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Derby: ,,Biene mit besseren Einzelspielern, SCSV in der Breite stärker"

,,Ich freue mich einfach darauf!" Daniel Gövert kennt die besonderen Reize des frühzeitigen Derbys zwischen dem SC Spelle-Venhaus und dem SV Holthausen/Biene am heutigen Samstag um 17 Uhr: Zum einen keimt beim Gastgeber nach zwei Siegen Euphorie, zum anderen waren der Mittelfeldspieler und Stefan Pöling auf Seiten des SCSV sowie Trainer Uli Pruisken beim Gast schon für den jeweiligen Kontrahenten aktiv.

Platz für Träumereien bleibt trotz des tollen Starts in Spelle nicht. Dafür sorgt Trainer Thomas Schilling, dem der Dämpfer beim Blitzturnier in Haste vielleicht gar nicht so ungelegen kam. ,,Wir haben einfach Glück gehabt", stimmt der Meister des Understatements mit Gövert überein: Die sechs Punkte ,,für den Klassenerhalt" wollen sie nicht überbewerten. ,,Wir müssen die Ziele nicht neu definieren", bleibt Schilling auf dem Boden. Andererseits gibt er sich zuversichtlich: ,,Wir haben Möglichkeiten. Potenzial ist vorhanden." Im Derby werden die Gastgeber - wie sollte es anders sein - auf Sieg spielen.

Einen Hauch von Euphorie hat Gövert nach dem ,,sehr guten Start" ausgemacht. Der 26-Jährige ist bereits neben Daniel Mess zum Führungsspieler. Zwei Jahre war er zuvor in Biene aktiv. ,,Es hat Spaß gemacht", sagt er. Einziger bitterer Beigeschmack war die Trennung von Trainer Winfried Budde, der ihn an den ,,Busch" geholt hatte.

Unter dem Pädagogen fand Gövert wieder Anschluss und wurde in Biene zu einem Leistungsträger. Zuvor war er aktiv in der Jugend des VfB Rheine, gehörte dort ein Jahr dem Kader der ,,Ersten" an. Beim Hamburger SV absolvierte er ein Probetraining, wagte den Griff nach den Sternen aber nicht. Beim FC Schüttorf wirkte er drei Jahre, stieg mit in die Oberliga auf, wurde vereinsintern Spieler des Jahres. Nach einem Kreuzbandanriss verlor Gövert den Anschluss, zog sich in Rheine einen Kreuzbandriss zu und kam schließlich ins Emsland.

Dass der Zimmermann die Prioritäten mehr in Richtung Beruf verschob, war mitentscheidend für den Wechsel nach Spelle: Der Ibbenbürener ist nur noch halb so lang unterwegs. Dass sich der SCSV so intensiv um ihn bemühte, schmeichelte dem Mittelfeldspieler. Den Wechsel, den er bereits einmal abgehakt hatte, bereut er nicht: ,,Die Kameradschaft ist noch größer als in Biene."

Umso mehr ist Gövert auf das Derby gespannt. Dabei könnte Dennis Prues, dem er freundschaftlich verbunden ist, sein Gegenspieler sein. ,,Aber die Biener müssen ja umstellen", kennt er die Sorgen des Gastes gut. Insgesamt sieht er beide Teams auf einer ähnlichen ,,Wellenlänge": ,,Biene hat vielleicht die besseren Einzelspieler, aber wir sind in der Breite stärker." Schilling betrachtet es ähnlich wie sein Führungsspieler.

Einen Platz in der Speller Erstformation hat auch Pöling gefunden. Nachdem er gegen Lohne eingewechselt wurde, konnte er in Osnabrück erstmals sein Können von Beginn an unter Beweis stellen. Er spielte für den verletzten Heiko Möhlmann auf der ungewohnten Manndeckerposition. Pöling überzeugte durch seine engagierte Spielweise und darf auf seinen zweiten Einsatz von Beginn an hoffen. ,,Stefan ist sehr ehrgeizig und hat sich auch im Training empfohlen", sagt Schilling, der den guten Lauf nutzen will, ansonsten aber ,,den Reiz hoch hält". Kein Kicker darf sich seiner Nominierung (zu) sicher sein. Mit dem jungen Sebastian Läge hat der Coach, der um den Einsatz von Möhlmann und Daniel Mess (beide Muskelprobleme) bangt, eine weitere Alternative.

Nur wenige personelle Möglichkeiten hat der Gast. Christian Bruns und Thomas Theisling fallen gesperrt aus. Hinter dem Einsatz von Robert Möller und Carsten Palstring steht ein ,,dickes Fragezeichen". ,,Mir sind ausgerechnet vor den beiden Derbys die Hände gebunden", will Pruisken auf eine starke Abwehr bauen. Den Liberopart könnten Torsten Lingers oder Carsten Palstring übernehmen. Doch der Coach, der vor gut einem Jahrzehnt eine Serie den SCSV trainierte, will erst die aktuellen Daten aus der medizinischen Abteilung abwarten.

Gefeiert wird heute auf jeden Fall in Spelle. Die ,,Neuen" geben ihren Einstand. ,,Vor einer Fete haben wir noch nie gewonnen", haben die Kicker gemahnt. Doch Gövert hat sie beruhigt. ,,Ich spiele seit acht Jahren in den Senioren und habe seit dem noch nie das Auftaktspiel gewonnen." In Spelle hat er ein neues Glücksgefühl kennengelernt. An diese Situation will er sich gern gewöhnen.


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