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Späte Tore: HSV bezwingt Bremen im Keller-Derby 2:0

Von dpa

Emotionen pur: Der HSV feiert den späten Sieg im Nord-Derby. Foto: Daniel BockwoldtEmotionen pur: Der HSV feiert den späten Sieg im Nord-Derby. Foto: Daniel Bockwoldt

Hamburg. Lange Zeit sah es in einem eher müden Nord-Derby nach einer Nullnummer aus. Doch mit zwei späten Treffern sicherte sich der HSV noch den Sieg gegen Bremen. Die Gäste waren nach der unglücklichen Niederlage restlos bedient und bangen um ihren Keeper.

Begleitet von hämischen Gesängen der Anhänger des Hamburger SV schlichen die Profis von Werder Bremen aus dem Stadion am Volkspark. In einer starken Schlussoffensive erzwangen die Hamburger das 2:0 (0:0) im 101. Bundesliga-Nordderby und überholten den Rivalen in der Tabelle.

Mit nun zwölf Punkten rangiert der «Bundesliga-Dino» sogar vor Borussia Dortmund. Werder (10 Punkte) musste die erste Niederlage unter Trainer Viktor Skripnik einstecken und steht nun im Heimspiel gegen Paderborn am nächsten Spieltag gehörig unter Druck.

Werder-Kapitän Clemens Fritz sah in der 89. Minute Gelb-Rot. Dazu bangen die Bremer um Schlussmann Raphael Wolf, der sich bei seinem unglücklichen Eigentor (90.+3) am Knie verletzte. «Es könnte sein, dass die Verletzung schlimmer ist», sagte Skripnik, der äußerst deprimiert wirkte.

Joker Artjoms Rudnevs (84.) brachte den HSV auf die Siegerstraße. «Die Punkte sind für uns unglaublich wichtig. Es ist schön, wenn man im Derby 2:0 gewinnt», sagte HSV-Profi Rafael van der Vaart, der von HSV-Coach Josef Zinnbauer ein Sonderlob für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt. «Wir haben heute einen Tick mehr Willen gehabt», meinte der Trainer.

Werder-Manager Thomas Eichin haderte mit den Nachlässigkeiten in der Schlussphase. «Das war für mich ein typisches Unentschieden-Spiel, das du über die Zeit bringen musst», sagte Eichin im TV-Sender Sky. «Mir fehlen die Worte. Es ist Enttäuschung pur», meinte Bremens Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic.

Der HSV begann im mit 57 000 Zuschauern ausverkauften Stadion mit Offensivdrang und hatte in der ersten Viertelstunde zwei Großchancen durch Valon Behrami (9.) und Youngster Mohamed Gouaida (11.). HSV-Trainer Josef Zinnbauer nahm den 21-Jährigen für Nationalspieler Marcell Jansen (Adduktorenprobleme) in die Elf. Überraschend lief van der Vaart neben Behrami vor der Abwehr auf der Sechser-Position auf.

Skripnik war zum Umstellen gezwungen, nachdem erst Stürmer Franco Di Santo (Außenbandverletzung im Knie) und dann Abwehrchef Sebastian Prödl (Leistenproblemen) ausfielen. Nils Petersen, Izet Hajrovic und Innenverteidiger Assani Lukimya rutschten ins Team. Petersen hatte beim vergangenen Nordderby in Hamburg (2:0) vor rund einem Jahr beide Tore für seinen Club geschossen, blieb nun aber blass.

Werder war zunächst mit defensiven Aufgaben beschäftigt, lediglich Junuzovic (28.) prüfte HSV-Schlussmann Jaroslav Drobny. «Nach so vielen Gegentoren zuletzt wollten wir lange die Null halten», erklärte Skripnik. Fast im Gegenzug war der HSV nach einem Alleingang von Lewis Holtby (33.) wieder am Drücker, doch der Ex-HSVer Wolf war zur Stelle. Die Bremer wurden vor der Pause noch durch zwei Freistöße von Junuzovic auf Lukimya (38.) und Hajrovic (44.) gefährlich, aber Drobny ließ sich nicht überwinden.

In der kampfbetonten Partie verloren die Hamburger nach guter Defensivarbeit der Grün-Weißen ihren Anfangselan. Parallel dazu ließ auch die lautstarke Unterstützung der Anhänger nach, die einen neuen Dezibel-Rekord in der Bundesliga aufstellen wollten. Mit dem Wert von 129 stellen sie immerhin den Rekord der Schalke-Fans aus 2007 ein. «Die Fans haben das Weltklasse gemacht, ich hatte eine Gänsehaut», sagte Zinnbauer.

Werders Wolf bewahrte zu Beginn der zweiten Hälfte Santiago Garcia (52.) vor einem Eigentor, als der Ball nach Flanke von Matthias Ostrzolek von dem Oberschenkel des Verteidigers absprang. Auf der Gegenseite hatte hatte Junuzovic (66.) mit einem Freistoß aus 22 Metern die beste Möglichkeit, aber Drobny war erneut zur Stelle.

Rudnevs leitete schließlich den glücklichen HSV-Sieg ein, in der Nachspielzeit bugsierte Werder-Keeper Wolf den Ball mit einem kuriosen Fehlgriff ins eigene Tor zum 2:0-Endstand. Der eingewechselte Arslan hatte zuvor aus kurzer Distanz nur den Innenpfosten getroffen. Bitter für Werder, dass neben Fritz auch Santiago Garcia nach der fünften Gelben Karte gegen Paderborn fehlen wird.

Spieldaten:

Hamburger SV - Werder Bremen 2:0 (0:0)

Ballbesitz in %: 61,9 - 38,1

Torschüsse: 14 - 12

gew. Zweikämpfe in %: 46 - 54

Fouls: 24 - 20

Ecken: 6 - 5

Quelle: optasports.com