Werder-Coach im Interview Alexander Nouri: „Wir setzen auf unser gutes Fundament“

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Grün-weiß im Blick: Werder-Trainer Alexander Nouri. Foto: WittersGrün-weiß im Blick: Werder-Trainer Alexander Nouri. Foto: Witters

Osnabrück. Alexander Nouri ist kein Freund davon, Erfolge am Alter festzumachen. „Am Ende entscheiden Kompetenz und Qualität, nicht die Frage, ob man jung oder alt ist“, sagt der 37-jährige Trainer von Werder Bremen. Am Sonntag gastiert der Bundesligist zum Testspiel beim VfL Osnabrück, wo Nouri von 2004 bis 2008 spielte.

Herr Nouri, am Sonntag kehren Sie als Cheftrainer von Werder Bremen zum Testspiel gegen den VfL nach Osnabrück zurück. Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Osnabrück denken?

Ich denke an die schöne und erfolgreiche Zeit als VfL-Spieler, an tolle Momente im Stadion und mit den Fans. Wir sind 2007 in die 2. Bundesliga aufgestiegen, hatten schöne Erfolge im Pokal. An Osnabrück denke ich sehr gerne zurück: Ich habe mich immer wohlgefühlt in der Stadt, in der auch mein Sohn geboren worden ist.

Beim VfL haben sie vier Jahre unter Trainer Claus-Dieter Wollitz gespielt, der sie als Fußballer aus Uerdingen mitgebracht hatte. Hat seine Arbeit als Trainer auch Sie geprägt?

Ich glaube, dass ich von allen Trainern etwas mitgenommen habe, natürlich auch von Pele Wollitz. Er hat immer mit viel Leidenschaft gearbeitet und es geschafft, die Emotionen zu transportieren. Das hat mir sicherlich auch Impulse für meine aktuelle Arbeit gegeben.

Sind Sie eigentlich manchmal selbst erstaunt über Ihre persönliche Entwicklung: In wenigen Jahren vom Zweitligafußballer zum Cheftrainer eines gestandenen Bundesligisten?

Es war schon ein längerer Weg für mich. Ich hatte mich relativ früh entschieden, meine Karriere als aktiver Fußballer zu beenden und mein Studium im Gesundheitsmanagement zu forcieren. Ich hatte schon die Fantasie, mal als Trainer zu arbeiten und wollte mir dafür die theoretischen Grundlagen holen. Es war eine Zeit, die mit vielen Entbehrungen und langen Tagen auf der Autobahn verbunden war: Mit Fahrten zu Schulungen, Hospitationen oder zu meinem ersten Trainer-Engagement beim VfB Oldenburg. Dann hat mir Werder Bremen die Chance gegeben, die U23 zu begleiten.

Mit der U23 sind Sie in die 3. Liga aufgestiegen, haben danach die Klasse gehalten. Nach der Freistelllung von Viktor Skripnik haben Sie die Bundesliga-Mannschaft aus dem Abstiegskampf fast schon sensationell auf Platz acht der Abschlusstabelle geführt.

Natürlich habe ich mich zwischendurch auch tierisch gefreut, etwa in der Zeit, als wir elf Spiele nicht verloren und davon neun gewonnen haben. Aber wir hatten auch unsere Phasen, in denen die Ergebnisse nicht da waren, vor allem am Anfang. Deshalb kann ich das alles realistisch einschätzen.

Was würden Sie im Nachhinein als die entscheidenden Maßnahmen nennen, die zum Erfolg geführt haben?

Wir haben den Teamspirit gelebt, mit Geduld und Beharrlichkeit gearbeitet, nie gezweifelt, sondern an uns geglaubt. Wir haben auch unangenehme Entscheidungen getroffen – etwa, als wir die Kaderstruktur für uns definiert haben. Dazu gehört der ständige Austausch mit der Mannschaft, etwa die Tatsache, dass wir den Spielern realistische Perspektiven aufzeichnen. Dazu kommt die tägliche Arbeit an vielen Details, an den kleinen Dingen.

Sie reihen sich ein in die Phalanx der jungen Trainer, die derzeit in der Bundesliga für Furore sorgen.

Ich bin aber kein Freund davon, das am Alter festzumachen. Am Ende entscheiden Kompetenz und Qualität, nicht die Frage, ob man jung oder alt ist. Wobei mir natürlich die hohen Standards geholfen haben, die angelegt werden bei der Ausbildung zum Fußballlehrer, die ich während meiner Zeit bei der Werder-U23 absolvieren konnte.

Kann nun der Erfolg aus der vergangenen Saison zum Boomerang werden, weil viele im Umfeld erwarten, dass es ganz einfach weiter nach oben geht?

