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18.11.2014, 19:49 Uhr KOLUMNE

Der Mann, der den FC Bayern erfand

Von Johannes Kapitza


Osnabrück. Sportbücher in der Kritik: Der Journalist Dirk Kämper begibt sich in seinem Roman auf die Spuren von Kurt Landauer, dem lange vergessenen, früheren Präsidenten des FC Bayern München.

Lange Zeit war Kurt Landauer selbst Menschen wie dem heutigen Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, nicht bekannt. Dabei gilt der frühere Präsident des FC Bayern, der im Nationalsozialismus aufgrund seiner jüdischen Wurzeln sein Amt abgeben musste und vier Geschwister durch den rechten Rassenwahn verlor, inzwischen als ein Mann, der früh einen der Grundsteine für den Erfolg der Bayern legte. Journalist Dirk Kämper (Jahrgang 1963) hat sich auf Landauers Spuren begeben, mit dessen Verwandten wie Neffe Uri Siegel gesprochen und allerlei Archivmaterial zurate gezogen, um ein umfassendes Bild Landauers zu zeichnen. Heute ist „der Mann, der den FC Bayern erfand“, längst kein Unbekannter mehr. Die Münchner Ultra-Gruppe „Schickeria“ hat sich intensiv mit Landauers Leben beschäftigt, erinnert an seine Verdienste und hat dafür den Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes erhalten. Kämper hat daran seinen Anteil. Er hat nicht nur die Biografie geschrieben, sondern auch das Drehbuch für eine Fernsehverfilmung geliefert. Kämper haucht der rekonstruierten Vergangenheit Leben ein. Der Leser taucht ein in einen historisch begründeten Roman, in die bunte Welt des Fußballs während der schwarzen Jahre des Nationalsozialismus. Und in das Leben eines Mannes, der persönliche Dinge zugunsten seines Vereins hintanstellte – und das in schwierigsten Zeiten.

Kurt Landauer. Der Mann, der den FC Bayern erfand. Dirk Kämper, 256 Seiten, 19,95 Euro, Orell Füssli.