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„. . . da hat er den Platzverweis zurückgenommen“

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Das Lieblingsbild von Reinhard Haseldiek: Artistisch klärt er vor dem Sodinger Nationalspieler Jupp Marx. Foto: ArchivDas Lieblingsbild von Reinhard Haseldiek: Artistisch klärt er vor dem Sodinger Nationalspieler Jupp Marx. Foto: Archiv

Reinhard Haseldiek ist eine der markantesten Figuren der VfL-Geschichte. Von 1953 bis 1963 spielte der brillante Techniker in der Oberliga Nord, damals die höchste deutsche Klasse. Haseldiek wurde in die Auswahlteams von Norddeutschland und Niedersachsen berufen, er war Mannschaftskapitän des VfL. Später war er Trainer, besonders lange und erfolgreich beim BV Quakenbrück. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag, morgen ist er Ehrengast des VfL .

Herr Haseldiek, wir haben kürzlich an Sie gedacht, als das Regenspiel in Nürnberg abgebrochen wurde.

Kann ich mir vorstellen. Wahrscheinlich wegen der Schlammschlacht gegen Bremerhaven. Die Bremer Brücke war eine einzige Seenlandschaft, es goss in Strömen, mit Fußball hatte das wenig zu tun. Das Spiel endete 4:5, und an Abbruch hat keiner gedacht. Es waren 10000 Zuschauer da, und es gab kein Dach im Stadion.

Sie sind gebürtiger Bielefelder, spielten beim VfB. Wie wurde man damals abgeworben?

Ein VfL-Fan hatte mich spielen sehen und empfohlen, der VfL-Vorstand lud mich ein, man zeigte mir eine Wohnung, bot mir einen Arbeitsplatz. In einer Kneipe haben mein Vater und ich den Vertrag unterschrieben, ich war ja noch keine 21 und nicht volljährig. Das Gehalt betrug 320 DM, als Obergrenze inklusive Prämien. Für einen Sieg gab es 20 DM.

Hätten Sie auch woanders hingehen können?

Na ja, ich war zwei Jahre vorher auch zum Probetraining beim HSV gewesen. Da habe ich ein paar Tage im Jugendheim bei Erwin Seeler, dem Vater von Uwe, gewohnt. Trainer Schorsch Knöpfle wollte mich in der Jungliga aufbauen. Aber meine Eltern haben gesagt: Mit 18 allein nach Hamburg – kommt nicht infrage.

In 500 Spielen für den VfL wurden Sie nie vom Platz gestellt.

Das stimmt nicht ganz. Gegen Bremerhaven stellte mich der Schiedsrichter nach einem Foul an Werner Lang runter. Doch Werner, mit dem ich in der Nordauswahl spielte, ging zu ihm und sagte: „Das war nicht so schlimm, lassen Sie ihn drauf.“ Und da hat er den Platzverweis zurückgenommen.

Wer war Ihr bester Trainer?

Walter Hollstein und Harry Hemmo, die beiden arbeiteten gemeinsam, als ich kam. Hollstein hat mich übrigens eine ganze Zeit lang zu Hause nicht eingesetzt; er fand, dass ich als junger Spund an der Bremer Brücke zu nervös war.

War das Publikum denn besonders giftig?

Was heißt giftig? Natürlich wurde auch gepfiffen und geschrien, wenn es nicht lief. Aber wir redeten mit den Leuten ja noch, wenn wir auf dem Weg in die Kabinen waren – die waren ja im Keller der Kreuzschule, und wir sind dann sozusagen mit den Zuschauern ins Stadion gegangen. Klingt heute komisch, war aber damals völlig normal.

Und heute? Gehen Sie noch zur Bremer Brücke?

Wieder öfter, vor allem, seit der VfL sich wieder auf seine Tradition und seine alten Spieler besinnt. Es ist toll, dass dort jetzt Treffen stattfinden und man sich um uns kümmert.

Wenn Sie nicht im Stadion sind, fiebern Sie am Fernseher mit?

Ja, aber nicht live. Meine Kinder haben mir mal Premiere geschenkt, aber das ist nichts für mich. Ich liebe die Live-Übertragungen und die Konferenzschaltungen im Radio, das ist für mich Fußball wie früher.


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