Parken: 100 Kilometer entfernt Verschärfte Sicherheitsvorschriften – Olympia im Sperrbezirk

Ein Bauarbeiter sitzt an der Zufahrtsstraße zum Olympischen Park im russischen Sotschi vor einem Werbeposter für die Winterolympiade in der Sonne. Im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi finden im Februar 2014 die Olympischen Winterspiele statt. Foto: Jens Büttner/dpaEin Bauarbeiter sitzt an der Zufahrtsstraße zum Olympischen Park im russischen Sotschi vor einem Werbeposter für die Winterolympiade in der Sonne. Im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi finden im Februar 2014 die Olympischen Winterspiele statt. Foto: Jens Büttner/dpa

Moskau. In Sotschi gelten ab sofort verschärfte Sicherheitsvorschriften. Dort beginnen am 7. Februar die Olympischen Winterspiele. Erst am 21. März, wenn die Paralympischen Spiele zu Ende gehen, werden die Sondermaßnahmen wieder aufgehoben.

Für auswärtige Fahrzeuge ist die Einfahrt in eine weiträumig gekennzeichnete Zone verboten. Diejenigen, die trotzdem mit eigenen Autos nach Sotschi kommen, müssen diese auf Hundert Kilometer entfernten Auffangparkplätzen abstellen. Ausnahmen werden nur für Autos mit einer besonderen Olympia-Akkreditierung gemacht. Ortsbewohnern wird von Autofahrten dringend abgeraten. Für „olympische“ Fahrzeuge werden auf Straßen Spuren eingerichtet, deren Befahren für andere Autos verboten ist. Wer dagegen verstößt, muss 5000 Rubel (111 Euro) Strafe zahlen.

Olympia-Bereich und Kontrollzonen

Der Olympia-Bereich wird gegen den übrigen Nordkaukasus an der russisch-abchasischen Grenze im Küstenort Lisselidse und an der innerrussischen Grenze zu Karatschajewo-Tscherkessien gesichert. Sonderpolizeieinheiten werden im umliegenden Gebirge illegale Grenzgänger abfangen. In Sotschi selbst werden „Kontrollzonen“ eingerichtet, deren Betreten erst nach Polizeikontrolle und gegebenenfalls Leibesvisitation möglich sein wird. Insgesamt sollen 30000 Polizisten, Geheimdienstler und Angehörige der Inneren Polizeitruppen für Sicherheit und Ordnung in Sotschi sorgen. Den Polizeipatrouillen gehören Kosaken in Fantasieuniformen an. Eine Satellitenüberwachung ist vorgesehen. Nach dem Vorbild der boykottierten Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau wurden Sicherheitskräfte aus anderen russischen Regionen nach Sotschi verlegt. Wie damals sollen Prostituierte und andere „unliebsame Elemente“ aus der Stadt abgeschoben werden. Augenzeugen sprechen vom faktischen Ausnahmezustand.

Mutmaßliche Terroristen in Moskau

Terrorangst macht sich nicht nur am Schwarzen Meer breit. In russischen Zeitungen wurde – vermutlich von Geheimdiensten – die abenteuerliche Version lanciert, wonach die Bombenleger von Wolgograd angeblich zuerst nach Moskau eingeschleust wurden, um anschließend seelenruhig an die Wolga zu reisen. Dort würden nur aus dem Kaukasus Ankommende kontrolliert, heißt es.

Die Mutter des mutmaßlichen Wolgograder Terroristen Asker Samedow aus Dagestan sagte den Fahndern, sie habe seit Jahren keinen Kontakt zu ihrem Sohn gehabt. Die mit ihrem russischen Lebensgefährten in Moskau lebende Elmira Samedowa wurde trotzdem vorübergehend festgenommen. Die Polizei fand auch den Vater des zweiten Tatverdächtigen Magomed Issajew, dem Speichel für mögliche DNS-Proben entnommen wurde. Allerdings handelt es sich in beiden Fällen nur um vagen Verdacht. Acht Mobiltelefone, die bei Samedowa gefunden wurden, können nicht einmal als Indiz gelten.

Meldevorschriften verschärft

Derweil wurden Fahndungsfotos und steckbriefliche Beschreibungen der erwähnten mutmaßlichen Terroristen sowie zwei weiteren Männern und einer Frau an den Eingängen mehrerer Moskauer Supermärkte angebracht. Diese Personen halten sich in der Stadt auf und können „als Selbstmordattentäter“ auftreten, heißt es. Wer sie wiedererkenne, solle es der Polizei melden.

Ab dieser Woche werden auch in Moskau Meldevorschriften vor allem für Wirtschaftsflüchtlinge aus anderen Republiken der früheren Sowjetunion verschärft. Ausländer müssen künftig an ihrem faktischen Wohnort gemeldet sein. Bisher konnten sie sich formell irgendwo polizeilich anmelden, wo es billiger war. Das führte zur Entstehung so genannter „Gummiwohnungen“, in denen Hunderte von Ausländern gemeldet waren. Dieser Missstand soll nun abgestellt werden. Ob damit den Terroristen das Handwerk gelegt werden kann, ist fraglich.


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