Ex-Meppener Thomas Bröker bei Fortuna Heimisch in Köln, aber immer noch ein „Meppener Jung“

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Köln. 28 Minuten stand Thomas Bröker am Samstag für den SC Fortuna Köln auf dem Rasen. Zum achten Mal wurde der 33-Jährige eingewechselt. Beinahe hätte Bröker das 1:1 erzielt. Doch der eingewechselte SVM-Torhüter Jeroen Gies verhinderte gemeinsam mit Janik Jesgarzewski den Ausgleich.

„Eigentlich war es ein ausgeglichenes Spiel“, fasste Bröker die 90 Minuten im Kölner Südstadion zusammen. Man habe zweimal individuell eine falsche Entscheidung getroffen, als man den Meppenern den Ball in den Fuß spielte. „Die nutzen das zweimal aus. Sonst wäre es wahrscheinlich 0:0 ausgegangen. Aber dadurch verlieren wir das Spiel. Unnötig.“

Zu wenig Druck hinter dem Ball

Natürlich trauerte Bröker seiner Einschussmöglichkeit hinterher. „Bei meiner Chance habe ich das lange Eck anvisiert, kriege leider nicht mehr ganz so viel Druck hinter den Ball, wie ich wollte. Der Torwart kommt noch mit einer Hand hin. Schade.“

In Duisburg ausgemustert

Nach knapp eineinhalb Jahren fast ohne Spielpraxis beim MSV Duisburg wollte es Bröker in der Winterpause noch einmal wissen. Wechselte von Zweitligisten eine Klasse tiefer zur Fortuna. Untern Trainer Uwe Koschinat wagte der Ausgemusterte einen Neuanfang.

Bröker: Nicht immer nur bergauf

Duisburgs Trainer Ilia Gruev hatte Bröker seit dem Sommer nicht mehr berücksichtigt. Keine einfache Zeit, wie Bröker gesteht. Sein sechsjähriger Sohn habe ihn bei einem gemeinsamen Stadiobesuch gefragt, warum er eigentlich nicht mehr auf dem Platz stehe. „Tja, was sagt man dann? Man sagt, die Mannschaft braucht den Papa gerade nicht und kommt grade ohne ihn klar. Und der Trainer mag den Papa auch grade nicht so – fußballerisch“, versuchte Bröker, möglichst kindgerecht zu antworten. Natürlich keine schöne Situation, wie Bröker zugibt. „Deswegen habe ich das jetzt auch im Winter geändert.“ Dass es auch anders laufen kann, kennt Bröker aus seinen anderen Stationen. „Es geht nicht immer nur bergauf.“ Diesen Situationen müsse man sich auch stellen.

Standort bei Wechsel entscheidend

Für Brökers Wechsel war, abgesehen vom sportlichen Anreiz eines Aufstiegsaspiranten, auch der Standort entscheidend. Wohnt er doch mit seiner Frau und den drei Kindern nur zwölf Kilometer vom Südstadion entfernt in Bergisch-Gladbach.

Erstes Seniorenjahr in Meppen

Natürlich habe er direkt nachgeschaut, wann es gegen den SV Meppen geht, gestand Bröker im Januar bei seinem Wechsel zur Fortuna. „Meine Eltern, die ja in Groß Fullen in Meppen leben, haben sich schon geärgert, dass Fortuna schon in Meppen gespielt hat.“ Natürlich sei es ein ganz besonderes Spiel, so Bröker. „Ich bin Meppener, bin hier geboren. Habe als A-Jugendlicher mein erstes Seniorenjahr beim SV gehabt.“ Deswegen freute er sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub am Karsamstag. Wenngleich er gerne noch einmal in der Hänsch-Arena aufgelaufen wäre.

Dreimal in die 1. Liga aufgestiegen

Viermal ist Bröker in seiner Karriere bereits aufgestiegen – mit dem 1. FC Köln (2005 und 2014) und Fortuna Düsseldorf (2012) in die 1. Bundesliga sowie mit dem MSV Duisburg im letzten Sommer in die 2. Liga.

Als A-Jugendlicher hochgezogen

Bereits als A-Jugendlicher war Bröker in der Saison 2003/04 beim SV Meppen in den Herrenbereich hochgezogen worden. Im Sommer 2004 wechselte im Alter von 20 Jahren für 25 000 Euro zum 1. FC Köln. Meppen hatte mit Georg Belke einen neuen Trainer bekommen, der auf andere Spieler setzte.

198 Zweitligaspiele

In der Fremde fand Bröker sein sportliches Glück. In Köln lernte der Vater von drei Kindern seine jetzige Frau kennen. Weitere Stationen waren Dynamo Dresden, dem SC Paderborn, Rot-Weiß Aalen, Fortuna Düsseldorf und der MSV Duisburg. In 193 Spielen in der 2. Bundesliga verbuchte Bröker 26 Tore und 19 Vorlagen. Beim 1. FC Köln lief er zudem in der Saison 2014/15 viermal in der 1. Bundesliga auf.

Eltern auf dem Sofa

Seine Frau und sein Sohn trösteten Bröker nach dem Schlusspfiff gegen Meppen am Seitenrand. Die Eltern hatten sich nicht extra auf den Weg nach Köln gemacht. „Die haben sich das vor dem Fernseher angeschaut. Aber zwei Cousins sind da, viele alte Freunde. Von denen, die da in der Fankurve stehen, kenne ich schon noch viele.“

Dass aus ihm inzwischen ein „Kölsche Jung“ geworden ist, verneint Bröker. Er komme gebürtig aus Meppen. „Und Meppener Jung bleibt man.“ In Köln fühle er sich auch heimisch, aber seine Wurzel seien in Meppen.

Zukunft bei der Fortuna offen

Ob er über den Sommer hinaus bei Fortuna Köln bleibt, ist noch unklar: „Weiß ich nicht“, sagt der 33-Jährige auf die Frage nach seiner Perspektive. „Ich lasse das erst mal auf mich zukommen. Vielleicht kriege ich ja noch mal die Möglichkeit, mich noch ein bisschen länger zu präsentieren. Dann schauen wir mal, was die Zukunft bringt.“ Er fühle sich noch einigermaßen fit. „Von daher sollte es schon noch ein Stückchen weitergehen.“

„So eine Zeit kommt nie wieder“

Bröker beschäftigt sich bereits mit der Zeit nach der aktiven Laufbahn. Neben dem Fußball studiert er Betriebswirtschaftslehre. Im Sommer will er damit beginnen, seine Bachelorarbeit zu schreiben. „Und in einem guten Jahr fertig sein.“ Bröker will einen fließenden Übergang vom Profifußball ins Leben danach schaffen. „Natürlich spielt man so lange Fußball weiter, wie es geht. So lange die Knochen halten und andere Vereine einen noch haben wollen.“ Man müsse sich nicht alles antun, aber trotzdem möchte Bröker noch etwas dem Ball hinterherjagen. „So eine Zeit wird im Leben eigentlich nie wieder kommen. Wo man wirklich so viel Spaß hat am Job und wirklich gutes Geld verdient.“ Schließlich habe man weniger Aufwand als bei einem Bürojob, der acht bis zehn Stunden am Tag dauere. „Deswegen werde ich so lange Fußball spielen, wie es die Knochen mitmachen.“


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