Dressurreiterin im Interview Isabell Werth: Ich bin stolz, für Deutschland zu reiten

Von Michael Jonas


Osnabrück. Isabell Werth ist sechsmalige Olympiasiegerin. Sie startet vom 26. April bis 1. Mai beim Vier-Sterne-Turnier Horses & Dreams meets Austria in Hagen am Teutoburger Wald. Im Interview spricht sie über ihre Modekollektion, über ihr Talent beim Nähen und Auftritte auf dem roten Teppich.

Isabell Werth, Sie werden öfter als Grande Dame des Dressursports bezeichnet, manchmal auch als große, alte Dame. Sie sind doch erst 47. Stört Sie das?

Das ist nett, dass Sie sagen „erst 47“. Es stört mich nicht. Ich lächele darüber. Außerdem ist der Ausdruck ja nicht negativ belegt. Ich sehe es als eine Art von Wertschätzung. Es zeigt, dass ich etwas geleistet habe in meiner Karriere.

Die sicher noch lange weitergehen wird. Oder wäre der Hausfrauenjob mal etwas für Sie?

Ganz Hausfrau kann ich mir nicht vorstellen, aber ein bisschen gehört ja zum Alltag dazu. Mithilfe meines Lebensgefährten, der Familie sowie toller Mitarbeiter kriege ich es hin. Der Tag beginnt mit der Fürsorge und Organisation rund um unseren Sohn Frederik, dann kommen die Pferde, das Training, Turniere, Organisation, Büro, andere Dinge! Aufgaben, die mich voll ausfüllen, jeden Tag.

Auch andere Reitstars starten in Hagen

Was meinen Sie mit anderen Dingen?

Gemeinsam mit zwei weiteren Partnern habe ich zum Beispiel eine eigene Kollektion entworfen. Dazu gehören Jacken, Hosen, Pullover, Shirts und weiteres Reitsportzubehör, aber auch andere modische Accessoires. Wir stellen auch in Hagen bei Horses & Dreams aus.

Sie entwerfen selber? Nähen Sie auch?

Nein, um Gottes willen. Dann wäre das mit dem Verkaufen schlecht. Ich kann einen Knopf annähen, das kriege ich gerade noch hin, mehr aber auch nicht. Natürlich werfe ich einen Blick auf die Entwürfe, mache Vorschläge oder sage, dies und das gefällt mir nicht. Einfluss nehme ich schon. Wir möchten schicke, lässige, stylige und bezahlbare Mode und Accessoires anbieten.

Reiten Sie eigentlich gerne für Deutschland?

Ja, ich bin stets stolz, mein Land zu repräsentieren, empfinde es als eine Ehre. Als Mannschaft repräsentieren wir unser Land im Nationenpreis bei bedeutenden Turnieren. Wir reiten im Team und wollen den größtmöglichen Erfolg, wollen, dass Deutschland gewinnt! In der Einzelwertung ist zwar jeder auf sich selbst angewiesen, aber auch da reiten wir für Deutschland!

Wie große ist Ihre Verantwortung für den Tierschutz?

Die Verantwortung ist immer da, 24 Stunden am Tag, rund um die Uhr. Wir, ein ganzes Team, ist tagtäglich um das Wohlergehen der Pferde bemüht, wir gehen sehr verantwortungsvoll mit dem Partner Pferd um. Dabei machen wir auch Fehler – so wie es auch im zwischenmenschlichen Bereich vorkommt! Aber am Ende des Tages müssen wir selbstkritisch sein, dürfen sie nicht wiederholen. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und gehen gewissenhaft mit den Pferden als unseren Partnern um.

Sie sind zum dritten Mal Weltcupsiegerin, sechsfache Olympiasiegerin, siebenfache Weltmeisterin. Macht Sie das stolz?

Ich gehe nicht jeden Tag mit stolzgeschwellter Brust durch die Gegend und denke „wie toll“. Momentan ernte ich die Früchte, aber es gab auch schon schlechtere Jahre. Es ist letztlich das Ergebnis jahrelanger, harter Arbeit und intensiver Passion. Richtig stolz macht mich zu sehen, wie sich unsere Pferde entwickelt haben.

Buntes Rahmenprogramm bei Horses & Dreams

Was wollen Sie bei Horses Was wollen Sie bei Horses & Dreams ernten?amp; Dreams ernten?

Erst einmal ist es wichtig zu sehen, wie die Pferde über den Winter gekommen sind, wie weit ihr Ausbildungsstand ist. Hagen ist das erste Freiluftturnier und eine Art Standortbestimmung für den weiteren Saisonverlauf. Ich bringe drei Pferde mit, Emilio und Quintus sind auf jeden Fall dabei. Die Konkurrenz auf dem Hof Kasselmann ist groß. Da muss man sich anstrengen und einen guten Tag erwischen, um vorne dabei zu sein. Aber ich freue mich sehr auf ein tolles Turnier mit einer großartigen Kombination aus Sport, Entertainment und Lifestyle.

Haben Sie bei Ihren vielen Starts in Hagen eigentlich das Osnabrücker Land kennengelernt?

Ja, klar. Vor allem in Staus auf der A1. Um ehrlich zu sein, sind wir jeden Tag so beschäftigt, dass wir selten die Möglichkeit haben, uns umzusehen in der Gegend, die sicherlich schön ist. Neben dem Reiten stehen noch viele andere Dinge auf dem Programm. Eine Herzensangelegenheit ist unser Projekt „Reiten gegen den Hunger“ , welches wir gemeinsam mit der Welthungerhilfe entwickelt haben und bei Horses and Dreams“ mit weiterem Leben erfüllen wollen.

Die Ticketpreise im Überblick

Sie sind eine bekannte Persönlichkeit und bekommen sicher oft Einladungen. Ist der rote Teppich etwas für Sie?

Ich bin schon so lange dabei, dass ich schon den einen oder anderen roten Teppich gesehen habe und viele interessante, großartige Menschen kennenlernen durfte. Aber jetzt ist es so, dass ich das Zusammensein mit meiner Familie dem roten Teppich vorziehe.


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