Einsatz von Benjamin Girth fraglich Was erwartet den SV Meppen beim Insolvenz-Verein Chemnitz?

Von Kim Patrick von Harling

Während der Einsatz von Benjamin Girth (rechts) am Samstag in Chemnitz fraglich ist, fällt Marius Kleinsorge definitiv aus. Foto: Lars SchröerWährend der Einsatz von Benjamin Girth (rechts) am Samstag in Chemnitz fraglich ist, fällt Marius Kleinsorge definitiv aus. Foto: Lars Schröer 

Meppen. Sportlich war der Fußball-Drittligist Chemnitzer FC bereits so gut wie abgestiegen, unter der Woche kam nun die endgültige Gewissheit: Der Verein stellt den Insolvenzantrag. Was erwartet den SV Meppen am Samstag (14 Uhr) beim CFC? Eine resignierte Mannschaft, ein Totentanz? SVM-Trainer Christian Neidhart weiß zumindest eines ganz gewiss: Es sollen mehr Punkte auf das Konto der Emsländer.

„Die DFB-Spielordnung sieht bei einem Insolvenzantrag den Abzug von neun Punkten vor“, heißt es in einer Pressemitteilung des DFB. Zuletzt kassierte der Ligakonkurrent FC Rot-Weiß Erfurt eine solche Strafe. Sollten den Chemnitzern neun Zähler abgezogen werden, würde der CFC mit dann nur 20 Punkten auf Platz 19 abrutschen – der sichere Abstieg.

Schießbude der Liga

Auf die Frage, was sein Team im Osten der Republik erwarten würde angesichts der Geschehnisse der vergangenen Tage, muss Neidhart kurz überlegen. „Das ist eine wirklich gute Frage. Die Situation ist sicherlich so, dass die Spieler sich gut präsentieren wollen. Dementsprechend wird sich da keiner hängen lassen“, sagt der SVM-Coach. Tatsächlich zeigten die Chemnitzer jüngst eine ihrer besten Saisonleistungen. Im Kellerduell bei RW Erfurt siegte die Mannschaft von Trainer David Bergner deutlich mit 5:0. Für die Moral ein wichtiger Sieg, schließlich ist der Tabellen-18. die Schießbude der Liga. In 33 Partien kassierte er 66 Tore. Zum Vergleich: Meppen ließ nur 41 Treffer zu.

50 Punkte – ein machbares Ziel

Durch den 2:1-Erfolg über Carl Zeiss Jena hatten sich die Meppener ohnehin schon den Klassenerhalt gesichert, der Last-Minute-Punkt beim 2:2 gegen den Halleschen FC am Sonntag ließ die Brust der Emsländer noch breiter werden. Nach dem sicheren Drittliga-Verbleib setzt sich der SVM neue Ziele für die Restsaison: Die 50-Punkte-Marke soll geknackt werden. Angesichts von aktuell 46 Zählern und noch fünf Spielen ein durchaus machbares Vorhaben. „Wir wollen Punkte holen, wir dürfen so eine zweite Halbzeit wie gegen Halle nicht noch mal zeigen. Das ist nicht unser Gesicht“, betont Neidhart. „Das steht uns überhaupt nicht. In Chemnitz wollen wir eine gute Leistung zeigen, unabhängig davon, was beim CFC los ist.“

Vorsicht vor Sturm-Duo

Mit einer schnellen Führung würden die Emsländer den Gastgeber am Samstag naturgemäß ordentlich unter Druck setzen. Die Chance, dann auch als Sieger das Feld zu verlassen, ist in der community4you-Arena enorm groß. 22-mal gerieten die Sachsen in Rückstand, in der Folge holten sie gerade einmal vier Punkte. Die Meppener selbst verzeichneten 18 Rückstände, daraus resultierten jedoch 13 Zähler. Frühes Tor, sicherer SVM-Sieg? „Das ist natürlich immer eine schöne Wunschvorstellung. Grundsätzlich versuchen wir aber immer, mutig zu spielen“, sagt Neidhart. „Wir gehen nicht direkt vorne drauf, agieren aber mit einem guten Mittelfeldpressing.“ Gar nicht erst ins Spiel lassen sollten die Emsländer die CFC-Offensivabteilung mit Daniel Frahn und Myroslav Slavov. Beide Angreifer netzten jeweils elfmal ein. Mit zusammen 22 Toren markierte das Duo also die Hälfte aller Chemnitzer Saisontreffer. „Bei uns ist das mit Benjamin Girth ja ähnlich. Solche zwei Stürmer, wie Chemnitz sie hat, musst du unter Verschluss bekommen“, weiß Neidhart. „Aber letztlich hat jede Mannschaft zwei Experten, die da vorne treffen.“

Ohne Benjamin Girth?

Das Hinspiel entschied Meppen mit 3:2 für sich. Während für Chemnitz Björn Kluft und Slavov die Tore erzielten, legte Girth für die Emsländer einen lupenreinen Hattrick hin. Den entscheidenden Treffer markierte der Goalgetter zwei Minuten vor dem Schlusspfiff. Ob Girth am Samstag wieder die Chance zu einer Torgala erhalten wird, ist fraglich. Bereits während des Spiels gegen den Halleschen FC plagten ihn Oberschenkelprobleme. Aufgrund der anhaltenden Schmerzen ist Girths Einsatz am Samstag fraglich. „Die Chancen stehen 50/50“, sagt Neidhart.

Wagner, Kleinsorge und Vrzogic nicht dabei

Für Marius Kleinsorge war die Partie gegen Halle die letzte in dieser Saison. Aufgrund einer Schambeinentzündung soll sich der Flügelflitzer nun auskurieren, um in der neuen Drittliga-Saison wieder angreifen zu können. Weiterhin verletzungsbedingt ausfallen wird Kapitän Martin Wagner, auch David Vrzogic (privat verhindert) wird nicht auflaufen. Thilo Leugers, der gegen Halle frühzeitig ausgewechselt werden musste, trainierte am Mittwoch und ist laut Neidhart für das Chemnitz-Spiel voraussichtlich einsatzfähig. Das gilt auch für Keeper Erik Domaschke, der ebenfalls während der Halle-Partie am Finger behandelt werden musste.

Wichtige Regeneration

Dass Blessuren und Verletzungen beim SVM nicht ausbleiben, verwundert nicht. Innerhalb von zwei Wochen absolvierte die Mannschaft fünf Partien. Nun kehrt wieder Normalität in den Spielbetrieb ein. Unter der Woche stand kein Pflichtspiel für die Emsländer an. Regeneration stand indes ganz oben auf dem Plan. Montag und Dienstag gaben Neidhart und Co-Trainer Mario Neumann der Mannschaft frei.

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