Fast alle Klubs mit Chancen Eishockey: Die DEL geht in ein heißes Finale

Ins Straucheln gekommen: Der Vizemeister ERC Ingolstadt mit Brian Lebler (links) und das Traditionsteam der Kölner Haie mit Mirco Lüdemann (12) in der aktuellen DEL-Saison. Foto:imago/Bösl.Ins Straucheln gekommen: Der Vizemeister ERC Ingolstadt mit Brian Lebler (links) und das Traditionsteam der Kölner Haie mit Mirco Lüdemann (12) in der aktuellen DEL-Saison. Foto:imago/Bösl.

Ingolstadt. Acht Spieltage noch, dann endet die Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Fast alle der 14 Klubs kämpfen noch um die Qualifikation für die Play-offs – oder zumindest um die Pre-Play-offs. Wir geben einen Überblick über die Chancen und wagen eine Prognose.

Von Alexander Petri und Julian Schultz

Eisbären Berlin: Nach einigen Jahren des Übergangs hat sich der DEL-Rekordmeister im Kreis der Titelfavoriten zurückgemeldet. Der Kern des Teams um André Rankel, Frank Hördler, Jens Baxmann, Constantin Braun oder Florian Busch ist seit mehr als einem Jahrzehnt im Klub, äußerst erfahren und feierte gemeinsam sieben Meistertitel und einen European-Trophy-Sieg. Trainer Uwe Krupp scheiterte mit Köln zweimal im Finale, mit Berlin will der 50-Jährige endlich seinen ersten DEL-Triumph feiern. Die Mischung im Team scheint zu stimmen, zuletzt zeigten die Eisbären allerdings stark schwankende Leistungen. Noch fünfmal müssen die Berliner auswärts ran – ein kleiner Nachteil für die heimstärkste Mannschaft der Liga. Prognose: Platz 2

Düsseldorfer EG: Die formstarke DEG ist wohl die positive Überraschung der Saison. Trotz prominenter Ausfälle (Christoph Gawlik, Bobby Goepfert, Niki Mondt) behaupten sich die Düsseldorfer mit Teamgeist, Einsatz und einem fähigen Trainer Christof Kreutzer an der Tabellenspitze. Dass die DEG in den finanziell schweren Jahren 2013 und 2014 notgedrungen auf unerfahrene Deutsche setzen musste, zahlte sich schon im Vorjahr aus, als Düsseldorf ins Halbfinale vorstieß. Viele dieser ehemaligen Talente gehören nun endgültig zu den Leistungsträgern. Die Balance zwischen der zweitstärksten Abwehr der Liga und dem Angriff stimmt ebenso wie die Mischung zwischen Erfahrung und Talent. Mit dem jungen Mathias Niederberger verfügen die Rheinländer zudem über einen herausragenden Torhüter. Der DEG gehört zweifellos die Zukunft – doch schon jetzt kann sie weit kommen. Prognose: Platz 3

EHC München: Die Münchner sind die Mannschaft der Stunde. Fünf der letzten sechs Partien gewann der EHC vor der Länderspielpause, übernahm zwischenzeitlich die Tabellenführung – erstmals seit Dezember 2014 – und geht als Dritter in den Endspurt der Hauptrunde. Trainer Don Jackson, der mit Berlin fünfmal den Titel gewinnen konnte, steht wenige Wochen vor dem Play-off-Auftakt der gesamte Kader zur Verfügung. Knüpft die Star-Truppe in den verbleibenden acht Partien an die starke Form an, ist sie nicht nur der große Favorit auf den ersten Platz nach der Hauptrunde, sondern auch auf die Meisterschaft. Prognose: Platz 1

Iserlohn Roosters: Die Roosters spielen schon jetzt eine der besten Spielzeiten der Vereinsgeschichte. Der Tabellenvierte ist ausgeglichen besetzt, fast alle Reihen strahlen Torgefahr aus. Besonders vor dem fanatischen Publikum in der heimischen Eishalle am Seilersee ist Iserlohn nur schwer zu schlagen. Sollten sich die Sauerländer am Ende der Hauptrunde unter den besten vier Teams behaupten können, können sie – mit Heimrecht im Play-off-Viertelfinale – weit kommen. Zuletzt schwächelten sie allerdings deutlich, gewannen nur eine der vergangenen sechs Partien. Zudem hat Iserlohn ein schweres Restprogramm. Prognose: Platz 6

