Schwerkraft adé 6000 Zuschauer bei Feuerwerk der Turnkunst in Oldenburg



Oldenburg. Feuerwerk der Turnkunst. Wenn ein Name zur Veranstaltung passt, dann dieser. Der Tourauftakt in Oldenburg zeigt eindrucksvoll sämtliche Spielarten von Turnkunst und Akrobatik, teilweise fast künstlerisch anmutend.

In diesem Jahr steht die wandernde Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Vertigo“ – also Schwindel. Den wird mancher Gast gleich beim ersten Programmpunkt empfinden. Artistin Lisa Rinne hangelt die Strickleiter hoch bis zum Trapez knapp unter der Decke der Weser-Ems-Halle. Nur angestrahlt von hellen Scheinwerfern wirft ihre Silhouette fast märchenhafte Schatten auf den Boden und die dunklen Ränge ringsherum.

Einmal oben angekommen, lässt sich Rinne sogleich mit Drehungen und Salti immer wieder fallen. Dabei fliegt sie durch die Luft, dass die Zuschauer scharf die Luft einsaugen und die Hände erschrocken vor den Mund reißen.

„Das Feuerwerk begeistert seit 28 Jahren immer mehr Menschen. In diesem Jahr werden es 250000 sein, die unsere Show gesehen haben“, sagte Heiner Bartling, Präsident des Niedersächsischen Turnerbundes zur Begrüßung in Oldenburg. Die Vertigo-Tour feierte in Oldenburg in der voll besetzten Weser-Ems-Halle Premiere. In den kommenden Wochen geht es weiter in 20 Städte in ganz Deutschland. 110 Turner, Akrobaten und Artisten aus sieben Nationen treten an, die Zuschauer zu begeistern.

„Technisch ist es eines der anspruchsvollsten Tourneen“, sagt Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold. Erstmals mussten vor dem Start alle 20 Hallen nochmals getestet werden. Die Sicherheitsvorkehrungen waren so hoch wie noch nie zuvor. Das bedeutet immer wieder auch kurze Um- und Aufbaupausen für Geräte und Hilfsmittel. Auch diese inszenieren die Organisatoren mit Blick für das Detail. Tänzer Kai Eikermann mag zunächst wie ein schusseliger Hausmeister wirken, aber spätestens wenn er beginnt, sich zu Musik wie auf einer Spieluhr zu drehen, hat er das Publikum fest im Griff.

Einziges Hilfsmittel für die Aufführung der Adole Brothers aus Äthiopien: eine niedrige Bank. Auf der liegt einer der beiden Artisten rücklings. Auf den hochgereckten Füßen balanciert er seinen Partner immer fort: vorwärts, rückwärts, Überschlag und Salto. Hepp, hepp, hepp. Aus den Boxen dröhnt „Satisfaction“ von den Rolling Stones.

Weniger schwungvoll, aber nicht minder zum Staunen: die Körperkunst der Ukrainerin Anastasiia Mazur. Sie biegt ihren Körper mühelos. Verdreht sich; ganz so, als hätte sie keine Knochen. Auf einem kleinen Podest bewegt sie sich ruhig, in vollkommener Beherrschung. Das Publikum schaut fasziniert auf die Artistin im roten Gymnastikanzug, nur ein einziger Schweinwerfer fängt sie in der Mitte der Halle ein – anscheinend ganz in sich versunken. Den wohl krassesten Gegensatz dazu liefern die Dunking Devils. Schnell, laut und mit viel Interaktion mit dem Publikum. Die Weser-Ems-Halle ist regelmäßig Austragungsort der Basketballspiele der EWE Baskets Oldenburg. Solche Dunkings sind hier trotzdem nicht an der Tagesordnung. Die Devils fliegen geradezu zum Korb und passen und springen mit akrobatischen Einlagen.

Genau diese Mischung aus Schnelligkeit und Ruhe, Tanz und Akrobatik, Kunst und Klamauk fasziniert das Publikum. Verbindendes Element, seit jeher: das Showteam des Feuerwerks der Turnkunst. Das Ensemble setzt die Akzente: Tanz, Gymnastik, Akrobatik, ein bisschen Ballett. Verantwortlich für das Gesamtkonzept zeichnet Heidi Aguilar.

Vieles beim Feuerwerk der Turnkunst ist nicht neu. Rhönrad, Strapaten oder Fangstuhl kennt man aus der Artisten- und Zirkuswelt. Das Feuerwerk der Turnkunst schafft es aber, diese zu einer eindrucksvollen, stimmigen Gesamtkomposition zusammenzustellen.


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