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Tüftler, Taktiker und ein harter Hund

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Harter Hund: Hellmut Meidt.Harter Hund: Hellmut Meidt.

Osnabrück. Er ließ sie hundertmal mit dem Seil „tanzen“, verordnete ebenso viele Kopfbälle am Pendel, und er glich einer Statue, wenn er mit strenger Miene auf dem Platz stand und zusah, wie seine Spieler im Eiltempo die Stufen zu den Stehplatzrängen an der Bremer Brücke emporeilten.

Er war Tüftler und Taktiker – aber vor allem war er ein harter Hund. Vielleicht so etwas wie die frühe Ausgabe eines Felix Magath, denn auch er liebte die Arbeit mit den Medizinbällen. Eines aber verdiente er sich ohne Wenn und Aber: den Respekt und die Anerkennung seiner Spieler. Die Rede ist von Hellmut Meidt, einem der profiliertesten Trainer in der Geschichte des VfL Osnabrück. An diesem Samstag wäre er hundert Jahre alt geworden.

Als Hellmut Meidt sein Amt an der Bremer Brücke im Jahr 1957 antrat, da war er sich nach wenigen Trainingseinheiten sicher: „Diese Mannschaft ist keine harte Hand gewohnt. Das müssen wir ganz schnell ändern.“ Selten hat man den „Preußen“ Meidt während seiner fünf Jahre in Osnabrück herzhaft lachen gehört – höchstens umspielte zuweilen ein spöttisches Lächeln seinen Mund. Aber Hellmut Meidt stürzte sich mit Leidenschaft in seine Aufgabe, bastelte nächtelang an Konzepten und überraschte Fans und Journalisten mit der Abkehr von, wie er meinte, überholten Spielsystemen.

„Der konnte stundenlang über seine Ideen reden. Nur eines verstand er nicht, die Taktik im Training umzusetzen“, erinnert sich Walter Bensmann, der erste VfL-Spieler, der den Sprung in die damals blutjunge Bundesliga schaffte. Einer seiner früheren Weggefährten, Helmut Spielmeyer, ist heute noch davon überzeugt, dass Hellmut Meidt seiner Zeit voraus war: „Als alle noch mit fünf Stürmern aufliefen, sprach dieser Trainer als Erster von hängenden Spitzen.“ Und er funktionierte den kleinen Rechtsaußen Walter Bulik zum Verteidiger um, was zunächst auch kaum jemand an der Bremer Brücke verstand.

Fünf Jahre lang durfte sich Hellmut Meidt an der Bremer Brücke sicher fühlen, weil er das uneingeschränkte Vertrauen seines Präsidenten Friedel Schwarze genoss. Doch als der Stahlbauunternehmer meinte, die Zeit zur Trennung sei gekommen, war Meidts insgeheime Hoffnung, im VfL Osnabrück eine Lebensaufgabe gefunden zu haben, zerstört.

Zuletzt lebte er mit seiner Frau in einem Seniorenheim in Schildesche, wo er im Januar 1993 verstarb.


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