zuletzt aktualisiert vor

Bundesliga-Geschichte(n): 14. November 1981, Eintr. Frankfurt - Werder Bremen 9:2

Ausgewechselt nach sieben Gegentoren: Hermann Rülander am 14. November 1981 beim 2:9 in Frankfurt. Foto: ArchivAusgewechselt nach sieben Gegentoren: Hermann Rülander am 14. November 1981 beim 2:9 in Frankfurt. Foto: Archiv

Jedes Jahr am 14. November macht es sich Hermann Rülander auf der Fernsehcouch gemütlich, entkorkt eine Flasche Wein und schiebt eine Videokassette ein. Er sieht sich im Tor des SV Werder Bremen beim Spiel im Frankfurter Waldstadion, siebenmal holt er den Ball aus dem Netz, dann wird er ausgewechselt. Am 14. November 1981 sollte seine Bundesligakarriere eigentlich richtig losgehen, doch dann endete sie an jenem tristen Herbsttag.

„Aus einem Traum wurde ein Trauma, aber ich bin längst geheilt“, sagt Rülander lächelnd – und erinnert sich. Eine Woche vorher war er schlagartig zu seinem Bundesligadebüt gekommen: In den letzten 20 Minuten der Partie gegen den 1. FC Köln ersetzte er den verletzten Dieter Burdenski und verhinderte eine Niederlage. Eine Woche später brach das Unheil über den aus dem ostfriesischen Burlage stammenden Torwart herein.

In Frankfurt ging Werder nach sieben Minuten in Führung, doch dann kassierte Rülander bis zur 78. Minute sieben Tore: „Das erste und das dritte hätte ich verhindern müssen. Aber richtig gut haben auch die anderen nicht gespielt...“

Doch die höchste Werder-Niederlage aller Zeiten blieb an ihm allein hängen. Schuld daran war die öffentliche Demütigung der Auswechselung durch Trainer Otto Rehhagel, als das Spiel längst verloren war. Der Amateurtorwart Robert Frese kam und kassierte zwei Tore, eine Woche später verpflichtete Werder einen neuen Ersatztorwart (Klaus Funk), Rülanders Vertrag wurde aufgelöst. Bis es so weit war, ließ Rehhagel den 21-Jährigen Jung-Torwart im Training Verteidiger spielen.

Bis heute wird Rülander von dieser Ungerechtigkeit verfolgt, wenn ihn beispielsweise das Magazin „11Freunde“ in seiner rotzig-respektlosen Art mal schnell in eine Liste der schlechtesten Torwarte aufnimmt. Das ist unfair, denn Rülander erholte sich beim SV Meppen schnell von dem Schock, stieg in die 2. Liga auf und war bis 1992 Leistungsträger und Publikumsliebling.

„Meppen – das war mein großes Glück“, erzählt Rülander, „ich hatte dort eine wunderschöne Zeit, bin in den Profifußball zurückgekommen und konnte Otto Rehhagel und ein paar Millionen Menschen zeigen, dass dieses eine Spiel nicht mein wahrer Leistungsstand war.“

Heute lebt er in Papenburg als erfolgreicher Versicherungsunternehmer, spielt gelegentlich in Werders Traditionsmannschaft und hat im Golf eine neue sportliche Leidenschaft entdeckt. Bei den „Gofus“, einer Vereinigung golfspielender Exprofis, holt ihn allerdings auch manchmal die Vergangenheit ein. Den Frankfurter Kunstschützen Bernd Nickel, der ihm damals eine Ecke direkt ins Tor gesetzt hatte, begrüßte er flachsend: „Hallo, Bernd, du hast mir meine Karriere zerschossen.“ Als ihn allerdings Andreas Möller auf das Debakel ansprach, stockte Rülander und dachte: „Der ist doch viel zu jung, um damals dabei gewesen zu sein.“ Möller klärte auf: Er war an jenem Tag Eintracht-Balljunge hinter dem Werder-Tor.