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03.03.2016, 10:43 Uhr KOMMENTAR

Effenbergs Scheitern in Paderborn vorhersehbar

Kommentar von Michael Jonas

Feierabend: Stefan Effenberg ist als Trainer beim SC Paderborn entlassen worden. Foto: dpaFeierabend: Stefan Effenberg ist als Trainer beim SC Paderborn entlassen worden. Foto: dpa

Die Lage ist prekär, der Trainer erfolglos: Der SC Paderborn muss handeln und entlässt Trainer Stefan Effenberg.

Paderborns Präsident Wilfried Finke hat wahrscheinlich den größten Fehler seiner Amtszeit gemacht. Das Experiment mit dem Trainer-Novizen Effenberg konnte schon deshalb nicht gut gehen, weil dem Ex-Nationalspieler jegliche Erfahrung fehlte. Und das in einer Situation, in der den Ostwestfalen das Wasser sportlich bis zum Hals steht.

Die Liaison mit dem „Tiger“ endete in einem Fiasko, das sich Finke selbst zuzuschreiben hat. Wer mit einem schillernden, aber auch umstrittenen Charakter wie dem früheren Champions League-Sieger zusammenarbeitet, der muss mit Dissonanzen rechnen. Und die prallten sowohl im sportlichen wie im persönlichen Bereich aufeinander. Der Ex-Gladbacher steht im Fokus der Öffentlichkeit - und da bedient er die seriösen Sportblätter ebenso wie die Yellow-Press.

Zunächst sah es so aus, als hätten die beiden sich auf Mallorca getroffen, den Trainerdeal vereinbart und gehofft, dass daraus eine erfolgreiche Verbindung entsteht. Finke sprach von neuem Selbstbewusstsein, dass der Bundesligaabsteiger durch Effenberg bekommen würde. Von begeisterten Fans, von einem fußballerischen Aufschwung. Dass alles nach nicht einmal fünf Monaten ganz anders kam, war vorherzusehen.

Imageschaden

Die Verweildauer des 35-maligen Nationalspielers beim SC Paderborn ist trotz des erst vor drei Wochen ausgesprochenen Treueschwurs nicht nur wegen des sportlichen Misserfolgs abgelaufen. Der Eklat im Trainingslager in Belek mit dem Entblößungs-Skandal um Stürmer Proschwitz, die Trunkenheitsfahrt Effenbergs nach einem Oktoberfestbesuch oder die nicht absolvierte Fortbildung zur Trainerlizenz – für „Effe“ lief alles schief, was nur schieflaufen konnte. Nicht nur das ohnehin schon angekratzte Image des unglücklichen Fußball-Lehrer-Lehrlings hat gelitten. Auch der Name SC Paderborn hat Schrammen abbekommen.

Noch ist Zeit. Die Frage ist, wer soll Paderborn jetzt retten? Vielleicht wäre der ehemalige Osnabrücker Coach Maik Walpurgis in naher Zukunft ein Mann für den Finke-Club. Der hat allerdings noch einen Vertrag beim VfL bis zum 30. Juni 2017. In der Restsaison, die ohnehin schwierig genug wird für den Club, muss sich jetzt erst einmal Rene Müller als Effenberg-Nachfolger beweisen.


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