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18.11.2014, 17:08 Uhr KOLUMNE

Günter Eichberg. Schalkes vergessener Retter?

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Sportbücher in der Kritik: Günter Eichberg war Anfang der Neunziger Jahre Boss des FC Schalke 04. Katharina Strohmeyer schildert in dieser Biografie detailliert den Aufstieg und Fall eines nicht unumstrittenen, aber erfolgreichen Fußballfunktionärs.

Günter Eichberg? Richtig, da war doch was. Krampfader-Millionär, Sonnenkönig, Schalke Boss. Etwas unvermittelt springt einen die Biografie eines Fußballfunktionärs an, der Anfang der Neunzigerjahre fast schlagartig berühmt wurde – dank Schalke – und heute fast vergessen ist. Die Hörfunkjournalistin Katharina Strohmeyer hat das verrückte, wilde Leben von Eichberg nachgezeichnet, chronologisch und durchaus nicht immer schmeichelhaft für die Hauptfigur, aber getragen von einer Grundsympathie.

Es ist die Geschichte eines jungen Aufsteigers, der sich von Jusos abwendet, als er zum ersten Mal merkt, wie schön es ist, schnell viel Geld zu verdienen. Detailgenau schildert Strohmeyer Aufstieg und Fall des Sonnenkönigs, der auf seinem Weg viel verlor und aufgab – aber niemals seine Liebe zum verrücktesten Klub Deutschlands. Das ist vielleicht das wichtigste Anliegen der Autorin: Der Mann hat Schalke aus verzweifelter Lage gerettet, er hat die Zuschauer zurückerobert, den Verein in die Bundesliga zurückgeführt und die ersten Pläne zum Stadionneubau auf den Weg gebracht – er kann kein schlechter Mensch gewesen sein. Das Fragezeichen im Untertitel kann nur rhetorisch sein.

Günter Eichberg. Schalkes vergessener Retter. Katharina Strohmeyer, Neue Buchschmiede. 19,90 Euro.

Lesung an diesem Mittwoch (20 Uhr) in der Lagerhalle in Osnabrück. Eintritt 9 Euro, VVK 7 Euro.