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"Ich will Lingen helfen"

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Er hatte seine Fußballschuhe dabei, aber das Trikot des TuS Lingen trug er gestern abend beim Freundschaftsspiel in Groß Hesepe (noch) nicht. Claus-Dieter Wollitz, genannt ,,Pele", trat nur als Zuschauer auf. ,,Wir hatten geglaubt, die Sache ist perfekt, aber dann tauchte noch eine elementare Frage auf, die erst Dienstag zu klären ist", erklärte der stellvertrende TuS-Vorsitzende Gregor Menger, weshalb ein Engagement des 36-jährigen Ex-Profis von 1. FC Köln, KFC Uerdingen, 1. FC Kaiserslautern, VfL Wolfsburg, Hertha BSC Berlin, VfL Osnabrück, Bayer Leverkusen und Schalke 04 noch einmal verschoben wurde. ,,Dann kommen die Zuschauer eben am Sonntag, wenn ich zum Spiel gegen TuS Bersenbrück mit auflaufe", lächelte ,,Pele" verschmitzt.

Gestern jedenfalls ging der mit allen Wassern des Profigeschäftes gewaschene ,,Straßenfußballer" zusammen mit seinem Berater Axel Morel ebenso wie Gregor Menger, Fußballobmann Rainer Jansen und Trainer Georg Schultejans davon aus, dass der spektakuläre Wechsel von der Bundesliga direkt in die Niedersachsenliga doch noch zustande kommt. ,,Pele" würde heute abend oder am Freitag erstmals mit der Mannschaft trainieren. Spielberechtigt wäre er sofort. ,,Wir wollen ihn als Amateur verpflichten. Er hat aber jederzeit das Recht, auszusteigen, wenn sich für ihn eine andere Konstellation ergibt", beschrieb Menger die geplante Bindung an den TuS.

Wollitz, der im Dezember 2000 die Trainer-A-Lizenz erwarb, wartet auf ein Engagement als Trainer in der Regionalliga oder Co-Trainer in der Zweiten Liga und ist derzeit nach Ende seiner Profilaufbahn im Sommer beim 1. FC Köln ohne Verein. ,,Trainer ist mein Ziel", sagte der dreifache Familienvater aus Krefeld, und fügte mit Blick auf Georg Schultejans hinzu: ,,Aber nicht beim TuS Lingen." Da brauche Schultejans keine Angst zu haben. Er wolle dem TuS nur helfen. Und da er sich eh fit halte, sei es egal, ob er durch den Wald jogge oder sich am Training des TuS beteilige. ,,Es gibt nichts Schöneres als Fußball. Diesen Bazillus verlierst du nicht", sagte der Spielmacher und geniale Freistoßspezialist, dem zu seinen Glanzzeiten auch ein Hang zur Exzentrik nachgesagt wurde. In Lingen verkaufte sich der ,,Fußballverrückte", der Fußball mit ,,Spaß", mit ,,Herzblut" und mit hoher ,,Eigenmotivation" propagierte, ausgesprochen sympathisch.

,,Sympathie" hieß auch das Stichwort, dass Wollitz und den TuS Lingen zusammenführte. Am Rande des Oldieturniers in Meppen hatte Menger den Kontakt geknüpft. Beide fanden den richtigen Draht zueinander. Michael Sanders aus Osnabrück, ein enger Freund von Wollitz und ein Unternehmer mit Verbindungen nach Lingen, legte ein gutes Wort für den TuS ein. ,,Michael und der Firma Sanders habe ich viel zu verdanken. Denen war ich noch einen Dienst schuldig, weil sie mir über Jahre immer in schwierigen Situationen geholfen haben", erläuterte ,,Pele" die besonderen Verbindungen. Geld habe jedenfalls bei diesem geplanten Deal keine Rolle gespielt, versicherten Spieler und Verein unisono.

,,Wir halten weiter an unserer grundsätzlichen Linie fest, auf junge Talente aus der Region zu setzen", betonten Menger und Obmann Jansen ausdrücklich. ,,Die junge Mannschaft braucht ein Führungspersönlichkeiten. Und da haben wir gerade im offensiven Mittelfeld ein Defizit", sah Trainer Georg Schultejans dass willkommene Engagement, das bis zum Saisonende angedacht ist, aber auch schon in 10 Tagen beendet sein kann, in jedem Fall positiv. ,,In punkto Kommunikation fehlte es bei uns. Da muss Leben reinkommen", glaubt der Coach, das seine Truppe dann in der Lage ist, jede Mannschaft der Klasse zu schlagen. ,,Wir wollen den Klassenerhalt unbedingt schaffen", sagte Gregor Menger.

Probleme sieht auch Wollitz nicht auf den TuS zukommen. ,,Wenn ich mich respektvoll den Mitspielern gegenüber verhalte, kommt auch Respekt zurück." Er nehme auch keinen Platz in Anspruch. Vielleicht stelle der Trainer ja auch nach kurzer Zeit fest, dass ,,ich die Leistung nicht bringe", merkte der Profi an. Dann gebe es auch kein Problem. ,,Man schaut sich in die Augen und sagt Tschüss." Er spiele aus Spaß und aus Liebe zum Fußball.

Der TuS Lingen hatte gestern abend auch ohne Wollitz sportlich keine Probleme mit dem SV Groß Hesepe. Der Klub der 1. Kreisklasse Mitte wurde mit geschlagen.


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