Nicht bei Sammeldosen dabei RB Leipzig boykottiert Bundesliga-Aktion von Coca-Cola

Von Benjamin Kraus

Im Sport-Sponsoring gut vertreten: Coca-Cola (hier bei der WM 2006) Foto: imago/ActionPicturesIm Sport-Sponsoring gut vertreten: Coca-Cola (hier bei der WM 2006) Foto: imago/ActionPictures

Osnabrück. Sie kommt so sicher wie der Herbst oder die Tagesschau: Die traditionelle Sammelaktion des Unternehmens Coca-Cola, das zum Start der Fußball-Bundesliga die Logos aller Bundesligavereine auf seine Getränkedosen setzt. Diesmal boykottiert mit RB Leipzig ausgerechnet erstmals ein Verein die Aktion, der sich sonst immer über Boykotts seitens der Konkurrenz beklagt.

Arminia Bielefeld, FC St. Pauli, der 1. FC Kaiserslautern, der 1. FC Union Berlin, Karlsruher SC, Dynamo Dresden, Energie Cottbus: Die Liste der Vereine, die in jüngster Vergangenheit das Logo des Fußball-Emporkömmlings RB Leipzig boykottierten und auf eigenen Veröffentlichungen durch einen Platzhalter ersetzten, ist lang, aber sicherlich mit Blick auf die Zukunft längst nicht erschöpft. „Wir haben uns als Verein dazu entschieden, weil wir das Logo von RasenBallsport auf unseren Medien nicht zeigen wollen“, sagte zuletzt Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann vor dem DFB-Pokalspiel gegen Leipzig. Der Grund ist, dass viele Konkurrenten das Modell des sogenannten Vereins mit lediglich etwas mehr als einem Dutzend potenter eingetragener Mitglieder ohne Mitspracherecht ablehnen: Der Bundesliga-Aufsteiger ist vor allem zu Marketingzwecken des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull gegründet worden und hat seinerzeit einfach das Spielrecht eines benachbarten Vorort-Klubs gekapert, um überhaupt mitspielen zu dürfen (hier mehr zur „Geschichte“ von RB Leipzig).

Mit Boykottaktionen kenne man sich also in Leipzig gut aus, schrieb jüngst die Leipziger Volkszeitung (LVZ) auch mit Blick auf die regelmäßigen Protestaufrufe gegnerischen Fans bei Spielen von RB. Nun allerdings nimmt der Bundesliga-Aufsteiger aber selbst die Verweigerungshaltung ein – und das ausgerechnet bei einer PR-Aktion jener Deutschen Fußball-Liga (DFL), mit der man sich vor noch nicht allzu langer Zeit noch langwierige Debatten darüber lieferte, wie denn nun das Logo des Klubs auszusehen habe. Denn das alte Logo war beinahe identisch mit dem Markenzeichen von Red Bull – und das Neue ist es angesichts einer nur minimalen Vergrößerung eines Balls und des Verzichts auf die Sonne eigentlich auch.

Daher hätte man nun denken können, dass Coca-Cola angesichts dieser Nähe von RasenBallsport zum Getränke-Konkurrenten Red Bull darauf verzichtet, das Leipziger Konstrukt bei der traditionellen Sammeldosen-Aktion zum Bundesligastart zu berücksichtigen. Insgesamt 84 Millionen Dosen und Flaschen werden nach Unternehmensangaben produziert, ab dem kommenden Montag sollen sie erhältlich sein. Doch bei den 35 Dosen, die in zwei Varianten mit Vereinslogos und Stadionbildern in den Regalen stehen sollen, wird statt RB-Motiven lediglich eine Meisterschale zu sehen sein. Und auch bei den Plastikflaschen, die in 187 verschiedenen Varianten alle Trikots der Bundesliga-Stammspieler zeigen, werde der Aufsteiger einfach weggelassen.

Zur Begründung teilte ein Coca-Cola-Sprecher gegenüber der LVZ mit: „Unser Fußball-Engagement richtet sich an alle Fans. Deshalb setzen wir auf Partnerschaften mit sämtlichen Bundesliga-Clubs. Bei RB Leipzig ist dies aufgrund des Engagements eines Wettbewerbers nicht möglich. Die 18. Dose zeigt deshalb das Bild der Meisterschale.“

Spannend dabei ist, dass die Entscheidung darüber nicht etwa Coca-Cola fällte, sondern die Clubchefs in Leipzig. Der Verein könne die Aktion des Getränkekonkurrenten nicht mit dem österreichischen Energydrink-Hersteller vereinbaren, der hinter RB steht, heißt es. „Red Bull ist Hauptsponsor von RB Leipzig und genießt daher Exklusivität in diesem Segment“, verbreitete RB auf Twitter über den offiziellen Vereinsaccount. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen, ergänzte RB-Sprecher Benjamin Ippoliti ein wenig schmallippig gegenüber der LVZ.

„Wir akzeptieren das natürlich. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es so etwas schon mal gab“, sagte der Coca-Cola-Sprecher. Der US-Getränkeriese mit der umsatzstärksten Cola-Marke sponsert die Bundesliga bereits seit der Gründung im Jahr 1963. Beobachter des Business fragen daher, warum man eigentlich seitens Red Bull auf den Marketing-Coup verzichtet hat, das Logo von RB Leipzig, das sich nur minimal von dem des Energydrink-Konzerns unterscheidet, gratis auf den Produkten des Rivalen Coca-Cola zu platzieren. Darüber kann man in der Tat nur spekulieren: Wollte man die Gelegenheit nutzen, mit dem Boykott auch selbst einmal öffentlichkeitswirksam auf reine Kommerz-Aktionen seitens Dritter im Fußballgeschäft hinzuweisen? Oder wollte man vielleicht auch nur Coca-Cola die Möglichkeit nehmen, die Aktion im eigenen Sinne zu gestalten? Ob das US-Unternehmen bei der PR-Aktion in Zusammenarbeit mit der DFL dem Beispiel der oben genannten anderen Klubs, das RB-Leipzig-Logo selbst komplett zu boykottieren, komplett hätte folgen können, erscheint zwar als fraglich – dennoch gibt es aber bekanntlich Spielräume bei der Ausgestaltung des Erscheinungsbildes der betreffenden Dosen...

Wer generell genug hat vom Kommerz im Profifußball, ist hier richtig: Bei FuPa.net/weser-ems, dem Amateurfußballportal für die Region.


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