Fragen & Antworten Afrikanische Schweinepest auf dem Weg nach Deutschland

Von afp

Nach einem Pressebericht sorgt die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest für einen Rekordabschuss von etwa 600.000 Wildschweinen im Jagdjahr 2016/2017. Foto: dpaNach einem Pressebericht sorgt die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest für einen Rekordabschuss von etwa 600.000 Wildschweinen im Jagdjahr 2016/2017. Foto: dpa

Berlin. Weil sich die Afrikanische Schweinepest aus Polen und Tschechien immer weiter westlich ausbreitet, zeigen sich Jäger und Bauern hierzulande zunehmend besorgt.

Für Menschen ist der Virus zwar nicht gefährlich – die Landwirtschaft fürchtet aber Milliardenschäden. Um einen Ausbruch in Deutschland zu verhindern, müssen Jäger, Politik und Gesellschaft jetzt aktiv werden, fordern die Verbände.

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Seuche aus Afrika. Der Virus überträgt sich über Blut, Sperma und andere Sekrete. In der Regel sterben infizierte Schweine nach etwa einer Woche. Der Virus ist sehr robust, Tiere können sich sogar beim Fressen von Wurstresten anstecken. Das kann etwa passieren, wenn ein Brötchen mit Wurst eines infizierten Tieres von Lkw-Fahrern an einem Rastplatz entsorgt und von Wildschweinen gefressen wird.

Wie kam die Afrikanische Schweinepest nach Europa?

Der Virus hat einen weiten Weg zurückgelegt – 2007 kam er aus Afrika nach Georgien und breitete sich von dort aus über Russland, das Baltikum bis nach Tschechien und Polen aus. Jüngst gab es Infektionsfälle in Zlin südlich von Prag und der Region Warschau.

Ist infiziertes Schweinefleisch gesundheitsschädlich?

Nein, für Menschen ist der Virus harmlos. Dennoch müssen Schweine in Betrieben, in denen der Virus ausbricht, unmittelbar getötet werden – genauso wie infizierte Wildschweine.

Wie kann der Ausbruch der Seuche verhindert werden?

Laut Bauernverband ist das Risiko hoch, dass der Virus über die Grenzen zu Tschechien und Polen nach Deutschland kommt. Und zwar nicht durch infizierte Wildschweine aus den osteuropäischen Ländern, sondern durch Menschen. Daher müssten besonders Reisende, Pflegekräfte, Saisonarbeiter und Lkw-Fahrer dringend darauf achten, keine Wurst- und Fleischwaren nach Deutschland mitzubringen, appelliert der Bauernverband.Essensreste dürften an Raststätten nicht einfach in der Natur entsorgt werden, da Wildschweine sich sonst anstecken könnten. Der Bauernverband ruft dazu auf, an allen Parkplätzen und Raststätten vor Tieren verschlossene und sichere Mülltonnen anzubringen und diese regelmäßig zu entleeren.

Können Jäger den Ausbruch der Seuche verhindern?

Der Bauernverband und der Jagdverband wollen, dass mehr Wildschweine als bislang erschossen werden. Eine geringere Dichte führe auch zu einer niedrigeren Ansteckungsgefahr, sollte die Seuche ausbrechen, sagt Bauernverbands-Vizepräsident Werner Schwarz.

Deutschland gehört den Angaben zufolge weltweit zu den Ländern mit der höchsten Wildschweindichte. Im vergangenen Jahren wurden bereits mehr als 610.000 Tiere erschossen, der Bestand verringert sich aber dennoch nicht, wie der Bauernverband erklärte. Daher fordert er die Tötung von 70 Prozent aller Wildschweine. Weiterlesen: Wildschweinen geht es an den Kragen

Was soll die Politik tun?

Der Jagdverband wie auch der Bauernverband fordern etwa, bestimmte Schonzeiten bei der Jagd aufzuheben. Bislang ist etwa die Jagd während bestimmter Monate oder die Jagd auf Muttersäue nicht erlaubt. Natürlich solle auch weiterhin kein Muttertier erschossen werden, deren Nachwuchs sich nicht selbst versorgen könne, betont Bauern-Vizepräsident Schwarz. Der Jagdverband hält ein Jagdverbot in bestimmten Naturschutzgebieten für „kontraproduktiv“, sagt Vize-Geschäftsführer Torsten Reinwald.

Die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) dagegen sieht in einigen dieser Forderungen „blinden Aktionismus“. Sie rief Bund und Länder auf, „den Transitverkehr stärker zu kontrollieren, Regelverstöße konsequent zu sanktionieren“ und bestehende Wildzäune in den Grenzregionen zu reparieren.