Nürnberg Ice Tigers: Man wird aus den Ice Tigers in dieser Saison einfach nicht schlau. Da liefert die Mannschaft von Trainer Rob Wilson gegen Spitzenmannschaften und direkte Konkurrenten um die Play-off-Plätze regelmäßig Spitzenleistungen ab, um dann gegen Teams aus dem Tabellenkeller unnötig Punkte liegen zu lassen. Zuletzt passiert am letzten Spieltag vor der Länderspielpause, als die Franken zu Hause gegen Schlusslicht Krefeld mit 1:3 verloren. Dennoch: Acht Punkte beträgt der Vorsprung bereits auf einen Pre-Play-off-Platz, die direkte Qualifikation für die K.-o.-Runde sollte den Nürnbergern daher nicht mehr zu nehmen sein. Zumal die Franken neben dem effizientesten Überzahlspiel der Liga auch über das beste Angriffsduo der Liga verfügen. Stolze 106 Punkte (40 Tore, 66 Vorlagen) sammelten Patrick Reimer und Steven Reinprecht bislang. Prognose: Platz 4

Grizzlys Wolfsburg: Wolfsburg ist mit seiner Härte und Defensivstärke seit Jahren für alle Mannschaften einer der unangenehmsten Gegner. Daran hat sich in diesem Jahr nichts geändert. Die Torhüter Felix Brückmann und Sebastian Vogl, die mit 95 Gegentoren beste Abwehr und ihre Heimstärke machen die play-off-erfahrenen Grizzlys so erfolgreich. In den vergangenen drei Jahren waren die Niedersachsen immer im Halbfinale – das gelang keinem anderen DEL-Klub. Die Mannschaft von Pavel Gross hat ihr Zwischentief überwunden und steuert auf Kurs direkte Play-off-Qualifikation. Prognose: Platz 5

Adler Mannheim: Mit Craig Woodcroft als neuem Chefcoach will der Titelverteidiger die Spielzeit doch noch retten. Die Mannheimer gaben gestern die Beförderung des bisherigen Co-Trainers bis zum Saisonende bekannt. Die Adler hatten zuletzt fünf Niederlagen in Folge kassiert und trennten sich von Greg Ireland. Mit dem siebten Tabellenplatz hinken die Kurpfälzer, die sich in der DEL eine der teuersten Mannschaften leisten, ihren eigenen Ansprüchen hinterher. Ireland konnte den Mannheimern nie ein funktionierendes Spielsystem vermitteln, einige Leistungsträger befinden sich im Formtief und mit dem verletzten Torhüter Dennis Endras fehlt zudem ein starker Rückhalt. Sieben Punkte fehlen dem Deutschen Meister auf einen direkten Play-off-Platz, vom elften Rang ist der Tabellensiebte fünf Zähler entfernt. Prognose: Platz 7

Straubing Tigers: Die Tigers wurden zuletzt ihrem Namen gerecht und bissen sich zurück, als Tabellenachter sind die Niederbayern wieder mitten im Rennen um die Pre-Play-offs. Danach sah es Ende des vergangenen Jahres nicht aus, als die Mannschaft von Trainer Larry Mitchell nach furiosem Saisonstart von der Tabellenspitze durchgereicht wurde. Die Straubinger werden dennoch Mühe haben, nach 2012 und 2013 zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte die K.-o.-Runde zu erreichen. Denn das Restprogramm hat es in sich. In den restlichen acht Partien der Hauptrunde treffen die Straubinger auf fünf Teams, die vor ihnen platziert sind. Zudem treten sie nur noch dreimal im Stadion am Pulverturm an. Prognose: Platz 11

