Erster Drittligasieg beim 2:1 in Rostock Granatowski-Hammer erlöst Fans des SV Meppen



Rostock. Die Vereinshymne „Hansa forever“ schallte über die Lautsprecher des Ostseestadions. Fast schien es so, als ob die Verantwortlichen den Ton nach dem Schlusspfiff noch etwas lauter drehten, um den Meppener Jubel über den ersten Sieg in der 3. Liga zu übertönen. Rostock 1, Meppen 2 blinkte es auf der Anzeigentafel.

Während die SVM-Spieler vor der Kurve hüpfend mit den rund 200 mitgereisten und „Der SVM ist wieder da“ singenden Fans feierten, trotteten die Ostseestädter enttäuscht, aber unter dem Applaus ihrer Anhängerschaft in den Spielertunnel. Dagegen wurde der Schiedsrichter Thorben Siewer, für die Hansa-Fans der Sündenbock, von Sicherheitskräften vom Platz begleitet.

Rostock-Coach kochte

Meppens Trainer Christian Neidhart hatte vor 12300 Zuschauern zwar nicht die beste Leistung seiner Mannschaft in dieser Saison gesehen, sprach das hinterher aber auch ehrlicherweise an. Sein Gegenüber dagegen kochte. „Ihr solltet euch schämen“, schimpfte Pavel Dotchev in Richtung des Schiedsrichters, als er nach dem Schlusspfiff durch die Mixedzone in die Kabine stapfte. Gemäßigter gab sich der Hansa-Coach einige Minuten später auf der Pressekonferenz. Man habe schon gewusst, dass es ein sehr unangenehmes Spiel werden würde, versicherte Dotchev. „Wir haben sehr viel Kontrolle über das Spiel gehabt. Gerade in der Phase, als ich dachte, jetzt geht es richtig los, kam die Rote Karte.“ Das sei eine kalte Dusche gewesen. „In den restlichen Minuten bis zur Halbzeit war schon etwas Verunsicherung bei uns“, gab Dotchev ein Bruch im Spiel seiner Mannschaft zu. Allerdings fand die Hansa-Kogge zu ihrem Kurs zurück. „Sofort nach dem Seitenwechsel haben wir wieder druckvoll gespielt.“

Drittes Tor von Girth

Zunächst folge jedoch gut fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff die nächste kalte Dusche für Hansa. Der eingewechselte Vrzogic fand mit seinem Diagonalball Ballmert auf der rechten Seite. Dessen mustergültige Flanke drückte Girth am zweiten Pfosten stehend per Kopf ein – sein drittes Saisontor. Dotchev reagierte, brachte Ziemer für Owusu. Hansas Fans verstärkten noch einmal den Lärmpegel. Eine Standardsituation kostete Meppen schließlich die knappe Führung. Joker Ziemer köpfte eine Ecke von der linken Seite unter die Latte. Holthaus hatte zuvor von halblinks abgezogen, Domaschke zur Ecke gelenkt.

Traumtor nicht zu verteidigen

Das Spiel sei offen bis zum Schluss gewesen, fand Dotchev. „Ich habe versucht, den Jungs in den letzten Minuten deutlich zu machen, dass wir diesen Punkt mitnehmen müssen.“ Doch Granatowskis Hammer aus 25 Metern schockte die Rostocker und ihre Fans. Der Siegtorschütze erklärte, er habe rechts einen Teamkollegen mitlaufen sehen. Aber er entschied sich für den Ball in den linken Winkel. „Wie sollen wir ein Tor schießen, wenn wir nicht aufs Tor schießen“, hatte sich Granatowski gedacht und selbst draufgehalten. Sagte er. „Natürlich kann man das schlecht verteidigen“, suchte Dotchev angesichts dieses Sonntagsschusses keinen Schuldigen. Die Niederlage sei sehr bitter, ergänzte der Bulgare. Er könne seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen.