Die Erwartungshaltung ist immer groß in Bremen bei einem Traditionsverein mit einer solchen Historie. Wir müssen das realistisch einordnen. Wir wissen, dass viele Vereine, die eigentlich weit größere Möglichkeiten haben als wir, im letzten Jahr unter ihren Erwartungen geblieben und hinter uns gelandet sind: Wolfsburg, Leverkusen, Schalke und Gladbach. Wir setzen auf unser gutes Fundament, wollen ambitioniert auftreten und uns weiter entwickeln. Aber ich werde jetzt keinen Tabellenplatz als Ziel ausgeben.

Sie haben vorhin von unangenehmen Entscheidungen gesprochen. Wie schwer war in diesem Sommer die Entscheidung, künftig auf Claudio Pizarro zu verzichten?

Keine Frage, das war nicht leicht. Claudio ist Teil der Geschichte dieses Vereins, eine große Persönlichkeit, einfach eine Legende. Aber wir haben eine gemeinsame Entscheidung in der sportlichen Leitung getroffen, als wir unsere Kaderstruktur definiert haben. Wir wollen dabei ein Fenster öffnen für talentierte junge Spieler, bei denen wir die Fantasie haben, dass sie bei Werder Bremen in Zukunft eine prägende Rolle einnehmen können. Damit sie sich dahin entwickeln können, brauchen sie aber auch jetzt schon eine Perspektive auf Spielzeit.

Wer kann nächstes Jahr beim Ausbildungsverein Werder seine Reifeprüfung ablegen?

Wir sind definitiv ein Ausbildungsverein, damit identifizieren wir uns auch. Maximilian Eggestein hat schon in der vergangenen Saison im Mittelfeld konstant gute Leistungen gebracht und möchte diesen Weg weiter gehen. Milos Veljkovic hat sich als junger Innenverteidiger sehr gut entwickelt. Auch Johannes Eggestein ist ein großes Talent, das die Fantasie bei uns anregt, dass er in der kommenden Saison das eine oder andere Spiel in der Bundesliga macht.

Beide Eggesteins haben Sie schon in der U23 begleitet – ein Team, das viele andere große Klubs zuletzt abgemeldet haben.

Zu den Beweggründen anderer Vereine kann ich nichts sagen. Ich kann nur für uns sprechen: Bei uns ist die U23 ein ganz wichtiger Teil der Philosophie. Es gibt keine bessere Plattform als die 3. Liga, um als junger Fußballer zu reifen, weil es dort gegen viele Spieler geht, die bereits höherklassige Erfahrung gesammelt haben. Das zeigt am Besten das Beispiel Maximilian Eggestein, den wir in der vergangenen Hinrunde bewusst in der U23 haben spielen lassen, bevor er in der Wintervorbereitung bei der Bundesliga-Elf seinen Durchbruch geschafft hat.

Junge Spieler müssen von erfahrenen geführt werden. Wie wichtig war in diesem Zusammenhang die Nachricht, dass Zlatko Junuzovic zumindest vorerst bei Werder bleibt?

Klar war das wichtig. Juno ist eine absolute Säule für uns als Kapitän, der auch in schwierigen Phasen seine Leistung gebracht hat. Er gehört wie Max Kruse, Thomas Delaney und Niklas Moisander zu unseren Führungsspielern, die Verantwortung übernehmen.

Wird es noch Neuzugänge bei Werder geben?

Wir sondieren den Markt bei den Stürmern. Dort würden wir derzeit am ehesten was machen – eventuell auch auf der Innenverteidiger-Position.

Das Auftakt-Programm in der Bundesliga ist hart: Hoffenheim, Bayern, Hertha, Schalke, Wolfsburg. Haben Sie Angst, dass Werder gleich wieder im Tabellenkeller landet?

Angst ist kein guter Ratgeber. Wir wollen mutig auftreten. Dann sind wir auch überzeugt davon, gut in die Saison zu kommen.

Wie nah wird die Aufstellung Ihrer Elf in Osnabrück der Startelf zum Bundesliga-Auftakt kommen?

Wir werden sehen – bis zum Bundesliga-Start haben wir ja noch einiges an Zeit auf der Uhr. Wir wollen auf jeden Fall sicherstellen, dass sich alle Spieler zeigen und unter Wettbewerbsbedingungen messen können an diesem Testspiel-Wochenende – also beim Telekom-Cup in Mönchengladbach und in der Partie beim VfL.

Haben Sie noch regelmäßige Kontakte zu alten VfL-Weggefährten?

Ab und an – vielleicht ein, zweimal im Monat. Ich freue mich aber schon auf das Wiedersehen am Sonntag mit alten Weggefährten wie Joe Enochs und Lothar Gans.


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