Wutrede des Bochum-Trainers Kritik an „Bild“: Gertjan Verbeek wird deutlich

Von Sportredaktion

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Klare Ansage: Trainer Gertjan Verbeek (VfL Bochum). Foto: imago/Team 2Klare Ansage: Trainer Gertjan Verbeek (VfL Bochum). Foto: imago/Team 2

Osnabrück. Nach sieben absolvierten Partien ist der VfL Bochum Tabellenführer in der 2. Fußball-Bundesliga. Für Trainer Gertjan Verbeek sollte somit alles mehr als nach Plan laufen. Auf der Pressekonferenz vor der Partie in Bielefeld aber platzte einem wütenden Coach der Kragen.

Der Grund: Die Bild-Zeitung hatte zuvor berichtet, Verbeek habe den Meistertitel in der zweiten Liga als offizielles Ziel ausgegeben - und getitelt: „Verbeek spricht vom Meistertitel“ . Nun fragte bei der besagten turnusmäßigen Pressekonferenz ein Journalist nach, ob dies korrekt sei, dass Verbeek den Meistertitel als Ziel ausgegeben habe. Verbeeks Antwort: „Das ist so unglaublich kindisch von Bild.“ Beginn einer beispiellosen Wutrede.

Konkret soll Verbeek gesagt haben: „Die Ambition muss immer sein, raus aus der zweiten Liga und aufsteigen in die erste, aber das wird schwer.“ Der Niederländer nahm der „Bild“-Zeitung nun übel, daraus eine verkürzte Überschrift gemacht zu haben. „Ich habe nicht gesagt, dass wir Meister werden“, sagte Verbeek auf der PK und fragte den dort anwesenden „Bild“-Reporter: „ Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße?“

Der Coach stellte in der Folge mehrmals klar, dass es zwar die Ambition des VfL sei, aufzusteigen. Doch das sei nicht als offizielles Ziel ausgegeben worden. Verbeeks Vorwürfe gegen die Berichterstattung der Bild gingen aber noch weiter: „Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Selbst mit Flüchtlingen dazwischen“, sagte Bochums Trainer – und spielte damit wohl auch auf den Streit zwischen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und dem FC St. Pauli an.

St. Pauli hatte sich am Wochenende nicht an der für die Vereine aus der 1. und 2. Liga geplanten „Wir helfen“-Aktion für Flüchtlinge beteiligt. Statt des sonst üblichen Sponsorenlogos des Versandunternehmens Hermes war bei vielen Klubs der Aufdruck „Wir helfen - #refugeeswelcome“ zu sehen – und dazu ein Logo der Bild. Dessen Chefredakteur hatte nach der Absage getwittert: „Darüber wird sich die @AfD_Bund freuen: Beim @fcstpauli sind #refugeesnotwelcome“.

Das war auch der Grund, warum sich der VfL Bochum mit dem FC St. Pauli solidarisiert hatte und ebenfalls an der Aktion nicht teilnahm. „Es darf unserer Ansicht nach nicht sein, dass jemand einem Verein die Solidarität mit Flüchtlingen abspricht, nur weil dieser nicht bereit ist, eine u.a. von der BILD initiierte Aktion zu unterstützen“, hatte der VfL mitteilen lassen . Diesem Beispiel waren einige weitere Klubs aus der 2. Bundesliga gefolgt.

Wie man wesentlich entspannter mit dem Flüchtlingsthema umgehen kann, hatte zuvor der Freiburger Trainer Christian Streich bewiesen - mit bemerkenswerten Worten in einem etwa achtminütigen Monolog. „Wir alle sind irgendwann Flüchtlinge gewesen“, so der 50-Jährige. Man müsse sich den Heimatsuchenden gegenüber öffnen, sie empfangen und Ängste abbauen.


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