Ukrainische Offensive im Süden Militärhistoriker befürchtet „blutige Schlacht“ um Cherson

Von Tobias Schmidt | 01.09.2022, 01:00 Uhr

Die am Montag gestartete ukrainische Offensive im Süden des Landes könnte nach Einschätzung von Militärhistoriker Bastian Matteo Scianna in eine „blutige Schlacht“ um Cherson münden.

Das ukrainische Militär werde gezielt versuchen, eine Verstärkung russischer Truppen in der Region zu stören. „Im Zweifel werden dann die russischen Verbände, die nicht hinter den Fluss Dnepr zurückgelangen, in Cherson eine blutige Schlacht liefern“, sagte der Wissenschaftler der Universität Potsdam im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Ukraine habe ihre Offensive „akribisch“ vorbereitet und seit Wochen die Nachschubwege, wichtige Infrastruktur und die russische Artillerie attackiert. Kiew setze seine militärischen Fähigkeiten geschickt ein und setzte den russischen Kräften „tausende Nadelstiche zu, statt eine große Hurra-Offensive zu starten, wie man das vielleicht aus Filmen kennt“, sagte Scianna. In einer ersten Phase der Offensive werde es darum gehen, wieder bis an den Dnepr vorzustoßen, und dabei möglicherweise direkt Cherson zurückzuerobern - oder abzuschneiden und die russischen Verbände dort zu isolieren.

Westliche Waffenlieferungen entscheidend?

Ob die Ukraine mit ihrer Offensive eine Kriegswende einleiten könne, sei offen, sagte der Militärhistoriker weiter. „Das wird wesentlich von weiteren westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine und der russischen Fähigkeit, neue Truppen und neues Material an die Front zu bringen, abhängen.“ Ebenso werde die Fähigkeit, Lehren zu ziehen und die Moral zu erhalten, eine große Rolle spielen.

„Bisher scheint es keiner Seite zu gelingen, den Krieg auf dem Schlachtfeld zu entscheiden und auf der politischen Ebene gibt es keine ernsthaften Initiativen für einen Waffenstillstand - von Frieden traut man sich ja gar nicht zu sprechen“, so die Einschätzung des Wissenschaftlers.

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