„Der rote Löwe“ im VfL-Stadion Fußball und Theater sind nie nur ein Spiel

Von Annalena Klein

Osnabrück: Theaterstück „Roter Löwe“ beim VfL Osnabrück: Gespräch mit der Schauspieldramaturgin Marie Senf (links) und Regisseurin Leonie Kubigsteltig in der Spielerkabine. Foto: Jörn MartensOsnabrück: Theaterstück „Roter Löwe“ beim VfL Osnabrück: Gespräch mit der Schauspieldramaturgin Marie Senf (links) und Regisseurin Leonie Kubigsteltig in der Spielerkabine. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Kommenden Freitag, 24. März, feiert das Theaterstück „Der rote Löwe“ in Osnabrück Premiere. Das besondere: Das Stück über Leben und Leidenschaft im Fußball wird in den Spielerkabinen des VfL Osnabrück im Stadion aufgeführt. Wie nah sind sich Theater und Fußball?

Die Schauspieler sind schon gegangen, die Requisiten liegen noch in der Spielerkabine des VfL-Stadions: ein Fußball, eine rote Trainingstasche, ein gestreifter Bademantel, eine Bierflasche. Hier wird am kommenden Freitag das Theaterstück „Der rote Löwe“ aufgeführt. Ein Stück über Liebe zum Fußball, Liebe zum Geld, Doping, die Angst vor dem persönlichen Abstieg – über das Leben.

Nur 32 Zuschauer können bei den Vorstellungen Platz nehmen, verteilt auf den Spielerbänken, im Zentrum die drei Protagonisten. Ein Kammerspiel in der Kabine. „Die räumliche Nähe ist schon krass“, sagt Schauspieldramaturgin Marie Senf. „Dieses Spiel ist so naturalistisch, die Zuschauer sitzen den Schauspielern quasi auf dem Schoß.“

Herausforderung und Chance zugleich

Die Nähe zum Publikum fordere die permanente Frage „Was geht, was geht nicht?“. „Dieser Raum ist eine Herausforderung und eine Chance: Man muss alles überdenken“, sagt die Regisseurin Leonie Kubigsteltig. So zum Beispiel die fehlenden Fenster und Kleiderhaken, die vom Autor Patrick Marber vorgesehen sind. Oder das Kicken des Balls. „Wenn der Schauspieler nicht aufpasst, tritt er dem Zuschauer auf die Füße.“ Im Theater Osnabrück sei es natürlich einfacher umzusetzen, aber auch weniger reizvoll.

Es sei ein intimes Stück, so Senf. „Man sieht und wird gesehen. Als Zuschauer bekommt man da ein höheres Bewusstsein für sich selbst: ‚Ich bin da und ich werde gesehen‘. Im Theatersaal verschwindet man ja in seinen Sitzen.“

Auch für die Schauspieler bedeutet das eine Herausforderung. „Sie haben keine Rückzugsmöglichkeiten; jede Bewegung und Geste wird schärfer, der Fokus muss anders gesetzt werden“, sagt Kubigsteltig. Dennoch schütze die Fiktion, die geschlossene Handlung: Es ist immer noch ein Theaterstück.

Fußball als Aufhänger für die Existenzfrage

Nicht nur die räumliche Nähe macht die Besonderheit des Spielorts aus: Bis auf zwei Flachbildschirme fehlen jegliche theatralische Mittel. „Alles was sonst selbstverständlich ist, ist hier schwierig. Zum Beispiel das Licht“, erklärt Marie Senf und deutet auf die Neonbeleuchtung an der Kabinendecke. „So wird das auch bei den Vorstellungen sein.“ Ebenso fehle die musikalische Untermalung.

Wie nah ist das Thema Fußball dem Theater? Für die Dramaturgin ist klar: „Fußball ist nie nur ein Spiel.“ Es gehe um Konflikte, um Paradoxien – dafür stehe auch das Theater. „Der Aufhänger ist Fußball, aber das Thema ist doch viel universeller: Es geht ums Überleben, die existenzielle Not. Bei dem Stück sind wir auf Figurenebene; mikrokosmisch nah an den Konflikten dran“, sagt Kubigsteltig.

Alles ist möglich

Fußball und Theater, da lassen sich durchaus Parallelen ziehen: „Der Regisseur ist der Trainer, das Ensemble ist die Mannschaft“, sagt Kubigsteltig. „Ich bringe das Stück auf die Bühne, ich begleite die Schauspieler jeden Tag an die sechs Stunden.“ Trotz Training und Proben: Im Spiel und im Stück sei immer alles möglich.


Spielzeiten:

Die Premiere des Stücks „Der rote Löwe“ ist am Freitag, 24. März 2017. Weitere Termine sind der 28. März, 29. März, 06. April, 11. April, 20. April, 27. April, und der 28. April. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Die Termine im März sind bereits ausverkauft.

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