Bösken gönnt KFC die Lizenz Beispiel Wilhelmshaven: Warum Uerdingen keine Chance hat

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Eine klare Ansage hat Hans Bösken zu den Aussichten von Uerdingen auf die Lizenz zur 3. Liga gemacht. Nach seinen Erfahrungen vor 17 Jahren beim SV Wilhelmshaven habe der KFC keine Chance. Foto: GallandiEine klare Ansage hat Hans Bösken zu den Aussichten von Uerdingen auf die Lizenz zur 3. Liga gemacht. Nach seinen Erfahrungen vor 17 Jahren beim SV Wilhelmshaven habe der KFC keine Chance. Foto: Gallandi

Herzlake. Wiederholt sich Geschichte doch? Für Hans Bösken kann es in Sachen Drittligalizenz für den KFC Uerdingen nur eine Entscheidung geben: „So leid es mir für den Verein tut. Er bekommt sie nicht“, verweist der Bürgermeister der Gemeinde Herzlake auf einen ähnlichen Vorgang beim SV Wilhelmshaven vor ziemlich genau 17 Jahren. Den hat er selbst erlebt.

Der Emsländer, sportlich auch schon beim VfL Herzlake, beim SV Meppen und bei Preußen Münster engagiert, hat es hautnah mitbekommen am Jadebusen. Der damalige Nord-Regionalligist hatte die Unterlagen für eine Lizenzauflage wie jetzt Uerdingen, das sich in der Relegation gegen Waldhof Mannheim behauptet hatte, verspätet eingereicht. Nur wenige Minuten. Fünf oder zehn hieß es wahlweise in den Medien. „Zwei“, erinnert sich Bösken an die Geisterstunde. „Zwei Minuten nach zwölf war es damals wirklich für den Verein.“ Denn der Deutsche Fußball-Bund, dem die damalige dritthöchste Liga unterstand, kannte kein Erbarmen.

Ringen um die Bürgschaft

Der SVW musste an der gesetzten Frist bis Mitternacht eine Bürgschaft über 500000 DM nachweisen. Vorstandsmitglieder, Sponsoren und Wirtschaftsvertreter saßen zusammen, diskutierten nach Erinnerung von Bösken, der in Wilhelmshaven als Manager eingestiegen und in dieser Phase Interimsvorsitzender war, heftig. „Es war ein hartes Ringen.“ Doch trotz seines Drängens dauerte es (zu lange), bis die Unterschriften geleistet waren.

„Fax-Affäre“

Die Unterlagen kamen nicht pünktlich an. Der Verein, erinnert sich Bösken, habe technische Probleme als Grund angegeben. Das Faxgerät habe beim ersten Versuch nicht alle Seite gezogen. Doch das, gibt der Emsländer heute zu, habe so nicht gestimmt. Der Vorfall hatte fortan seinen Namen: „Fax-Affäre“.

„Es gab keine Einsicht“

Wilhelmshaven legte gegen die Entscheidung des DFB, dem Verein keine Lizenz zu erteilen, Widerspruch ein. Verhandelt wurde in Frankfurt. „Auf der anderen Seite saß der spätere DFB-Präsident Theo Zwanziger“, sagt Bösken. „Wir haben alles versucht. Es hat nicht genutzt“, lautet die ernüchterte Bilanz. Die Norddeutschen wiesen auf die Gefährdung der Arbeitsplätze von Spielern und Vereinsmitarbeitern im Falle eines Abstiegs in die Oberliga hin. All die Argumente also, die auch Uerdinger Verantwortliche und Spieler jetzt vorbringen. „Es gab keine Einsicht“, stellt Bösken fest, der nach eigenen Angaben Tränen in den Augen hatte. Nach dem Termin musste er so vielen Pressevertretern Rede und Antwort stehen wie nie zuvor.

In Düsseldorf knallten Sektkorken

„Wir wurden noch als die Deppen dargestellt, die kein Fax verschicken können“, sagt der Herzlaker. Die Mannschaft, zu der auch ehemalige Bundesligakicker wie Heiko Bonan (VfL Bochum) oder Valdas Ivanauskas (Hamburger SV), der spätere Meppener Trainer Frank Claaßen, der ehemalige Herzlaker Regionalliga-Torjäger Hakan Cengiz oder die Osnabrücker Bernd Heemsoth und Sebastian Lodter gehörten, und Trainer Hans-Werner Moors waren am Boden zerstört. Der Tabellenzehnte, der sich ein Jahr zuvor anders als der SV Meppen souverän für die zweigleisige Regionalliga qualifiziert hatte, musste den bitteren Weg in die Oberliga gehen. In Düsseldorf knallten die Sektkorken, denn statt Wilhelmshaven blieb die sportlich abgestiegene Fortuna in der Regionalliga. Der Zwangsabsteiger witterte Verrat. Der DFB habe den SVW zugunsten eines Traditionsvereins aus der Liga gekegelt, wird Bösken beim Spiegel zitiert.

„Der DFB kann jetzt nicht anders entscheiden“

Mit Blick auf die für Montag angekündigte DFB-Entscheidung steht für Bösken fest: Nach diesem Präzedenzfall könne es keine Ausnahme geben. „Der KFC Uerdingen muss sich darauf einstellen, dass er keine Lizenz bekommt. Der DFB kann jetzt nicht anders entscheiden als damals. Ich wünsche dem KFC dennoch, dass er seine Chance bekommt“, soll niemand seine Enttäuschung erleben müssen.


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