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Unter den Augen des treuesten Fans Kombinierer Frenzel holt Gold bei der nordischen Ski-WM – Skispringer Freund und Freitag gehen leer aus

Von Siegfried Wistuba

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<em>Kombiniere, Gold:</em> Eric Frenzel am Ziel. Foto: ReutersKombiniere, Gold: Eric Frenzel am Ziel. Foto: Reuters

Val di Fiemme. Nach herben Enttäuschungen im Einzel und im Team hatte Eric Frenzel gestern endlich Grund zum Jubeln: Zum zweiten Mal ist er Weltmeister der nordischen Kombination geworden – mit Unterstützung seines treuesten Fans. Weniger Fortune hatten die beiden Skispringer Severin Freund und Richard Freitag. Im Wettbewerb von der Großschanze flogen sie an den Medaillenrängen vorbei.

Ein Satz voller Liebe. „Sie war der Glücksbringer, der gefehlt hat.“ Laura. Auf einem WM-Hügel in der Langlaufarena von Tesero hat sie sich postiert. Markant. In zitronengelber Jacke. Eric Frenzel hat seine Freundin in jeder seiner vier Solorunden gesehen. Ein mentaler Mutmacher für den Kombinierer auf seinem Fluchtweg zu Gold. Neben ihr: Sohn Philipp mit einer Deutschland-Fahne, beinahe so groß wie der Sechsjährige. „Er ist schon sehr stolz auf mich, mein treuester Fan, das kann ich auf jeden Fall sagen“, meint Eric Frenzel.

Jetzt ist Papa Weltmeister. Wie schon vor zwei Jahren in Oslo. Gestern ist der 24-Jährige nach seinem Sieg im Einzelwettbewerb von der Großschanze nach einem Luftsprung auf dem Podest gestanden. In der Mitte, dem Platz für den Besten. Eingerahmt vom Österreicher Bernhard Gruber und Jason Lamy Chappuis aus Frankreich. „Es ist einfach nur herrlich“, sagt Frenzel überwältigt und losgelöst vor Glück. 138,5 Meter hatte er auf der Schanze vorgelegt. Der weiteste Satz des Tages. Die Basis für das Finale furioso. Das Optimum. Konzentriert auf den eigenen Körper, hat Eric Frenzel in der Loipe seinen Abstand auf die Verfolger weitgehend gehalten. „Es ist grandios gerade“, sagt Frenzel. Mehr Worte findet er nicht. Nicht jetzt, wo er am liebsten allen Danke schön sagen möchte.

Auch Philipp. Innig schließt der kleine Große aus Oberwiesenthal seinen Kleinen in die Arme. Familie Frenzel. „Philipp ist wirklich sehr pflegeleicht, ich kann mit der Situation nur sehr zufrieden sein“, meint der Weltmeister. „Alles andere würde die Geschichte um einiges erschweren.“ Philipp hat sich daran gewöhnt, dass sein Papa viel unterwegs ist. Zum Training. Zu Wettkämpfen. Er freut sich, wenn sie telefonieren – und noch mehr, wenn sich Papa mal einen Tag nur für ihn Zeit nimmt. Auch Laura trägt ihren Part bei. Mit 18 ist Eric Frenzel Vater geworden. Laura, eine ehemalige Skilangläuferin hat mit 15 von der Schwangerschaft erfahren. Gemeinsam meistern sie bis heute die Doppelbelastung. Auch weil die Eltern mithelfen. Frenzel sagt: „Meine Familie muss recht große Kompromisse eingehen, aber sie wissen auch, wofür ich das tue. Und es ist umso schöner, wenn man dabei noch Erfolg hat.“ Wie gestern.

Hermann Weinbuch weiß, welchen Stellenwert das Umfeld für Frenzel hat. „Er ist in seiner Mitte“, sagt der Bundestrainer, „mental sehr stark und stabil in seinem Umfeld. Das macht es aus.“ Stolz ist der Mann aus dem Schwarzwald, bei der Siegerehrung hat er Tränen in den Augen.

Zeit zum Feiern bleibt jetzt wenig. Samstag steht der Teamwettbewerb an. Eric Frenzel bildet mit dem gestern gestürzten Tino Edelmann ein Duo. Die nächste Chance. Hinter ihm weiß er sein Duo: Laura und Philipp. Seine Glücksbringer. „Meine Freundin war bei den ersten Wettbewerben daheim geblieben“, sagt Eric Frenzel, „denn sie wollte nicht der Buhmann sein, wenn es nicht klappt. Schließlich war sie in Oslo nicht dabei.“ Doch die Familienbande sind stärker gewesen. Und die Fahrt ins Trentino hat sich gelohnt. Für Laura. Für Philipp. Und für Eric Frenzel.

Freitag springt zu kurz

Frenzels Glücksgefühle kann Skispringer Kamil Stoch nachempfinden. Der 25-jährige Pole ist gestern Abend in Predazzo Weltmeister von der Großschanze geworden – dank seiner Sprünge auf 131,5 und 130 Meter. Inbrünstig singen seine Fans bei der Hymne mit, feiern ihren Helden, der den Slowenen Peter Prevc (130,5/130,5 Meter) und Anders Jacobsen aus Norwegen (129/131 Meter) hinter sich gelassen hat. „Der, der oben steht, hat es richtig verdient. Für ihn freue ich mich besonders“, sagt Richard Freitag.

Der Mann aus dem Erzgebirge hat keinen Platz auf dem Podium gefunden. „Es waren halt fünf besser.“ Ein Fakt. Richard Freitag hat im ersten Durchgang mit 129 Metern zwar aussichtsreich auf Position fünf gelegen, mit gerade einmal 2,2 Punkten Rückstand auf die Bronzemedaille. Doch es fehlt die Konstanz und am Ende ist es Platz sechs. „Mannschaftlich haben wir uns gut präsentiert“, meint Richard Freitag, „das macht Lust auf mehr.“ Severin Freund ist Neunter geworden, Andreas Wank Elfter, und Michael Neumayer ist auf Platz 13 gelandet.

Bleibt die Hoffnung, im Quartett eine Medaille zu holen, wenn an diesem Samstag (16.30 Uhr ARD und Eurosport) das Teamspringen von der Großschanze ansteht.


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