassen, stehen die Filme für gut gefüllte Kinokassen.

Auch „Hot Dog“ schielt aufs große Publikum: Die mit vielen Action-Elementen und ein klein wenig Romantik angereicherte Komödie rund um zwei gegensätzliche Polizeibeamte wartet mit Schauspielern wie Heino Ferch, Samuel Finzi, André Hennicke oder Lisa Tomaschewsky auf. Mit Lilli ist auch eine der Schweiger-Töchter mit dabei. Regie führte Torsten Künstler (Co-Regisseur von „Der Nanny“ und „Kokowääh 2“).

Theo (Schweighöfer) hat ein übergroßes Horngestell auf der Nase, ein fotografisches Gedächtnis, galt schon zu Kindergartenzeiten als hochbegabt, war noch nie mit einer Frau im Bett und versieht bei der Polizeieinheit GSG-10 einen langweiligen Sesseljob. Luke (Schweiger) gilt als Frauenheld und Waffennarr und blickt auf fast genauso viele Abmahnungen wie Einsätze zurück. Gleich zu Beginn dieser etwas absurden Filmgeschichte finden sich beide im Wachdienst des Bundespräsidenten wieder. Sie müssen den Eingang zum Treppenhaus von Schloss Bellevue bewachen.Während Luke strafversetzt wurde, freut sich Theo, dass er mit seinem Idol Dienst schieben darf. Die Ruhe am Präsidentensitz ist schnell perdu, als ebendort die Tochter eines fremden Staatsoberhaupts entführt wird.

Leider sind sich Schweiger und Schweighöfer, leider ist sich das Drehbuch nicht zu schade dafür, abschnittsweise einen Humor der äußerst pubertären Art zu bedienen. Mal geht es um ein Kondom, mal um einen mehr als schalen Witz mit einem Wasser-Eis. Zum Glück verfügt der Film über genug Stärken, um diese Missgriffe auszubügeln.

Da sind zum einen die schön ausgespielten Gegensätze zwischen Theo und Luke, die zu einem der heterogensten Kino-Duos der deutschen Filmgeschichte zusammenwachsen. Da sind aber auch viele andere, kaum erwartbare recht hübsche Momente: die ersten Annäherungen etwa zwischen Theo und Computerexpertin Nicki (in ihrer rührenden Art ziemlich überzeugend: Anne Schäfer) oder das herrliche Spiel von Tim Wilde als GSG-10-Boss kurz vor dem Wahnsinn.Minuspunkte gibt’s für die Kamera: Bei der Auswahl der Motive scheint sie sich keinerlei Mühe zu geben, greift stattdessen auf allzu bekannte Berlin-Impressionen zurück.Man kann den Filmen mit und von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer (der „Hot Dog“ mitproduziert hat) so einiges vorhalten. Immer wieder aber gelingt es den beiden, das oftmals mausgraue und teils all zu ernste deutsche Kino mit ein wenig Verve à la Hollywood zu erfrischen.

„Hot Dog“ braucht zwar eine Weile, um seine Richtung zu finden, dann aber wird klar, dass es den Machern hier nicht nur um einen weiteren Action-Kracher ging. Dafür ist der Film zu überdreht, ja exaltiert, dafür ist er schließlich auch deutlich zu selbstironisch. Es dauert, bis die Selbstironie greift, dann aber gebiert sie ein paar wirklich unterhaltsame Szenen. Und es ist ausgerechnet das so oft kritisierte und zumeist wahrlich nicht sonderlich variantenreiche Mimenspiel des Til Schweiger, das diesmal wunderbar passt. Wunderbar passt zu den staubtrockenen Kommentaren und Witzen, mit denen Luke seinen zart besaiteten Kollegen Theo fast ohne Unterlass piesackt.


„Hot Dog“. D 2018, R: Torsten Künstler. D: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Heino Ferch. 105 Min. Ab 12. Cinema Arthouse, CineStar, Filmpassage