Internationales Osnabrücker ADAC Bergrennen Reportage: Als Anfänger am Steuer beim Bergrennen

Von Malte Schlaack


Borgloh. Das Ziel vorher war zugegebenermaßen nicht sehr ambitioniert: Nicht Letzter werden hatte ich mir zu meinem Einstand als „Rennfahrer“ beim 48. Internationalen Osnabrücker ADAC Bergrennen am Uphöfener Berg in Borgloh vorgenommen.

Das Ziel wurde erreicht, was im Endeffekt bei einer beeindruckenden Veranstaltung absolut nebensächlich war. Der Erfahrungsbericht eines blutigen Anfängers.

Los geht es eigentlich schon am Freitag. Auf Einladung des gastgebenden MSC Osnabrück darf ich am 3. E-Mobil-Berg-Cup teilnehmen. Mein Fahrzeug: ein BMW i3. Elektroautos sind für mich wie für die meisten meiner Mitstreiter Neuland, aber darum geht es am ersten Tag erst einmal gar nicht. Die Anmeldung läuft genau wie bei den „Großen“ – im weiteren Verlauf des Wochenendes werden mich und die schnellsten Autos dann etliche Sekunden trennen. Auch die Abnahme des Fahrzeugs, das zuvor mit Startnummer und Werbung renntauglich gemacht wurde, geschieht im professionellen Rahmen.

Richtung Start pirschen

Eine kurze Nacht später treffen sich die wackeren 26 E-Mobilisten um 7 Uhr im Fahrerlager. Während das restliche Bergrennen noch weitgehend ruht, pirschen wir uns – natürlich lautlos, wie es sich für Elektrofahrzeuge gehört – in Richtung Start. Zuschauer sind noch nicht viele an der Strecke, und so macht der Scherz die Runde, dass das in diesem Fall auch wohl besser sei.

Nach den genau 2,030km oben angekommen, löst sich bei allen Fahrern die Aufregung oder das Misstrauen in Begeisterung auf. Die E-Mobile beschleunigen rasant, liegen einigermaßen gut auf der Straße, und auf einer abgesperrten Rennstrecke zu fahren, übersteigt sogar noch die Erwartungen.

Aufregung und Anspannung

Meine Zeit von 1:37 Minuten sagt mir erst mal nichts, allerdings befinde ich mich damit in guter Gesellschaft mit einigen anderen Fahrern. Überhaupt kommt es beim E-Mobil-Berg-Cup nicht auf die schnellste Zeit an, sondern auf die Bestätigung der ersten. Das gelingt mir im Training nicht sonderlich gut. Je mehr man sich an die Strecke gewöhnt, desto schneller geht es. Die leichte Aufregung und Anspannung vor jedem Lauf, bis die Startflagge geschwenkt wird, bleibt aber.

Frotzeleien über E-Mobile

Das ändert sich natürlich auch am Renntag nicht. Das Wetter ist wie beim Training fantastisch, und rund um die Strecke geht es zu wie in einem Ameisenhaufen – und ich bin mittendrin. Dadurch, dass die Zuschauer beim Bergrennen überall hautnah dabei sind, ist wirklich auch überall Betrieb. Fahrzeuge aller Art – ob Motorroller, Abschlepper, motorisierte Tretroller, Formel-1-Boliden und dazu eben sehr viele Fußgänger – teilen sich die Straße und kommen bestens miteinander aus, weil alle Rücksicht nehmen. Die E-Mobile bekommen interessierte Blicke und natürlich ein paar Frotzeleien ab. „Also, mir wär das zu leise“, heißt es zum Beispiel von einer Seite.

Erster Lauf etwas langsamer

Das Rennen läuft dann für mich als Anfänger einigermaßen gut. Der erste Lauf ist etwas langsamer, als ich erhofft hatte, und in den beiden weiteren Läufen bin ich zwar schneller, allerdings wirkt sich das wiederum auf meine Gesamtzeit aus. Mit 2,342 Sekunden Abweichung werde ich Dritter in meiner Klasse – bei vier Startern. Die Ergebnisse sind aber für alle Fahrer letztlich nebensächlich. In zwei Tagen in der Gruppe stand zum Glück der Spaß an der Sache im Vordergrund und weniger der sportliche Ehrgeiz. Zu Schaden gekommen ist auch niemand, und so haben Michael Piel und sein Team der Stadtwerke Osnabrück im E-Mobil-Zelt sowie der MSC Osnabrück um Organisator Bernd Stegmann und Rennleiter Michael Schrey ganze Arbeit geleistet.

„Wenn die Zuschauer Handys hochnehmen“

Den Spruch des Rennwochenendes lieferte Michael Starke. Bei seiner 31. Teilnahme beim Bergrennen war der Osnabrücker mit seinem Porsche Panamera erstmals in der E-Klasse dabei. Auf die Frage eines anderen Fahrers nach dem besten Bremspunkt am Ende der langen Startgerade hatte Starke den einleuchtenden Tipp: „Wenn die Zuschauer ihre Handys hochnehmen und filmen, ist es zu spät.“ Passiert ist das zum Glück keinem.