Spieler nach Todesfall in Familie nicht dabei SV Meppen: Team schickt David Vrzogic Kraft

Von Kim Patrick von Harling

Die Spieler, Trainer und Betreuer des SV Meppen siegten auch für den abwesenden David Vrzogic. Foto: Werner ScholzDie Spieler, Trainer und Betreuer des SV Meppen siegten auch für den abwesenden David Vrzogic. Foto: Werner Scholz

Chemnitz. David Vrzogic tauchte am Samstag nicht auf dem Spielbogen des SV Meppen auf. Sein Vater war unter der Woche verstorben, der Spieler reiste nicht mit zur Auswärtspartie beim Chemnitzer FC. Bereits nach dem zwischenzeitlichen 1:0 durch Max Kremer schickten ihm seine Teamkollegen einen Gruß. Auch nach dem Spiel dachte das Team an Vrzogic.

Nico Granatowski rannte nach der 1:0-Führung zur Trainerbank und hielt das Trikot von Vrzogic hoch, weitere Spieler folgten ihm und zollten ebenfalls Respekt. „Wir wollten mit dieser Aktion unsere Anteilnahme zeigen. Wir halten alle zusammen, auf und neben dem Platz. Für ihn ist das eine schwierige Zeit. Damit wollten wir David eine Freude machen, einen Dreier holen und für ihn kämpfen.“ Das Vorhaben setzten die Meppener in die Tat um. Auch nach dem Anpfiff waren die Gedanken beim Mitspieler. Gemeinsam mit dem Trainer- und Betreuerstab hielt die Mannschaft vor den mitgereisten Fans das Trikot mit der Rückennummer 27 hoch – ein besonderer Gruß. Auch die verletzten Marius Kleinsorge und Benjamin Girth, die mitgereist waren, kamen extra auf den Platz. Der SVM-Anhang hielt währenddessen im Hintergrund seine Schals hoch.

Stadionsprecher klärt auf

Beim ersten Gruß an Vrzogic nach dem zwischenzeitlichen 1:0 gab es ein gellendes Pfeifkonzert der Chemnitzer Fans. Offensichtlich dauerte ihnen das vermeintliche Jubeln der Gäste zu lange. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt wussten sie nicht, was diese Geste zu bedeuten hatte. Für Aufklärung sorgte der Stadionsprecher in der Halbzeitpause durch die Stadionlautsprecher. Der Chemnitz-Anhang zollte vereinzelt Respekt und klatschte für Vrzogic.

Bähre muss Hose wechseln

Eine kuriose Szene hatte sich nur wenige Sekunden nach dem Anpfiff ereignet: Mike Bähre verließ den Platz und rannte in Richtung Kabine. Der Grund war seine Radlerhose unter dem offiziellen Dress. „Die hatte eine andere Farbe. Das hatte ich allerdings die Spiele zuvor auch so“, erklärte Bähre. „Das war ärgerlich. Ich weiß nicht, ob man dafür nun extra raus muss. Aber das Umziehen ging ja schnell, und ich stand wieder fix auf dem Platz.“ Grundsätzlich war die Farbauswahl beider Mannschaften nicht allzu glücklich. Durch die weißen Trikots der Meppener und dem „Himmelblau“ der Chemnitzer waren einige Zuschauer auf den Rängen etwas irritiert.

Granatowski muss Tablette nehmen

Nach der Roten Karte gegen Keeper Erik Domaschke kam Jeroen Gies in die Partie. Dass Granatowski den Rasen für den Ersatztorwart verlassen musste, war keine Überraschung. Der Flügelflitzer hatte mit Übelkeit und Kopfschmerzen zu kämpfen und nahm nach 29 Minuten eine Tablette gegen seine Beschwerden ein. „Mir war schwindelig, ich musste die ganze Zeit spucken. Ich hatte schon dem Trainer Bescheid gesagt. Mit der Roten Karte war dann klar, dass ich raus ging“, erklärte Granatowski. „So musste kein unnötiger Wechsel vollzogen werden. Mir ging es auf einmal nicht gut.“

Gies springt wieder ein

Erneut musste also Gies zwischen die Pfosten. 30 Spiele am Stück saß der Torwart über 90 Minuten auf der Bank. Beim 31., dem Spiel bei Fortuna Köln (2:0), kam Gies für den verletzten Erik Domaschke rein. Während des 2:1 gegen Carl Zeiss Jena hütete er dann 90 Minuten den Kasten. In kürzester Zeit also steht Gies immer mehr im Fokus. „Es war natürlich wieder überraschend, so reinzukommen. Aber ich glaube, dass ich mich gut präsentiert habe und gehalten habe, was es zu halten gibt. In dem Moment denkt man nicht viel: Einfach reinkommen und das Beste geben“, berichtete Gies. Tatsächlich parierte der 23-Jährige ein ums andere Mal stark. Durch die Rote Karte von Domaschke wird Gies auch gegen die SF Lotte am Freitag in den Kasten gehen. Eine weitere Möglichkeit, zu glänzen.

Junges Blut auf der Bank

Mit Domaschke wird jedoch ein weiterer Stammspieler fehlen. Mit Martin Wagner, Steffen Puttkammer, Benjamin Girth, Martin Kleinsorge und Vrzogic fehlten Coach Christian Neidhart wichtige Achsen in der Startelf. So kam es, dass die Meppener eine extrem junge Auswechselbank präsentierten. Gies (23), Janik Jesgarzewski (24), Menno Heerkes (24), Thorben Deters (22), Leon Demaj (20), Haris Hyseni (25) und Yannik Nuxoll (20) brachten es auf einen Altersdurchschnitt von gerade einmal 22,6 Jahren. Zum Vergleich: Die Startelf verzeichnete einen Altersdurchschnitt von 27 Jahren.

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