Longines Equestrian Bejing Masters Ludger Beerbaum etabliert Reitsport in China

Von Jürgen Beckgerd

Erfolgreicher Reiter und Geschäftsmann: Ludger Beerbaum. Foto: WittersErfolgreicher Reiter und Geschäftsmann: Ludger Beerbaum. Foto: Witters

Riesenbeck. Man kann es so sehen, wie der deutsche Leichtathletik-Bundestrainer Idriss Gonschinska: „Die anderen holen auf“, hatte der DLV-Cheftrainer mit Blick auf die wachsende Konkurrenz der sogenannten „kleinen“ Sportnationen gesagt angesichts des größer werdenden Konkurrenzkampfes bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Man kann es auch anders sehen und auf den wachsenden Konkurrenzkampf setzen. So wie Ludger Beerbaum.

Der Riesenbecker, vierfacher Olympiasieger und erfolgreichster Springreiter der vergangenen Jahrzehnte, schickt sich an, in China Spuren seines erfolgreichen Sportlerdaseins zu hinterlassen. Kurz: „Nur wenn man sich mit den Besten messen kann, kann man sich auf hohem Niveau entwickeln“, sagte Frank Kempermann, Mitorganisator der Longines Equestrian Bejing Masters, einem der größten Reitturniere im Reich der Mitte, der von Beerbaum dorthin engagiert wurde.

Namen in Chinas Reitsportszene

Wobei Beerbaum das große Ganze im Springsport bedient. Er hat sich längst einen Namen in Chinas Reitsportszene, ja die gibt es mittlerweile, gemacht, seitdem er ein paar Jahre vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 von den Chinesen um Aufbauhilfe gebeten wurde. „Erst hatte ich so meine Zweifel“, sagt Beerbaum. „Aber dann wollte ich es unbedingt versuchen“. Es war und ist reinste Basisarbeit, die da von ihm und seinen Mitarbeitern aus dem Stall in Riesenbeck gefordert war: Angefangen bei der Auswahl des Futters über Hufschmiede, Grundlagentraining und Turnierorganisation. Mittlerweile ist Beerbaum Präsident der Longines World Equestrian Academy – in Riesenbeck „laufen die Fäden zusammen“. (Weiterlesen: Ludger Beerbaum tritt aus Nationalteam zurück)

Projekte und Austausche

Das Ziel: Reitsport in China zu etablieren. Dazu gehören Projekte und Austausche. Just in dieser Woche sind zwei Chinesen in Riesenbeck beim Turnier „Late Entry International“ zu Gast. „Schließlich werden wir dann in ein paar Jahren mal sehen, was aus unserem Engagement geworden ist“, sagt Beerbaum und entlarvt seinen vermeintlichen Versuch als ernst gemeintes unternehmerisches Standbein. „Ich bin mir sicher, dass chinesische Reiter 2020 bei Olympia in Tokio dabeisein, und dann mittelfristig auch auf dem Podest stehen können. Es ist eine Frage der Zeit, wann sie in Championaten vorn mit dabei sind“.

Wachstumspotenzial in China

Beerbaums Prognose: „Der Reitsportmarkt profitiert vom Wachstumspotenzial in China. Dort ergibt sich nun eine Riesenchance“. Und die, sagt der Experte, wird auch politisch unterstützt: Der Sport, nicht nur der Fußball, wo bereits Unsummen in die Entwicklung der chinesischen „Super League“ und noch viel mehr in die Verpflichtung europäischer und südamerikanischer Spieler investiert werden, ist in China zum Staatsziel geworden.

Gut für den Riesenbecker: „Lassen wir die Sozialromantik mal außer acht“, sagt er. „Der Wachstumsmarkt ist, was interessiert“. Rund ein Dutzend seiner Mitarbeiter sind bereits in dem China-Projekt involviert. Am Dienstag war just Reitlehrer Hermann Kloepper mal wieder auf Heimaturlaub in Riesenbeck und schaute beim heimischen Turnier vorbei. (Weiterlesen: Springreiter feiern Team-Bronze: „Fühlt sich wie Gold an“)

Botschafter für eine neue Sportart

Beerbaum will mehr, als einzig am ökonomisch orientierten Sport zu partizipieren. Als „Botschafter für eine neue Sportart“ versteht er sich selbst. „Wir wollen unseren Sport dort aufbauen“, sagt er. „In zehn Jahren möchte ich zurückblicken können und zufrieden sein über das Erreichte.“ China, das sei ein „Riesenmarkt“. Über 4000 Pferde seien in den vergangenen Jahren bereits dorthin importiert worden. Reiten ist „in“, betont Beerbaum, „und wird begleitet von großem medialen Interesse“. Auch der Mann aus Riesenbeck ist in der Szene in und um Peking kein Unbekannter mehr. Einer, der in China mithilft, der westlichen Reitsportelite schon bald die Stirn zeigen zu können.


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