Fahnenträger Rehm im Interview „Ein schöner Einstieg in tolle Spiele“

Von dpa

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Markus Rehm spricht im Interview über die Paralympics in Rio. Foto: imago/Beautiful SportsMarkus Rehm spricht im Interview über die Paralympics in Rio. Foto: imago/Beautiful Sports

Rio de Janeiro. Bei der Eröffnungsfeier der Paralympics in Rio de Janeiro wird Weitspringer Markus Rehm die deutsche Mannschaft an diesem Mittwochabend als Fahnenträger ins Maracana-Stadion führen. Was ihm das und die Paralympics insgesamt bedeuten, verrät der 28-Jährige im Interview.

Sie sind bei diesen Paralympics der Fahnenträger der deutschen Mannschaft. Was bedeutet Ihnen das?

Das ist eine riesige Ehre. Ich habe mich tierisch gefreut, als ich die Nachricht überbracht bekommen habe. Das wird ein großartiger Moment, die deutsche Mannschaft in das Stadion führen zu dürfen. Ein schöner Einstieg in tolle Spiele. Ich wurde am Montagabend ins Mannschaftsbüro gebeten und dachte erst: Jetzt wird irgendeine Kleinigkeit abgesprochen, ein Termin vielleicht. Aber dann wurde es mir übermittelt. Das war ein sehr schöner und emotionaler Moment, mit dem ich nicht unbedingt gerechnet habe.

Was bedeuten Ihnen die Paralympischen Spiele?

Der paralympische Sport ist unglaublich gewachsen in den letzten Jahren. Das Großartige ist: Es gibt so viele tolle Athleten, die wahnsinnige Geschichten zu erzählen haben. Besonders viel Spaß macht mir bei den Paralympics immer: Mit allen Athleten in der Nachbarschaft zu wohnen, gemeinsam essen zu gehen. Man unterhält sich, man lernt sich kennen. Wir haben gerade in der deutschen Mannschaft Menschen mit unglaublichen Geschichten, die trotz ihrer Handicaps besondere Leistungen vollbringen. Das ist das Spezielle, der große Wert dieser Spiele.

Es war ihr großes Ziel, auch an den Olympischen Spielen der nicht-behinderten Athleten teilzunehmen. Dafür haben sie viel Kraft und Zeit investiert. Hat das ihre Vorbereitung auf die Paralympics beeinträchtigt? Und vor allem: Können sie sich noch genauso wie zuvor für die Paralympics motivieren, nachdem sie ihr eigentliches großes Ziel Olympia nicht erreicht haben?

Das Training für die Paralympics hatte immer oberste Priorität. Daran haben auch die wissenschaftlichen Messungen und die sicherlich auch stressigen Zeiten nichts geändert. Ich konnte den Trainingsplan immer so umsetzen, wie er mir von meiner Trainerin Steffi Nerius aufgetragen wurde. Es war eher eine Belastung für den Kopf, man denkt viel darüber nach. Aber dass ich jetzt groß traurig wäre, kann ich überhaupt nicht behaupten. Ich habe immer gesagt: Selbst wenn ich bei Olympia starten dürfte, wären die Paralympics immer noch mein Hauptevent. Ich bin paralympischer Athlet, das ändert sich nicht. Ich freue mich immer wieder, mit meinen paralympischen Konkurrenten an den Start gehen zu dürfen.

Ihr nächstes Ziel ist jetzt die Leichtathletik-WM 2017. Was ist ihr großer Antrieb bei diesem Kampf?

Das wäre eine riesige sportliche Herausforderung für mich, mit den besten Weitspringern der Welt an den Start gehen zu können. Auf der anderen Seite wäre es auch eine Riesenchance, die olympischen und paralympischen Athleten näher zusammenzubringen. Ob ich dann in der Wertung oder in einer getrennten Wertung starte, spielt für mich keine Rolle. Mir geht es nicht darum, Medaillen zu gewinnen, sondern für meinen Sport die bestmögliche Werbung zu machen. Ich möchte, dass wir das gleiche Ansehen genießen wie die olympischen Athleten. Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg - aber noch nicht ganz am Ziel angekommen.


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