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Verhinderte Olympia-Starter setzen auf ihre Erben

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Am Sonntag um 6.30 Uhr sitzen sie zwar nicht vor dem Fernseher, aber sie werden zu angenehmerer Stunde interessiert zuhören, wenn die Rede von der Ruder-WM in Japan ist. Genauer gesagt vom Rennen des Achters, in dem mit Jan Tebrügge ein Osnabrücker sitzt. Auch deshalb im Rennen des Achters, weil sie damit an ein Novum erinnert werden, das nur durch die Politik an Geschichtsträchtigkeit verlor.

1980 wäre in Moskau ein Osnabrücker Achter ins Wasser gegangen, wenn der Westen die Spiele nicht boykottiert hätte. Ein Vereinsboot, gebildet in einem vergleichsweise damals bescheidenen Bootshaus am Kanal im Osnabrücker Stadtteil Eversburg, als Deutschland-Achter bei Olympia am Start - ein Grund mehr für die Crew von damals, sich ziemlich genau 25 Jahre danach dort wieder zu treffen, wo sie manchen Tropfen Schweiß ließ.

Und was machen die Helden von damals, die als deutscher Meister im Vierer ohne sowie als DM-Zweiter im Vierer mit Steuermann zum Flaggschiff zusammengesetzt wurden, das sich mit dem Sieg in Mannheim sowie als Fünfter in Luzern für Moskau qualifiziert hatte und nominiert worden war?

"Haben's alle zu was gebracht", sagt Jens-Peter Zuther als heutiger ORV-Vorsitzender mit einem Lächeln, aber wahrem Hintergrund, denn die Leistungssportler von einst sind beruflich wer. Drei haben einen Doktor-Titel als Biologe bzw. Physiker. Dr. Thomas Möllenkamp, bis 2003 ORV-Vorsitzender, Olympiavierter von 1984 im Zweier sowie Olympiasieger 1988 im Achter, ist Molekularbiologe und als Geschäftsführer in einer Biotechnologie-Firma in Frankfurt tätig, Dr. Ralf Kollmann, später Sportwart im Deutschen Ruder-Verband, als Biologe nun selbstständiger Unternehmensberater, und Dr. Thorsten Bremer, damals Steuermann, als Pysiker in der Geschäftsführung einer Firma für Antriebstechnik.

Auch Hans-Günther Tiemann (stellvertretender Schulleiter an der Thomas-Morus-Schule in Haste), Brunon Derkes (selbstständiger Architekt), Ferdinand Hardinghaus (Chemiker), Axel Wöstmann (Sozialrichter), Andreas Schütte (Bauingenieur) und Martin Möllmann (in der Geschäftsführung eines Instituts für Fortbildung) haben ihre Zielstrebigkeit aus dem Sport in Berufsfindung und -werdegang eingesetzt.

Was sie morgen tun? Jan Tebrügge als einem Erben die Daumen drücken beim Griff nach Edelmetall, was ihnen 1980 vorenthalten wurde.


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