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„Trinkt ein Bier für mich mit – in zehn Jahren bin ich dabei“

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Es hatte etwas von einem Klassentreffen: Wiedererkennen, freudige Umarmungen, „was machst Du denn so“ und was sonst noch dazugehört. Allein die überdurchschnittliche Größe der Teilnehmer wies darauf hin, dass die Männer, die sich in der Alten Post in Bramsche trafen, nicht gemeinsam die Schulbank gedrückt haben, sondern mehrere Jahre lang gemeinsam Basketball gespielt haben. Und zwar in der Bundesliga für TuS Bramsche.

20 Jahre ist es her, dass der TuS mit einem 74:72-Sieg beim TuS Herten den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse schaffte. Es folgten fünf Jahre in der Bundesliga, davon vier mit Burkhard Brämer als Trainer, der mit damals 24 Jahren der jüngste Trainer aller Zeiten im Oberhaus ist. Brämer hatte seine ehemaligen Schützlinge eingeladen, und fast alle kamen, vom Europameister Gunther Behnke bis zum amerikanischen Topscorer Greg Wendt, der eigens aus Detroit anreiste. „Es war einfach einmalig, unglaublich. Es hat sich absolut gelohnt, dafür zu kommen“, lautete sein Kommentar. „Das hat meine Erwartungen absolut übertroffen“, staunte auch Brämer, der nicht nur die wenigen Exspieler erwartet hatte, die in der näheren Umgebung geblieben sind. Lediglich fünf waren nicht gekommen, davon zwei sogar mit schriftlicher Entschuldigung: Ingo Schlachter hatte einen beruflichen Termin in Brasilien. Und Jimmy Shields, der in den USA in der Windenergie-Branche tätig ist, hatte bis zuletzt vergeblich gehofft, den Besuch in Deutschland mit einem dienstlichen Termin verbinden zu können.

Alle übrigen feierten das Wiedersehen ausgiebig. Und nicht nur die ihrer Heimatstadt heute noch verbundenen Ur-Bramscher wie Jürgen Dölle, Uli Knost, Marcus Tschörtner, Klaus Holzgrewe oder Klaus Runggaldier. Auch die anderen blieben bis in die frühen Morgenstunden zusammen und tauschten Anekdoten aus, etwa zum legendären Sieg des Aufsteigers über den damals als unschlagbar geltenden Meister Bayer Leverkusen in der ersten Saison. Aus dieser Spielzeit stammt auch ein heute noch gültiger Eintrag auf der Website von Alba Berlin: Die Albatrosse kassierten die meisten gegnerischen Punkte der Vereinsgeschichte nämlich bei der 101:115-Niederlage im März 1991 in Bramsche.

Diese Ergebnisse, die schönsten Feiern und die besten Sprüche bestimmten den Gesprächsstoff und weniger die bei Klassentreffen übliche Frage nach dem beruflichen Werdegang. Da bewiesen die ehemaligen Bundesligabasketballer reichlich Ehrgeiz. So wie Privatdozent Dr. med Björn Marquardt, der sich über Münster hinaus einen Namen als Spezialist insbesondere für Schulterverletzungen gemacht hat. Willi Reinhardt, der nur im ersten Jahr dabei war und sich trotzdem der Truppe noch verbunden fühlt, ist Rechtsanwalt für Wirtschaftsrecht in einer renommierten Frankfurter Kanzlei, Holger Thamm hat sich in der IT-Branche mit Erfolg selbstständig gemacht. Dirk Leding ist für einen anerkannten Hersteller von Wintergärten und Verglasungen in der Welt unterwegs.

Dem Basketball sind die meisten höchstens noch als Zuschauer verbunden. Allein Götz Rohdewald trainiert mit Münster eine höherklassige Mannschaft. Andreas („Luigi“) Schomborg, der nach einem tragischen Unfall beim Basketball an den Rollstuhl gefesselt ist, trainiert eine Jugendmannschaft in Düsseldorf. Einer ist noch aktiv: Rolf (Bibo) Mayr bringt in Jena seine 2,22 Meter auf dem Spielfeld zur Geltung.

„Einfach toll, so ein Treffen wäre mit einer Mannschaft von heute in 20 Jahren nicht möglich“, ist sich Thamm sicher. Da sind sich alle einig: Das Niveau mag heute in der Bundesliga höher sein als damals, der Zusammenhalt untereinander in ständig wechselnden Teambesetzungen gewiss nicht. So ist durchaus wahrscheinlich, dass es eine Neuauflage gibt, wie sie sich Shields gewünscht hat: „Trinkt ein Bier für mich mit und tragt mich schon einmal für das 30-Jahre-Treffen ein“, schrieb er per Mail.


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