Trainer hört bei Borussia Dortmund auf Jürgen Klopp geht: Es ist kein Abschied für immer



Dortmund. Die Fußball-Bundesliga verliert Jürgen Klopp. Zumindest vorübergehend. Schon das ist bedauerlich. Als er nach dem 3:2 im letzten Spiel seine Ehrenrunde abschritt, jubelten ihm sogar die Werder-Fans zu. Das ist ein Ritterschlag, nicht weil es Werder-Anhänger waren, sondern Freunde des Fußballs.

Klopp geht, mit feuchten Augen, das Spalier der Mannschaft nimmt er mehrfach. Er genießt es, vielleicht hasst er es auch. Denn das Abschiedsszenario im Westfalenstadion hat etwas Endgültiges, zumindest an diesem Nachmittag, obwohl es etwas Endgültiges im Fußball ja nicht gibt.

Abschied unter Getöse

Okay, zumindest vorläufig ist Jürgen Klopp nicht mehr da. Zumindest nicht in seinem Wohnzimmer. Am kommenden Samstag kann er noch den DFB-Pokal holen in Berlin gegen Wolfsburg und sich im Lastwagen über den Borsigplatz karren lassen, so wie es seiner Traumwelt entspricht. Aber Abschied genommen hat er an diesem Samstag, unter lautem Getöse, Sympathiebekundungen, wie sie einem deutschen Politiker nie widerfahren würden. „Ich hatte den Eindruck, jeden einzelnen zu kennen, der mir zuwinkt“, äußert der Coach. (Weiterlesen: Das Finale: Freiburg und Paderborn runter - VfB gerettet)

Vom letzten Platz nach Europa

Klopp hat etwas geschafft, was in der jüngeren deutschen Fußballgeschichte so noch nicht vorgekommen ist. Er führte ein darbendes Team nach der Winterpause vom letzten Platz in den europäischen Wettbewerb. Nicht in den elitären, wo die Klubs mit Millionen zugeschüttet werden, aber immerhin in einen, wo wichtiges Geld verdient werden kann.

#dankekloppo

Posted by Borussia Dortmund on Samstag, 23. Mai 2015

Keine Chance gegen die Bayern

Möglicherweise erkannte er, dass das die gegenwärtige Grenze für die Borussia ist. Einen Titel kann man holen, am leichtesten den im Pokal. Aber in der Meisterschaft hat man gegen Bayern auf Sicht keine Chance. Vielleicht war das seine momentane gedankliche Bestandsaufnahme, als er seinen Abschied zum Saisonende verkündete, obwohl sein Vertrag ihm reichlich Perspektive und soziale Abfederung geboten hätten. (Weiterlesen: Liga der Langeweile? Nein! Wer Bayern künftig schlagen kann)

Ecken und Kanten

Klopp macht nicht weiter bei der Borussia, er gehört aber zu diesem Klub wie die monumentale Südkurve und den manchmal nicht zu verstehenden Enthusiasmus für Schwarz-Gelb. Aber er hat in diesen sieben Jahren nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das, was er macht, mit Herzblut betreibt. Er ist mit allen seinen Ecken und Kanten, die nicht vor allen DFB-Sportgerichten Bestand hatten, authentisch geblieben.

Reizfigur – nicht nur für Schalkefans

Klopp ist 47 Jahe alt, im besten Traineralter. Er wird an der internationalen Börse gehandelt, Real Madrid ist im Gespräch, von der Insel soll Manchester City Liebesbriefe schreiben. Klopp wird kein Sabbath-Jahr einlegen, das scheint klar. Vermutlich wird er im Ausland bei einem Spitzenverein seine Erfahrungen sammeln und eines Tages nach Deutschland zurückkehren. Die erste Adresse dürfte der FC Bayern sein, er selbst hat es jedenfalls nicht ausgeschlossen. Also trotz des rührenden Abschieds aus Dortmund: Jürgen Klopp dürfte uns noch einige Zeit erhalten bleiben. Und das ist gut so. Vielleicht sogar als neue Reizfigur – und das nicht nur für Schalke-Fans.


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