Perfektionist auf dem Platz Nach über 16 Jahren: Robben hört auf beim SV Meppen


Meppen. Der Routinier nimmt Abschied: Jens Robben hat bis heute 284 Pflichtspiele (22 Tore) für den SV Meppen absolviert, für den der gerade 35 Jahre alt gewordene Fußballer fast die Hälfte seines Lebens aktiv war – über 16 Jahre. Er bleibt den Blau-Weißen als Scout und Videoanalyst erhalten.

Die berufliche und sportliche Belastung ist für Jens Robben, der in Vollzeit bei der Post beschäftigt ist, zu groß geworden. Das hat er unterschätzt. Sportvorstand Heiner Beckmann lobt die Verdienste des Spielers. Trainer Christian Neidhart nennt den Auftritt des Fußballers vorbildlich. Das ist bei einem Perfektionisten wie Robben nicht selbstverständlich. Der vor und nach dem Spiel besonnene Kicker erwartet auf dem Platz, dass alles klappt. Andernfalls haderte er mit sich und seinen Mitspielern. Der Filigrantechniker gilt aber auch als Fuchs, der einen Gegenspieler gern aussteigen lässt. Nicht weil er den uralt aussehen lassen will, sondern, weil sich dann Räume ergeben, die für das eigene Spiel wichtig sind.

„Ich hätte auch woanders hingehen können“

„Das ist meine Art zu spielen“, sagt Robben. Das gefiel ihm schon als Jugendlicher in den Auswahlmannschaften. In der C-Jugend wechselte er von Erika-Altenberge zum SVM. In der A-Jugend wählte Trainer Alo Weusthof ihn neben anderen Spielern aus, um mit den Herren zu trainieren. Sein Talent war längst erkannt. „Ich hätte auch woanders hingehen können“, erinnert Robben an Anfragen aus Hamburg und Bremen. Aber er unterschrieb für zwei Jahre einen Vertrag beim SVM. Auch, weil er seine Ausbildung zu Industriekaufmann zu Ende bringen wollte.

Debüt unter Andreas Helmer

Unter Trainer Andreas Helmer debütierte er im August 2002 gegen Eintracht Braunschweig II, schoss im Februar 2003 beim 3:1 in Schüttorf sein erstes Tor im Seniorenbereich. Nach Robbens Erinnerung ging seinem Wechsel zum ehemaligen Meppener Trainer Paul Linz bei Eintracht Trier ein Anruf des früheren Managers Gerd van Zoest voraus. Trier stieg wegen eines einzigen fehlenden Tores unglücklich aus der 2. Bundesliga ab, in der Robben zehn Einsätze verzeichnete.

Mit Oberhausen in die 2. Bundesliga

Die Anfrage aus Oberhausen kam Anfang 2006 gerade recht. Wegen der geringeren Entfernung zum Emsland „eine optimale Lösung“, sagt Robben. Doch der Abstieg in die Oberliga war nicht mehr zu verhindern. Dann stieg das Team unter Trainer Hans-Günter Bruns in die Regionalliga auf. Als Topfavorit. Als Außenseiter, „fast wie Meppen jetzt“, gelang der Durchmarsch in die 2. Liga. „Wir haben uns als Mannschaft gut verstanden“, zieht Robben den Vergleich zum SVM. „Ich habe mich superwohl gefühlt.“ Das war ihm immer wichtig. Also schlug er Angebote aus der ersten und zweiten Liga aus, auch weil der neue Trainer Jürgen Luginger ihm erklärt habe, er sei „eine Säule des Oberhausener Spiels“. Aber es lief nicht wie geplant, Robben zählte oft nicht einmal zum Kader. „Ich bekam nie eine Antwort auf die Frage, woran es lag, da ist viel kaputt gegangen von dem, was ich aufgebaut hatte“, erinnert sich der Fußballer. „Da realisiert man als Spieler, dass man nur Leistung bringen kann, aber andere aufstellen.“

0:1 gegen VfL Oldenburg ein Tiefpunkt

Die Konsequenz: Die Rückkehr nach Meppen für ein halbes Jahr. Einige Absprachen seien nicht voll eingehalten worden, auch sportlich behagte es Robben nicht. „Ich passte nicht zum Trainerteam.“ Tiefpunkt war die 0:1-Niederlage gegen den VfL Oldenburg kurz vor Weihnachten 2009, nach der Trainer Frank Claaßen gehen musste, Robben freiwillig zum BFC Dynamo wechselte.

„Meppen ist etwas Besonderes für mich“

„Wäre es anders gelaufen, wäre ich nicht weggegangen. Meppen ist etwas Besonderes für mich“, denkt der Spieler an Fans, Infrastruktur und solide wirtschaftliche Arbeit in seiner Zeit. Doch so spielte er ein halbes Jahr für BFC Dynamo, kehrte dann wieder zurück.

Aufstiege als Höhepunkte

Regionalliga 2012 und in die 3. Liga 2017, beide NFV-Pokalspiele gegen Osnabrück sowie eins gegen Lüneburg. Doppelpacks schnürte er in Meppen ausgerechnet gegen die Erzrivalen Oldenburg (2:2; 2013) und Osnabrück (2:1; 2009). Am emotionalsten aber war der Aufstieg mit Oberhausen in die 2. Liga. Denn wenige Tage zuvor war Robbens Vater gestorben. Auf dessen Wunsch trat er im entscheidenden Spiel bei Union Berlin an, bereitete beim 3:0 noch ein Tor vor. Oberhausen stieg neben Ahlen auf. In der Kabine brach Robben mit einem Weinkrampf zusammen.

Von der Entwicklung beim SVM überrascht

Während die letzten eineinhalb Jahre für Robben selbst sportlich nicht so aufregend waren, ist er von der Entwicklung beim SVM überrascht. „Es ist wahnsinnig, was hier entsteht.“ Dazu will er weiter seinen Teil beitragen.


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