Neidhart: Verrücktes Spiel

Widerspruch vonseiten der Meppener gab es nicht. „Verrücktes Spiel von uns“, bilanzierte Neidhart. Mit der ersten Halbzeit sei man nicht zufrieden gewesen, gestand er. „Die Rote Karte hat uns dann sicherlich in die Karten gespielt.“ Nach Granatowskis taktischem Foul habe sich Bischoff hinreißen lassen, dem Meppener mit der Hand ins Gesicht zu schlagen. „Von daher ist die Rote Karte auch gerecht.“ Durch den Platzverweis habe man das Spiel ein bisschen beruhigen können, aber Hansa habe weiter mutig nach vorne gespielt. „Das Paradoxe an der ganzen Situation ist einfach, dass wir in den letzten Wochen ganz ordentliche Leistungen mitgenommen haben, aber nichts mitgenommen haben. Und heute fand ich unsere Leistung eigentlich nicht gut, weil wir viele, viele Sachen schlecht gemacht haben.“ Neidhart meinte die nicht vernünftig ausführten Konter, das fehlende Gegenpressing vor der Szene, die zum Eckball für Rostock und zum Ausgleich von Ziemer führte und die ständigen schnellen Ballverluste nach Balleroberungen. „Das sind alles Situationen, die wir in den letzten Wochen viel, viel besser gemacht haben.“ Am Ende sei man der glückliche Sieger, herrschte Erleichterung pur beim SVM-Trainer. „Wir nehmen die drei Punkte natürlich gerne mit und sind froh, dass wir in die Pause gehen können und den Druck nicht selbst aufgebaut haben, dass wir gegen Zwickau unbedingt gewinnen müssen.“ Der erste Dreier in der 3. Liga tue richtig gut – gerade bei Hansa.

Spielfreies Wochenende wartet

Am kommenden Wochenende finden aufgrund des DFB-Pokals keine Drittligaspiele statt. Bleiben Meppen knapp zwei Wochen Zeit bis zur Zwickau-Partie vor heimischer Kulisse. Aus diesem Grund werde die Trainingsintensität etwas erhöhen.

Kremer in Rostock von Beginn an

Drei Veränderungen hatte Neidhart gegenüber der 1:2-Heimniederlage gegen Madeburg vorgenommen: Jesgarzewski, Kleinsorge und Vrzogic saßen zunächst auf der Bank. Dafür rückten Vidovic, Kremer und Leugers in die Anfangsformation. Kremer nahm die Position von Kleinsorge auf der rechten Außenbahn ein, Vidovic rückte in die Viererabwehrkette, Ballmert verteidigte erstmals hinten rechts für Jesgarzewski. Dagegen veränderte Hansas Coach Dotchev seine Startelf im Vergleich zum 1:0-Sieg in Erfurt nur auf einer Position: Benyamina spielte anstelle von Ziemer in der Spitze.

Klare Rote Karte

Stürmisch kam die Hansa-Kogge an der Ostseeküste aus der Kabine. Die Gastgeber diktierten von Beginn an die Partie, hatten den Gegner im Griff, während die Meppener viel Laufarbeit leisten mussten, um Räume innerhalb der Ketten zu schließen. Glück hatten die Gäste, dass Hüsings Kopfball nach Ecke von Bischoff knapp über den Kasten köpfte (9.). Neun Minuten später klärte Meppens Keeper Domaschke gegen Bouzianes Heber aus spitzem Winkel, obwohl er zu weit aus dem Tor gekommen war. Mitte der ersten Hälfte verlor Rostock den Faden. Schlüsselszene war der Platzverweis gegen Kapitän Bischoff. Schiedsrichter Siewer zeigte Granatowski erst Gelb und Bischoff Rot. Während der NDR bei seiner Liveübertragung die Meinung vertrat, der Platzverweis sei zu hart gewesen, sprach der Telekom-Reporter von einer korrekten Entscheidung. Wütend trat Bischoff auf dem Weg in die Kabine ein Mikrofon um und gegen eine Tür. Hansas Anhänger kochten: „Fußballmafia DFB“, schrien sie. Als es in die Halbzeitpause ging, diskutierten Hüsing und Bouziane mit dem Unparteiischen. „Wir müssen aufpassen und dürfen uns nicht locken lassen“, sagte Meppens Co-Trainer Neumann in der Pause in die NDR-Mikros.

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Meppen ließ sich nicht locken. Neidhart stellte in der Pause um: Vrzogic kam rein für Posipal und nahm die Position von Wagner hinten links ein. Im 4-2-3-1 übernahm Meppens Kapitän die zentrale Stelle hinter Mittelstürmer Girth ein.

Ballmert bereitet Führung vor

Gut fünf Minuten waren gespielt, als Vrzogic mit seinem Diagonalball Ballmert auf der rechten Seite fand. Dessen Flanke drückte Girth am zweiten Pfosten stehend per Kopf ein – sein drittes Saisontor. Dotchev reagierte, brachte Ziemer für Owusu. Die Fans machten Stimmung. Eine Standardsituation kostete Meppen die Führung. Joker Ziemer köpfte eine Ecke von der linken Seite unter die Latte. Holthaus hatte zuvor von halblinks abgezogen, Domaschke zur Ecke gelenkt.

Am Ende hatte Meppen aber noch die passende Antwort: Granatowski zog ab und schenkte seinem Team mit einem Traumtor den Sieg.


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