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Kosten steigen ins Unermessliche Sind Olympische Spiele noch tragbar?


Osnabrück. Die Kritik am Gigantismus Olympischer Spiele wächst und wächst. Die Werte des Sports geraten in den Hintergrund. Die Olympische Idee ist längst einer kommerziellen Schlacht gewichen.

Bürgermeister Olaf Scholz und der Chef der Senatskanzlei, Christoph Krupp, haben an diesem Donnerstag den Finanzreport für Hamburg 2024 vorlegt. 11,2 Milliarden werden veranschlagt. Auf den Steuerzahler kämen demnach 7,4 Milliarden Euro zu. Der Erlös wird auf 3,8 Milliarden Euro geschätzt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Hochrechnungen mit realen Zahlen nicht standhalten können. Kosten steigen ins Unermessliche.

Kosten-Explosion

So ergaben sich für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London Anfangskosten von 4,208 Milliarden Pfund (5,711 Milliarden Euro). Die wirklichen Kosten sollen bei weit über zehn Milliarden Pfund (13,57 Milliarden Euro) gelegen haben. Stimmen diese Zahlen, dann sind in London die teuersten Sommerspiele aller Zeiten ausgerichtet worden. Bei den Winterspielen liegt das russische Sotschi 2014 mit angeblich 50 Milliarden Dollar (44,42 Milliarden Euro) an der Kosten-Spitze. Ein Großteil der Sportstätten dort verfallen.

Erklärungsnot

Der Missmut über kolossale Auswüchse bringt das Internationale Olympische Komitee (IOC) immer mehr in Erklärungsnot. Unruhen in Brasilien, Russland und auch das Nein des Schweizer Kantons Graubünden gegen die Bewerbung von St. Moritz verdeutlichen die zunehmende Skepsis am Mega-Event, die erstmals im Zuge der Bewerbung Torontos für die Sommerspiele 1996 mit der Kampagne „bread not circuses“ (Brot, kein Zirkus) öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck gebracht wurde. Kommerz und Korruption, Intransparenz und Prunksucht werden den Sport-Machthabern vorgeworfen. Dabei ist es nicht nur das IOC, das an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Die jüngsten Vorwürfe und Ermittlungen gegen Funktionäre des Weltfußballverbandes FIFA zeigen, dass der Verfall der Werte voranschreitet. Das zweifelhafte Image der Sport-Weltorganisationen nährt die Vorbehalte gegenüber Ausrichtern von Großereignissen.

Deutliches Zeichen

Ein gutes Beispiel ist das Scheitern der Bewerbung Münchens um die Olympischen Spiele 2022.Vier bayrische Landkreise wurden befragt, vier votierten gegen eine erneute Bewerbung Münchens für das Winterspektakel. Ein deutliches Zeichen..

Am 29. November sollen die Bürger in Hamburg abstimmen, ob sie für Spiele in ihrer Stadt sind. Der Masterplan für die geplanten Sportstätten und für die Bebauung auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook nahe der Innenstadt steht bereits. Für das Olympia-Gelände müssten dort tätige Hafenbetriebe umgesiedelt werden, was nach Einschätzung der Hafenwirtschaft mindestens eine Milliarde Euro kosten dürfte. Unter Einbeziehung von Planungs- und Kostenrisiken sowie Preissteigerungen bis zum Jahr 2024 beziehungsweise 2028 geht der Senat von Investitionen in Höhe von über zwei Milliarden Euro aus. Nicht eingerechnet sind Kosten für die Infrastruktur wie Straßen und Bahnen - in bislang unbekannter Höhe.

Ebenfalls nicht berücksichtigt sind jene rund drei Milliarden Euro, welche das IOC für die Spiele selbst aufwenden muss. Zuschüsse sollen auch vom Bund kommen, Einnahmen aus Ticketverkäufen, Werbung und TV-Verträgen.

Für Spiele in Hamburg sollen den Planungen zufolge auf der Elbinsel das Olympiastadion, die Olympia-Halle, die Schwimmhalle und das olympische Dorf gebaut werden. Danach soll dort langfristig ein neuer Stadtteil für bis zu 18 000 Bewohner mit rund 8000 Wohnungen und etwa 7000 Arbeitsplätzen entstehen. In dem Quartier sollen die Olympia-Bauten weiter genutzt werden, aber in veränderter Form.

Auch in Hamburg regt sich der der Widerstand. Die NOlympia- Bewegung lehnt die Spiele wegen der hohen, unkalkulierbaren Kosten ab. „Olympische Spiele sind von allen Großprojekten das riskanteste“, sagt Florian Kasiske, einer von drei Sprechern von NOlympia in Hamburg. Kostenexplosionen seien die Regel, seit 1962 hätten die jeweiligen Kosten für Olympische Spiele im Schnitt um 118 Prozent höher gelegen als ursprünglich geplant. NOlympia rechnet in Hamburg mit Ausgaben in zweistelliger Milliardenhöhe. „Dieses Geld fehlt dann an anderen Stellen“, befürchtet Kasiske.

Wie auch immer: Die Rechnung bezahlt letztlich der Steuerzahler.


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