Sponsoring im Sport Als Iserlohn mit Gaddafi warb



Osnabrück. Sponsort der Tschad, das viertärmste Land der Welt, den französischen Erstligisten FC Metz? Montag sorgte diese Meldung für Verwirrung, inzwischen sind weitere Details bekannt. Dabei ist staatliches Sponsoring im Sport nicht selten. Selbst Muammar al-Gaddafi zierte in den 80er-Jahren die Brust des ECD Iserlohn.

Die Meldung sorgte am Montag für Wirbel. Der Tschad sponsort den französischen Erstligisten FC Metz seit dem dritten Spieltag dieser Saison. „Tschad, die Oase der Sahel-Zone“, dieser Aufdruck ziert das Trikot der Lothringer. Viel Kritik erntete das vermeintliche Engagement des armen Landes, in dem jedes siebte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahres stirbt. Der Präsident des tschadischen Athletikverbandes, Hissène Ngaro, sprach von einem „schlechten Witz“. Sportminister Bétel Miarom dementierte ein staatliches Engagement. Klubpräsident Bernard Serin sagte der Lokalzeitung in Metz, dass hinter dem Sponsoring nicht der Tschad als Staat, sondern vielmehr die internationale Mediengruppe „LC2 International Afnex“ stecke. Dessen Eigentümer Christian Lagnidé spielte in den 80er-Jahren beim FC Metz und pflegt gute Kontakte zum Wüstenstaat, in dem immer wieder von Menschenrechtsverletzungen berichtet wird.

Somit ist noch nicht sicher geklärt, wer tatsächlich hinter dem Engagement steckt. Bei der Präsentation der Trikots waren jedenfalls zwei Minister des Tschad anwesend, was für ein staatliches Engagement sprechen könnte. Auch wenn alle Beteiligten dies verneinen.

Atletico und Aserbaidschan

Im Sport gibt es weitere Beispiele für staatliches Sponsoring, das zumeist höchst umstritten war. Ein enges Verhältnis führte der spanische Klub Atletico Madrid zum Staat Aserbaidschan, der zwischen 2012 und 2015 auf dem Trikot des diesjährigen Champions-League-Finalisten warb. Zwölf bis 20 Millionen Euro bekam Atletico jährlich aus Aserbaidschan, das von Menschenrechtlern entweder als autokratisch oder diktatorisch eingestuft wird. Dazu ließen sich die Spieler des Klubs für Image-Kampagnen des Staates filmen.

Iserlohn und der Diktator

Ebenfalls höchst umstritten war die Trikotwerbung des Eishockeyvereins ECD Iserlohn in der Saison 1987/88. „Das Grüne Buch“ zierte die Brust des klammen Klubs für ein Spiel, ehe der Deutsche Eishockey-Bund dem ECD die Verwendung der Trikots untersagte. Der Aufdruck zeigte das Buch des libyschen Diktators Muammar ad-Gaddafi, der sich darin mit politischen Themen auseinandersetzt. Wer tatsächlich hinter dem Engagement steckte, ist bis heute ungeklärt. „Muammar ist vernünftig, friedfertig und außerordentlich sympathisch. Ein guter Mann“, wurde Iserlohn-Präsident Heinz Weifenbach nach einem Besuch in Libyen zitiert.


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