Interview Surflegende Robby Naish über das Altern und erfolgreiche Geschäfte

Von Florian Huber

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Heilbronn. Er ist wahrscheinlich der jugendlichste 54-Jährige der Welt. Der US-Amerikaner Robby Naish war am Montag als Stargast bei einer Händlermesse in Heilbronn. Dort nahm sich der bekannteste Surfer Zeit für ein Interview.

Herr Naish, auf den Plakaten hier bei Intersport werden Sie als Surflegende angekündigt. Wie lebt es sich damit?

Bis vor ein paar Jahren habe ich diese Bezeichnung richtig gehasst. Da war mir das richtig peinlich. Mittlerweile finde ich es nicht mehr schlimm, weil es zeigt, dass ich noch immer irgendwie wichtig bin. Ich habe ja mein gesamtes Leben diesem Sport gewidmet, da ist dann die Bezeichnung Surflegende sehr ehrenvoll.

Sie humpeln und tragen einen Spezialschuh.

Ich habe mir vor sechs Wochen den Fuß beim Kitesurfen gebrochen und bin erst vor drei Tagen die Krücken losgeworden. Bis vor einem Jahr habe ich mich vom Körper her so jung gefühlt wie vom Kopf her. Dann habe ich mir beim Kitesurfen daheim auf Hawaii erst das Becken gebrochen, jetzt den Fuß.

Ist es als Leistungssportler schwieriger, das Altern zu akzeptieren?

Ich habe meinen Lebensstil seit ich 20 alt bin nicht geändert. Zwei solche Verletzungen in einem Jahr nach zuvor 40 verletzungsfreien, das ist schon komisch und gibt einem zu denken. Ich bin zudem ein fürchterlicher Patient. Die Schiene hier fühlt sich an, als ob mir jemand ein Messer in den Hinterkopf bohrt.

Also werden Sie künftig Radfahren oder am Strand Joggen wie andere Ihres Alters?

Bloß nicht. Ich will in einer Woche daheim in Hawaii wieder aufs Surfbrett. Ich muss künftig einfach mehr Fitnesstraining machen, dabei hasse ich Fitnessstudios. Bislang hat mir der Sport auf dem Wasser ausgereicht, um fit zu bleiben.

Stehen Sie auch noch mit 80 oder 90 Jahren auf dem Surfbrett?

Ich gehe fest davon aus. Ich will mir gar nicht vorstellen, dass es anders sein könnte. Ich habe vor einigen Tagen das Video einer 81-jährigen Frau aus Deutschland gesehen, die noch surft. So etwas ist für mich die allergrößte Motivation.

Sie waren 24 Mal Windsurf-Weltmeister. Fehlt ihnen das Erlebnis Olympia, wenn sie auf ihre lange Karriere zurückblicken?

Man musste sich ja damals entscheiden: Entweder Olympia oder Profitum. Ich bin froh, dass ich auf die Profi-Karte gesetzt und auf Olympia verzichtet habe. Ich würde jetzt nicht hier sitzen und mit Ihnen reden, und ich wäre wahrscheinlich nicht so glücklich mit meinem Leben. Wenn die Wellen richtig groß sind und die besten Surfer der Welt bei mir auf Hawaii trainieren, kann ich mit denen immer noch mithalten. Nur wenn die Wellen kleiner sind, habe ich meine Probleme.

Ihre Firma macht mit Surfboards und Equipment 30 Millionen Dollar Umsatz im Jahr. Was ist schwieriger: Ein erfolgreicher Geschäftsmann oder erfolgreicher Sportler zu sein?

Im Sport hatte ich immer die Kontrolle. Die Dinge, die ich nicht steuern konnte, wie den Wind oder die Wellen, konnten auch meine Konkurrenten nicht kontrollieren. Im Geschäftsleben gibt es so viele Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst. Du kannst an den Punkt kommen, an dem du denkst: Vielleicht ist das hier eine Nummer zu groß für mich. Im Sport habe ich diesen Punkt nie erlebt.

Also war es als Sportler leichter?

Ja. Ich hatte da allein mein Schicksal in der Hand. Jetzt habe ich die Verantwortung für 40 Mitarbeiter und deren Familien. Dieser psychische, emotionale Druck ist für mich wesentlich schwieriger auszuhalten. In meiner Karriere als Sportler ist mir immer alles gelungen. Als Geschäftsmann muss man auch akzeptieren, dass nicht alles klappt.

Die Boomjahre im Windsurfen sind vorbei. Woran liegt das?

Man braucht mit den neuen Brettern immer mehr Wind, aber den gibt es halt nur an ganz wenigen Orten. Dann fährst du mit deinem Brett ans Meer und wartest auf den Wind. Und wartest. Das macht ja kaum noch jemand. Windsurfen ist zum Urlaubssport geworden – wie Skifahren. Da leihen sich viele ja auch nur für die eine Woche im Jahr die neuste Ausrüstung vor Ort aus. Als Windsurfen auf dem absteigenden Ast war, wurde zum Glück Kitesurfen populär. Jetzt ist jeder auf einem Stand-Up-Paddle unterwegs. Zum Glück habe ich mit meiner Firma das rechtzeitig erkannt.

Surfen ist nicht mehr so beliebt, dafür aber der Surfer-Style in Sachen Kleidung. Wie kommt das?

Für die Generation der 40- bis 60-Jährigen waren die Achtziger Jahre ihre Jugend, es war das Windsurfjahrzehnt. Das war der romantische Teil des Lebens, die beste Zeit, ehe Job und Familie kamen. In ihrem Herzen tragen sie diese alten Zeiten mit sich herum. Man kann auch Surfer sein, wenn man 30 Jahre lang nicht mehr auf dem Brett stand.

Sie sprechen sehr gut Deutsch und sind für Werbepartner ein, zwei Mal jedes Jahr in Deutschland. Was mögen Sie hier besonders?

Ich liebe das Essen hier. Wenn ich in Deutschland aus dem Flugzeug steige, dann hole ich mir als erstes immer ein Würstchen im Brötchen. In Deutschland werde ich außerdem häufiger erkannt als daheim. In den USA kennt mich ja keine Sau. Da weiß keiner, dass ich 24 Mal Windsurf-Weltmeister war. Da kennt man mich, weil ich das Stand-Up-Paddling im Fernsehen bekannt gemacht habe.

Im Fernsehen ist hier in Deutschland fast jeden Tag US-Präsident Donald Trump zu sehen. Wie lebt es sich in einem trumpregierten Land?

Ich habe tatsächlich Trump Hillary Clinton vorgezogen. Aber Politik ist in den USA eine verrückte Sache geworden. Beide politischen Lager, also die Liberalen und die Konservativen, vertreten nur noch Extrempositionen, die so polarisierend sind. Die einen sagen, fahrt nur noch Elektroautos, die anderen: Fahrt nur noch Spritschleudern. Es gibt keinen Mittelweg mehr. Trump kann leider auf Twitter seine Klappe nicht halten. Es fehlt an Inhalten und es fehlt in beiden Lagern an gesundem Menschenverstand und der Einsicht, dass niemand zu 100 Prozent recht haben kann.


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