Wie Fritz Wolf 1999 die Zukunft sah SV Meppen und VfL Osnabrück: Gipfelsturm auf Liga 2?

Von Hermann Queckenstedt

Halsbrecherischer Gipfelsturm: Der Wunsch von Karikaturist Fritz Wolf erfüllte sich 1999 für den SV Meppen nicht. Der VfL Osnabrück schaffte 2000 den Aufstieg.Halsbrecherischer Gipfelsturm: Der Wunsch von Karikaturist Fritz Wolf erfüllte sich 1999 für den SV Meppen nicht. Der VfL Osnabrück schaffte 2000 den Aufstieg.

Meppen 0:0 bei den Sportfreunden Lotte und 2:1 daheim gegen die Würzburger Kickers: Der SV Meppen und der VfL Osnabrück gehen nach dem Saisonauftakt am Sonntag um 14 Uhr in der Hänsch-Arena ins Nordwest-Derby der 3. Liga. Beflügeln könnte sie dabei die Erinnerung an Fritz Wolf, den langjährigen Hauskarikaturisten der Meppener Tagespost, der am 7. Mai 100 Jahre alt geworden wäre.

Wolf brauchte viel Fingerspitzengefühl, um die kickenden Rivalen für die Neujahrsgrüße der Neuen Osnabrücker Zeitung ebenso gleichberechtigt wie augenzwinkernd ins Bild zu setzen. Für das NOZ-Neujahrsleporello 1999 ersann er einen halsbrecherischen Gipfelsturm beider Klubs Richtung 2. Bundesliga – der allerdings ein nicht vollständig erfüllter Traum blieb.

Osnabrück 2000 aufgestiegen

Die Meppener gewöhnten sich damals nach elf erfolgreichen Jahren im Zweitligageschäft gerade an die Niederungen der drittklassigen Oberliga und lagen am Saisonende auf einem enttäuschenden elften Platz. Der langjährige Zweitligist VfL hatte die Liga dagegen schon mehrere Jahre erkundet, den Lila-Weißen gelang der Aufstieg im Jahr 2000 tatsächlich.

Sympathie für beide Vereine

Offenbarte Wolf mit seiner Vision große Sympathie für beide heimischen Klubs, so nahm er durchaus auch kritische Entwicklungen des Fußballgeschäfts in den Blick. 1988 setzte er den seinerzeit geradezu unterentwickelten Einfluss von Fernsehgeldern auf den Profifußball ins Bild, der inzwischen mit einer Spieltags-Bandbreite von Freitag bis Montag auch die 3. Liga erreicht hat. Ausgerechnet der SV Meppen machte bei den Montagsspielen in Lotte den Auftakt, wobei die mitgereisten Fans ob solcher Bedrohung kultiger Auswärtsfahrten ihrem Unmut im Stadion mit einem „Ballgewitter“ Luft machten.

„Ab sofort gehört euer Papi samstags wieder mir!“

1994 inszenierte der Zeichner König Fußball mit seinem Reichsapfel in Form eines Fußballs, der zum Saisonbeginn wieder das Zepter über die Freizeit williger Fans übernimmt. Allerdings hatte Wolf im Vorjahr den Saisonauftakt noch weit kritischer begleitet, als er die Spielkleidung tragende, als Kind personifizierte Bundesliga frohlocken ließ: „Ab sofort gehört euer Papi samstags wieder mir!“ Neben der Figur mit Fußballschädel hantiert der Vater – die Bierflasche in der Hand – mit der Fernbedienung, während seine Sprösslinge bedröppelt zuschauen.

Perspektiven für geschundene Fanseelen

Allem Kickerfrust zum Trotz eröffnete Wolf Perspektiven für geschundene Fanseelen nach Welt- und Europameisterschaften. Nach dem 1992 verlorenen EM-Endspiel gegen Dänemark schickte er einen verheulten deutschen Michel mit seinem Biervorrat zum Ballwechsel auf den Fernsehsessel. Dessen trotzig-hoffnungsvoller Ausspruch „Jetzt muss ich mich ganz auf Wimbledon konzentrieren“ wurde dank einer souveränen Steffi Graf erhört. Nach dem deutschen WM-Aus in Russland wurde Fritz Wolfs Rezept gegen die Fußballtrauer wieder aktuell: der wiedererstarkten Angelique Körber sei Dank.

Fritz Wolfs gesammelte Fußball-Karikaturen aus fünf Jahrzehnten liegen unter dem Titel „Fair Play, Bitte!“ auch als Buch vor und sind in der Geschäftsstelle des SV Meppen sowie im Buchhandel für 10 Euro erhältlich.


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