Umstrittenes Fußballprojekt RB Leipzig: Gekommen, um zu bleiben

Gut gefüllt war die Red-Bull-Arena, früher Zentralstadion, beim Spiel gegen den FC Saarbrücken. Foto: dpaGut gefüllt war die Red-Bull-Arena, früher Zentralstadion, beim Spiel gegen den FC Saarbrücken. Foto: dpa

Osnabrück. Es dauerte nicht lange nach dem 5:1-Sieg über Saarbrücken, da trudelten die ersten Kommentare auf der Facebook-Seite von RB Leipzig ein. „Glückwunsch zum Aufstieg“, schrieben die einen. „Verpisst Euch aus unserem Sport“, giftete ein anderer. In dem Tonfall ging es weiter. Kein anderer Verein im deutschen Profifußball polarisiert so sehr wie das Fußball-Projekt des Getränkeriesen Red Bull.

Das gilt spätestens jetzt, wo die Truppe von Trainer Alexander Zorniger mit dem Sieg über Saarbrücken den zweiten Aufstiegsplatz hinter Heidenheim sicher hat . Nur die Lizenzerteilung steht noch zwischen RB Leipzig und dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, die in den Planspielen von Sportdirektor Ralf Rangnick nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach ganz oben ist.

Zu den Gratulanten zählte am Wochenende auch das Online-Magazin der TSG Hoffenheim 1899. Die Geschichte des Erstligisten gilt vielen Traditionalisten als Sündenfall des deutschen Fußballs. Denn hinter dem Aufstieg des Clubs aus der badischen Kleinstadt Sinsheim steht der Multimilliardär und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp.

Auf den Sündenfall folgt nun in den Augen vieler Fußballfreunde die Vertreibung aus dem Paradies: RB Leipzig hebt die Kommerzialisierung des Fußballs auf ein neues Level. Stand hinter Hopps Engagement noch die persönliche Beziehung zu seinem Heimatverein, so hatte Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz keine Verbindung zu Leipzig. Und während Hopps Bundesligist in Gestalt eines früheren Dorfclubs mit Geschichte daherkommt, ist RB eine Neuschöpfung, gegründet auf dem Oberliga-Startrecht des SSV Markranstädt, das Red Bull 2009 kaufte. Hopp adoptierte ein Kind und päppelte es, Red Bull zeugte gleich ein eigenes.

Und die Vaterschaft ist unschwer zu erraten: Bis ins Detail ist Rasenballsport Leipzig auf die Getränkemarke Red Bull getrimmt, und dass der Verein nicht auch ihren Namen trägt, liegt einzig an der Satzung des Ligaverbandes DFL. Das Vereinslogo mit den zwei Bullen gleicht dem von den Dosen. Das Wappen steht denn auch auf der Mängelliste der DFL, die bis Ende Mai über die Lizenz für die 2. Liga entscheidet. Kritik gibt es von der DFL auch an der Vereinsstruktur, die dem Finanzier die Entscheidungsgewalt sichert. Allerdings bezweifeln die wenigsten, dass RB die Lizenz am Ende nicht bekommt.

Selbst wenn der Club Zugeständnisse machen muss, bleibt er für viele ein Fremdkörper in der deutschen Vereinslandschaft. Ein seelenloses Marketinginstrument sei RB, monieren sie. Zigtausende sehen das anders. Im Schnitt kamen in der abgelaufenen Saison 16700 Zuschauer in die hochmoderne Red-Bull-Arena, in den letzten beiden Spielen sogar um die 40000.

Die Kritiker sehen in den RB-Anhängern reines Eventpublikum, vergleichbar mit Musicalbesuchern. Tatsächlich dürften die meisten Zuschauer einfach froh sein, endlich wieder hochklassigen Fußball in ihrer Stadt sehen zu können. Ob RB jemals eine Bindung erzeugen kann, wie etwa der BVB oder Bayern München, ist fraglich. Nach geschätzten 100 Millionen Euro Investitionen steht aber eines fest: Dieser Verein ist gekommen, um zu bleiben.


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