1:3 – Hessen erbarmungslos Tormaschine Wehen Wiesbaden nutzt Aussetzer des SV Meppen

Von Uli Mentrup


Meppen. Die Tormaschine der Liga hat für die dritte Heimniederlage des SV Meppen gesorgt. Die Emsländer verloren vor 5456 Zuschauern in der Hänsch-Arena mit 1:3 (0:1) gegen den SV Wehen Wiesbaden, der die Aussetzer der Gastgeber nutzte und den fünften Sieg in Serie feierte.

Die Hessen kannten kein Erbarmen. Knapp 40 Minuten lief es ordentlich für die Gastgeber. Dann zeigte Wehen Wiesbaden, wie man Tore schießt. Der SVM, der sich kaum Chancen erarbeitete, hat seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen. Gästecoach Rüdiger Rehm zollte seiner Elf vor allem für den Auftritt in der zweiten Halbzeit Respekt. Sie habe in Meppen gegen einen starken Gegner eine schwere Aufgabe gelöst. „Die Mannschaft hat sehr konzentriert gearbeitet, war sehr aggressiv im Zweikampf und hat die Momente genutzt, als der Gegner uns eingeladen hat.“

Zwei Wechsel

SVM-Coach Christian Neidhart, der für den grippekranken Markus Ballmert Janik Jesgarzewski auf der rechten Seite der Viererkette und für Steffen Puttkammer, der über Beschwerden am Schienbein klagte, Mike Bähre auf der Sechser-Position brachte, war natürlich enttäuscht vom Ergebnis. Die drei Treffer von Wehen Wiesbaden seien nicht herausgearbeiteten Chancen entsprungen, sondern die Folge Meppener Unzulänglichkeiten.

Gastgeber beginnt diszipliniert und konzentriert

Dabei lief die Partie mehr als eine halbe Stunde beinahe wunschgemäß für die Emsländer. Trotz der Wechsel hielt Neidhart an seiner 4-2-3-1-Grundformation fest. Sie gab der Mannschaft bis zum 0:1 Sicherheit. Die Emsländer agierten diszipliniert, es war zunächst kein Unterschied zum Gast zu erkennen. Es gab zwar einige Möglichkeiten vor der Pause, aber kaum glasklare. Der SV Meppen wirkte trotz einiger Ballverluste, die auch auf denen unebenen Platz zurückzuführen sein könnten, konzentriert.

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Bei Standards gewappnet

Auch bei den gefährlichen Standards waren die Meppener gewappnet. Bei Eckbällen zogen sie sich komplett in den eigenen Strafraum zurück – und ließen Brandherde gar nicht erst entstehen. Die Partie schien im Sinne der Meppener zu laufen, die vorn nur ganz selten gefährlich wurden. Etwa bei einem Volleyschuss von Bähre nach Freistoß von Thilo Leugers. Keeper Markus Kolke lenkte den Ball zur Ecke. Beim Flachschuss von Benjamin Girth hatte er nicht viel Mühe.

Zuerst nur Warnsignale

Die ansonsten brandgefährliche Offensive der Hessen kam zunächst nicht richtig zum Zuge. Der 19-fache Torschütze Manuel Schäffler blieb trotz des neongelben Trikots blass. Gefahr ging von ihm bis zum Seitenwechsel kaum aus. Nur einmal musste SVM-Innenverteidiger Marcel Gebers vor ihm klären. Die Tormaschine der Liga gab nur einige Warnsignale. Mehr nicht. Etwa als Torwart Erik Domaschke den Ball nach Schuss von Stephan Andrist zur Ecke klärte.

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Vidovic fälscht Ball ins eigene Tor ab

Doch dann kam die 40. Minute: Zum ersten Mal setzte sich der SV Wehen Wiesbaden schnell auf dem rechten Flügel durch. Das SVM-Mittelfeld arbeitete nicht entschlossen genug gegen den Ball, Simon Brandstetter bediente Moritz Kuhn mustergültig, der die Meppener Abwehr überlief. Er schob den Ball nach innen; ausgerechnet der ehemalige Wiesbadener Jovan Vidovic fälschte ihn unglücklich ab. 0:1 – die unerwartete Führung für die Hessen. Ihr 63. Saisontreffer, der erste von Kuhn. Eine kalte Dusche für den Gastgeber, der Knackpunkt im Spiel. „Der Ball fällt irgendwie hinten rein“, beschrieb Rehm die Szene. „Ein Eigentor“, mehr sagte Neidhart nicht.

Gast fordert Elfmeter

Bis zur Pause war die Partie ausgeglichen. „Wir hatten ein paar kleine Aktionen mehr als der Gegner“, beharrte Rehm. Vielleicht dachte er an die Szene in der siebten Minute, als Brandstetter nach Zweikampf mit Girth im SVM-Strafraum zu Boden ging und vehement Elfmeter forderte. Neidhart wusste, dass nach so einem Rückstand „etwas im Kopf vorgeht“. Zudem sei auf dem Boden flaches Spiel kaum möglich gewesen. „Und wenn man mit hohen Bällen gegen Wiesbaden spielt, wird es schwer.“

Schäffler ohne Torerfolg

Noch schwerer wurde es nach zwei SVM-Patzern nach der Pause. Nach langem Abschlag von Domaschke kam der Ball über den eingewechselten Patrick Funk schnell wieder nach vorn. Die Meppener Abwehr war nur gemächlich aufgerückt. So wären zwar Manuel Schäffler und Stephan Andrist zwar im Abseits gewesen wären, aber nicht Brandstetter, der von hinten heranstürmte. Neun Minuten später machte Wehen Wiesbaden alles klar: Als Martin Wagner das Leder nicht unter Kontrolle brachte, grätschte Andrist nach Brandstetter-Vorarbeit an der Strafraumgrenze in den Ball, der links unten neben dem Pfosten im Netz landete. Das 0:3, mit dem die Hessen mit 65 Saisontoren den SC Paderborn, der Freitag ein 2:0 in Bremen vorgelegt hatte, als torgefährlichste Mannschaft der 3. Liga ablösten. Ohne das Torjäger Schäffler beteiligt gewesen wäre.

Girth trifft spät

Für den SVM war die Partie gelaufen, die Sicherheit dahin. Es lief nicht mehr viel. Nach Vorarbeit von Jesgarzewski und dem eingewechselten Nico Granatowski verkürzte Girth drei Minuten vor dem Ende zum 1:3, aber da war es schon zu spät.

Dienstag kommt Paderborn

„Das ist ein Lernprozess“, meinte Neidhart. Schon beim 0:2 in Karlsruhe musste sich sein Team einem abgezockten und qualitativ starken Top-Team geschlagen geben. Am Dienstag kommt Spitzenreiter SC Paderborn nach Meppen.