Kölner Haie: Die Haie gehören zu den prominentesten Teams der Liga, entsprechend hoch sind die Ansprüche in der Domstadt. Denen hinken die Kölner weit hinterher, Trainer Niklas Sundblad und sein Experiment mit sechs schwedischen Profis ist schon gescheitert. Vor allem gegen vermeintlich leichtere Gegner ließ der KEC viele Punkte liegen. Dauerhaft überzeugt hat nur Torhüter Gustaf Wesslau und die Angriffsreihe um Patrick Hager, Philip Gogulla und Ryan Jones – Letzterer fällt allerdings einige Wochen aus. Unter dem neuen Trainer Cory Clouston verzeichneten die Haie zuletzt einen zaghaften Aufwärtstrend, zudem warten noch sechs Heimspiele. Prognose: Platz 8

Hamburg Freezers: Nur Platz zehn nach 44 Spieltagen – eine herbe Enttäuschung für die ambitionierten Freezers. Die sportliche Malaise zehrt an den Nerven: Mehrfach gerieten die Hamburger im Training aneinander, auch öffentliche Kritik des Trainers sorgte für Verstimmungen. Achillesferse ist die Torhüterposition: Die Stammkräfte Dimitrij Kotschnew und Sebastien Caron sind oder waren lange nicht fit, Ersatzmann Cal Heeter patzte häufig. Im Angriff dagegen sind die Hamburger – vor allem auf dem deutschen Sektor – stark besetzt. Noch fünfmal treten die Hanseaten daheim an, darunter gegen die Kellerkinder Krefeld und Schwenningen. Daher sollte Hamburg die K.-o.-Runde erreichen. Prognose: Platz 9

ERC Ingolstadt: Nach drei Heimniederlagen in Folge kehrte beim Vizemeister zuletzt die große Verunsicherung zurück. Die Ingolstädter offenbarten dabei wie in der ersten Saisonhälfte körperliche Defizite. Die Länderspielpause kam daher genau zur rechten Zeit. Trainer Kurt Kleinendorst gab seiner Mannschaft vier trainingsfreie Tage, um die Akkus wieder aufzuladen. Einige Spieler nutzten die Zeit für Kurzurlaube. Weil allerdings auch die direkten Konkurrenten im engsten Pre-Play-off-Rennen seit Jahren patzten, hat der Tabellenelfte mit einem Punkt Rückstand auf Rang zehn weiter alle Chancen, sich noch in die erste K.-o.-Runde zu retten – trotz eines schweren Restprogramms. Am kommenden Wochenende muss der ERC in Krefeld (Freitag) und Düsseldorf (Sonntag) zunächst zweimal auswärts ran. Insgesamt treffen die Panther noch auf drei Mannschaften aus den Top-Vier. Prognose: Platz 10

Augsburger Panther: Trainer Mike Stewart steht im Endspurt der Hauptrunde erst zum siebten Mal in dieser Saison der gesamten Kader zur Verfügung. Die Defensive der Augsburger ist mit 158 Gegentoren weiter die Schießbude der Liga. Im engen Kampf um die Pre-Play-offs kann das ein entscheidender Faktor sein. Da hilft es dem AEV auch nichts, dass er mit 140 Treffern die beste Offensive der Liga stellt. Prognose: Platz 12

Schwenninger Wild Wings: Auch in ihrer dritten DEL-Saison seit dem Wiederaufstieg wird der Tabellenvorletzte die K.-o.-Runde verpassen – obwohl die Schwenninger mit stark verbessertem Kader und ambitionierten Zielen in die Saison starteten. Jetzt geht es nur noch darum, nicht von Schlusslicht Krefeld überholt zu werden. Prognose: Platz 13

Krefeld Pinguine: 19 Punkte Rückstand auf Rang zehn: Die Play-offs finden ohne das Schlusslicht statt. Krefeld hat nur noch ein Ziel: nicht Letzter werden. Dennoch können die Rheinländer für die übrigen Teams zum Stolperstein werden: Von den letzten vier Partien gewannen die Pinguine drei. Prognose: Platz 14


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