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21.12.2017, 17:43 Uhr KOLUMNE

Hooligans zwischen Fußball, Gewalt, Kampfsport und Politik

Von Benjamin Kraus



Osnabrück. Neue Sportbücher – für Sie gelesen. Robert Claus, Jahrgang 1983, Mitglied einer Forschergruppe zu Fanszenen, nähert sich dem Thema Hooligans – auf spannende, weil vielfältige Art und Weise, was perfekt ist für eine Szene, die sich inzwischen auf vielfältigste Art und Weise ausdifferenziert hat.

Sie wurden schon fast totgesagt, aber sie sind – leider – noch da. Als HoGeSa- oder Pegida-Demonstranten, als russische Schläger bei der EM 2016 oder als Kampfsportler am Rande der „Mixed Martial Arts“-Szene („Ultimate Fighting“): Die Hooligans. Per Definition Menschen, die im Umfeld von Fußball-Großereignissen als Gruppen auftreten und dort randalieren oder gewalttätige Übergriffe ausüben. Während sie in den 80er-Jahren recht offen agierten, ganze Fankurven quasi kontrollierten, sind sie heute anonymer unterwegs und tauchen eher in der Masse unter: Die Szene hat sich neu organisiert, vor allem aber auch ausdifferenziert.

Prozesse, die Forscher Rober Claus als Mitglied der „Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene Soziale Arbeit“ in seinem Buch beschreibt – und zwar unterhaltsam und lesenswert, weil er verschiedene Stilmittel verwendet, um sich dem komplexen Thema zu nähern. Historischen Abrissen folgen Stoffsammlungen, empirische Analysen und Experteninterviews – wohl ein bewusster Mix, um diese heute sehr schwer fassbare Szene zu erfassen.

Denn Hooligans pflegen bei einigen Klubs Kontakte in die Ultra-Fanszenen, während sie diesen bei anderen feindlich begegnen. Es gibt an einigen Orten Überschneidungen in rechtsextreme Szenen und deren politische Parteien, woanders Verbindungen zu Rockerclubs wie den Hells Angels oder den Banditos, die alternde Hooligans gerne als Türsteher für ihre Rotlicht-Clubs beschäftigen. Stränge reichen ins Kampfsport-Milieu, wo sich Hooligans notwendige Techniken aneignen: für Treffen abseits der Stadien, Kämpfe auf freiem Feld unter dem Radar der Strafverfolgungs-Behörden. Nicht nur dafür vernetzen sich Hooligans heute auch international. Sie treten seltener offen auf, aber sie sind aktiv. Allein deshalb lohnt es sich, möglichst viel über sie zu wissen.

Hooligans. Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik. Von Robert Claus, Verlag Die Werkstatt, 185 Seiten, 14,90 Euro


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