Deutschlands Hoffnung auf Links Im Interview: Jonas Hector vor seinem elften Länderspiel

Deutschlands Hoffnung auf der linken Abwehrseite heißt Jonas Hector (rechts). Foto: imago/SchülerDeutschlands Hoffnung auf der linken Abwehrseite heißt Jonas Hector (rechts). Foto: imago/Schüler

Berlin. Als vor dem Länderspiel gegen England in Berlin der Interview-Termin feststeht, wird schnell deutlich, dass Jonas Hector lieber Fußball spielt als darüber redet.

Von Christoph Fischer

Das Gespräch werde auch nicht lange dauern. „Das ist gut“, sagt Hector, der vor sechs Jahren aus dem Saarland zum 1. FC Köln kam, seit vier Jahren Profi ist und seit August 2014 Nationalspieler. Es ist alles überraschend schnell gegangen in dieser Karriere. „Aber ich habe mich inzwischen daran gewöhnt“, sagt der 25-Jährige.

Jonas Hector, Sie stehen vor Ihrem elften Länderspiel. Sehen Sie sich bei Joachim Löw als Stammspieler?

Jonas Hector: Das würde ich nicht sagen. Es ist immer wieder eine Herausforderung, in der Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Ich versuche, Woche für Woche meine Leistung zu bringen. Damit mein Clubtrainer und der Bundestrainer nicht an mir vorbeigehen können. Das ist mein Ziel.

Sie haben sich einmal als Spätstarter bezeichnet. Hat sich die Wahrnehmung in der Kölner Mannschaft verändert, seit Sie Nationalspieler sind?

Nein, da hat sich die Wahrnehmung nicht verändert. Man hört den einen oder anderen lockeren Spruch, das ist okay, aber geändert hat sich da nicht viel. Die öffentliche Wahrnehmung hat sich verändert, die Wahrnehmung durch die Medien. Die Erwartungshaltung wächst. Bei mir selbst natürlich auch. Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Ich will mich weiterentwickeln.

Der Wechsel zum 1. FC Köln scheint für Sie ein Glücksgriff gewesen zu sein.

Ich kann mich nicht beschweren, absolut nicht. Der Club ist richtig für mich. Die Entwicklung der letzten Jahre spricht für sich.

Ist Peter Stöger der entscheidende Trainer Ihrer Karriere?

Ich habe in Köln bisher immer gute Erfahrungen mit meinen Trainern gemacht. Nicht nur mit Peter Stöger. Und unabhängig davon, ob das bei den Amateuren war oder bei den Profis. Ich bin 2010 zum FC gekommen, 2012 Profi geworden. Im Endeffekt hat Holger Stanislawski mich zum Linksverteidiger gemacht. Mit Peter Stöger fahren wir gut, die Entwicklung des Clubs und der Mannschaft stimmt, es herrscht Zufriedenheit in Köln. Was ja nicht selbstverständlich ist.

Die Europameisterschaft ist Ihr großes Ziel. Aber der Weltmeister ist nicht konkurrenzlos.

Sicher nicht. Man hat schon in der Qualifikation gesehen, dass die Mannschaften gegen den Weltmeister besonders motiviert sind. Es wird nicht leichter nach einem Titel. Generell ist die Europameisterschaft ein Brett, das ist doch klar. Qualitativ sehr hoch. Deshalb glaube ich, dass die Spiele gegen England und Italien richtig sind. England und Italien sind Schwergewichte. England ist durch die Qualifikation marschiert, über Italien muss man nicht viel sagen, die Qualität spricht Bände. Das ist ein Vergleich mit Mannschaften, die auch berechtigte Ansprüche auf den Titel stellen. Wir werden nach diesen Spielen sehen, wohin die Reise gehen kann.

Denken Sie an die Terroranschläge?

Natürlich beschäftigt man sich intensiv damit. Und trotzdem muss man versuchen, sich auf den Sport zu konzentrieren.

Hat Ihre Karriere Sie überrascht, ernst gemeinte Frage?

Was heißt überrascht. Natürlich hat man insgeheim gehofft, dass man es bis in die Nationalmannschaft schafft. Dass es so schnell, geht, damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin vor vier Jahren Profi geworden in der 2. Bundesliga, dann sind wir aufgestiegen. Es ging alles sehr schnell. Aufstieg in die Bundesliga, Berufung in die Nationalmannschaft. Das war überraschend. Aber mittlerweile habe ich mich an das neue Umfeld, die gestiegenen Erwartungen gewöhnt. Ich habe das erhofft, aber sicher nicht erwartet. Aber ich bin über diese Entwicklung natürlich sehr froh.

Was macht eigentlich das Studium der Betriebswirtschaftslehre?

Das läuft. So weit. Ich habe nicht vor, nach dem Ende der Karriere nichts mehr zu tun zu haben. Das ist mir schon wichtig, aber im Moment nicht das Wichtigste.

Sie haben einen Vertrag bis 2018 in Köln. Und dann geht es nach England?

Ich mache mir darüber keine Gedanken. Ich habe noch einen Vertrag bis 2018, stehe nicht unter Druck, etwas verändern zu müssen. Ich konzentriere mich auf den Fußball, momentan beschäftigt mich ein Wechsel nicht.


Zur Person

Jonas Hector, geboren am 27. Mai 1990 in Saarbrücken, wechselte 2010 zum 1. FC Köln und absolvierte im August 2012 sein erstes Zweitligaspiel als Profi. Bundesligadebüt beim 0:0 gegen den HSV im August 2014. Im November 2014 erstmalige Berufung in die Nationalmannschaft, seither zehn Länderspiele als Linksverteidiger.

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