zuletzt aktualisiert vor

Zustand unklar Wird Michael Schumacher wieder gesund? Experten skeptisch

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der genaue Gesundheitszustand von Michael Schumacher ist unklar. Foto: Archiv/dpaDer genaue Gesundheitszustand von Michael Schumacher ist unklar. Foto: Archiv/dpa

Osnabrück. Wie geht es weiter mit Michael Schumacher? Wie genau es um den ehemaligen Formel-1-Weltmeister steht, ist unklar. Ein Schweizer Neurologe geht davon aus, dass der Sportler ein Invalider bleiben wird und ein ehemaliger Formel-1-Arzt glaubt, dass sein Zustand weit schlechter ist, als es derzeit in den Medien den Anschein hat.

Henning Stubbe, Chefarzt der Anästhesie der Paracelsus-Kliniken Osnabrück, sagte gegenüber unserer Redaktion, entscheidend für den weiteren Verlauf eines Schädel-Hirn-Traumas, wie Michael Schumacher es erlitten hat, sei, welcher Teil des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen worden ist. „Wenn das Großhirn betroffen ist, sind die Erfolgsaussichten recht gut, dass sich die Hirnfunktionen teilweise wieder herstellen lassen.“ Sei dagegen das Stammhirn verletzt, seien die Heilungschancen weitaus schlechter.

Mehr zu Michael Schumacher

Bei jungen Menschen sei die Wiederherstellung von Hirnfunktionen generell einfacher. „Mit 45 Jahren ist Michael Schumacher in dieser Hinsicht aber noch jung.“ Sei ein Patient aus dem Koma erwacht, erfolge in Deutschland die Frührehabilitation. „Nach vier bis sechs Wochen lässt sich dann absehen, ob ein Mensch wieder alleine lebensfähig wird, oder ob er in ein Pflegeheim muss.“ An die Frührehabilitation schließen sich dann verschiedene Therapien an, um unter anderem das Sprach- und Bewegungsvermögen zu trainieren. „Unter Umständen können die Therapien ein Leben lang andauern“. Zum konkreten Fall Schumacher wollte sich Stubbe nicht äußern. „Da muss man die Krankenakten kennen, sonst ist es reine Spekulation.“

„Er wird für immer ein Invalider bleiben“

Der Schweizer Spezialarzt für Neurologie, Erich Riederer, geht davon aus, dass Michael Schumacher bleibende Schäden davon getragen hat. Das sagte Riederer gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal 20 Minuten . Schumacher war am 29. Dezember 2013 in Méribel beim Skilaufen mit dem Kopf auf einen Felsen geprallt . Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma.

Der Fall Schumacher erinnere ihn an den deutschen Handballer Joachim Deckarm , sagte Riederer. Der Spieler des VfL Gummersbach stieß bei einem Spiel unglücklich mit einem Gegner zusammen und stürzte mit dem Kopf auf den Boden. Dabei erlitt er einen doppelten Schädelbasisbruch und schwere Gehirnquetschungen. Deckarm artikuliere sich heute mehr oder weniger in Lauten, so Riederer. „Das dürfte bei Schumi auch der Fall sein. Ganze Sätze zu bilden, dürfte schwierig werden – er wird einzelne Wörter lernen“, sagte Riederer: „Er wird für immer ein Invalider bleiben, immer auf die Hilfe anderer angewiesen bleiben.“

Martin Grond, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen hält Prognosen zum jetzigen Zeitpunkt für fahrlässig. Gegenüber Spiegel Online sagte er, vom Wachkoma bis hin zu weitgehender Erholung sei gerade im Prinzip alles möglich und denkbar. Er betonte, aufgrund der dürftigen Nachrichtenlage wolle er nicht über den Zustand von Michael Schumacher spekulieren. So stehe in der Pressemitteilung von Schumachers Managerin nichts über die Hirnfunktionen von Schumacher.

„Keine weiteren Nachrichten mehr erwarten“

Auch die Menschen, die Schumacher jetzt umgeben, können die Reha beeinflussen. Das sagte der Tübinger Neurobiologie Nils Birbaumer gegenüber Zeit Online:
„Wenn Familie, Freunde und Pfleger sehr engagiert sind, hat das einen enorm positiven Einfluss auf die Rehabilitation.“ Birbaumer sagte weiter, selbst Patienten, die sich nicht rühren können, könnten in einer positiven Welt leben, „so unglaublich das klingen mag“.

Der ehemalige Formel-1-Arzt Gary Hartstein vermutet in seinem Blog , dass der Gesundheitszustand von Michael Schumacher nach wie vor weit schlechter sei, als die aktuellen Meldungen glauben machen. Schon im April habe es geheißen, dass Schumacher leichte Fortschritte mache und Momente des Bewusstseins habe. Seitdem, glaubt Hartstein, habe sich nichts Wesentliches verändert. Andernfalls hätte es detailliertere Auskünfte zu seinem Zustand gegeben. „Aber nein, man hat uns erzählt, was wir schon wussten und hat uns gleichzeitig gesagt, dass wir keine weiteren Neuigkeiten mehr erwarten sollen.“

In der Presserklärung von Schumachers Managerin Sabine Kehm hatte es geheißen, dass Schumacher sich nicht mehr im Koma befinde und seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll.


Michael Schumacher befindet sich nicht mehr im Koma. Das teilte Managerin Sabine Kehm am vergangenen Montag mit. Die Deutsche Presse Agentur dokumentiert die Presseerklärung zum Zustand des vor über fünf Monaten beim Skifahren verunglückten Formel-1-Rekordweltmeisters:

„Michael hat das CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen. Er ist nicht mehr im Koma.“

„Seine Familie möchte sich ausdrücklich bei allen behandelnden Ärzten, Pflegern, Schwestern und Therapeuten in Grenoble ebenso wie bei den Ersthelfern am Unfallort bedanken, die in diesen ersten Monaten hervorragende Arbeit geleistet haben.“

„Der Dank der Familie gilt auch all den Menschen, die Michael so viele gute Wünsche gesendet haben. Sie haben ihm sicher geholfen.“

„Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll.“

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN