Bericht eines Austauschstudenten Fußball, Bier, Schlaaand! Ein Gästeblick auf die WM

Autokorsos: zur WM-Zeit in Deutschland ein gängiges Phänomen. Wie mag es auf Gäste im Land wirken? Foto: dpaAutokorsos: zur WM-Zeit in Deutschland ein gängiges Phänomen. Wie mag es auf Gäste im Land wirken? Foto: dpa

Osnabrück. Für uns ist es alle vier Jahre der normale WM-Wahnsinn. Aber was sollen Gäste in Deutschland denken, für die Fußball eine Randsportart und „Rudelgucken“ nicht mehr als die merkwürdige Übersetzung eines eigentlich angelsächsischen Phänomens ist? Austausch-Student Chris Johannes aus den USA weiß aus erster Hand davon zu berichten.

Von Chris Johannes*

Da habe ich mir ja den richtigen Zeitpunkt ausgesucht für ein Praktikum in Deutschland. Während einer Fußball-Weltmeisterschaft in einem Land, das kein anderes Thema zu kennen scheint. Erst recht nach dem deutschen Auftaktsieg gegen Portugal, der das Interesse noch einmal vervielfacht zu haben scheint.

Hier können Sie den ausführlichen Bericht von Chris Johannes lesen – in seiner Muttersprache englisch.

Seit 16 Tagen bin ich nun hier und habe registriert, dass ohne Bier nichts geht. Ich meine das nur in Zusammenhang mit dem Fußball. Du brauchst eines zur Vorbereitung auf das Spiel, um auf die Partie anzustoßen, einen Sieg zu feiern oder um eine Niederlage wahlweise zu entschuldigen, zu erklären oder zu vergessen.

Vereinte Nationen vor dem TV

Das deutsche Spiel gegen Portugal habe ich auch verfolgt. 40 Leute in einem Raum, der nicht größer als 36 Quadratmeter und mit einem Viermeter-Screen ausgestattet war. Etwa die Hälfte der Gäste waren Deutsche, der Rest international. Die UN hätten ihre helle Freude gehabt, zumal alles friedlich verlief. Interessant, dass ein Star wie Cristiano Ronaldo es schaffte, die deutsche Ein-Mann-Mauer zu treffen. Ein Kunstschütze eben. Interessant fand ich es auch, wie sich die Kanzlerin eingebracht hat. Zusammen mit nur halb bekleideten Männern in der Kabine, „Angie“ scheint zu wissen, wie es geht.

Selbstverständlich habe ich auch das Spiel der US- Boys gegen Ghana verfolgt und wusste, unter welchem Druck Jürgen Klinsmann stand. Die Presse hatte sich schon auf ihn eingeschossen, doch der 2:1-Sieg lässt ihn ruhiger arbeiten. Bezeichnenderweise hat ihn der Deutsch-Amerikaner John Brooks mit seinem späten Tor gerettet. Übrigens – in der Tipprunde unserer Sportredaktion liege ich zusammen mit einer Kollegin in Führung. Da sage noch einer, wir Amis hätten keine Ahnung vom Fußball. Und wie geht’s weiter? Mehr Fußball, mehr Tore , mehr Bier. Denn schließlich ist ja Fußball-WM, und ich genieße sie.

*Chris Johannes (28) absolviert seit Anfang Juni bis Ende August ein Praktikum bei NOZ Medien. An der Universität von Southern Indiana in Evansville machte er seine Abschlüsse in den Disziplinen Journalismus und Deutsch.


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