DFL-Mitgliederversammlung Keine Solidarität bei Polizeikosten - Werder droht mit Klage

Von dpa

Erwägt im Polizeikostenstreit sogar rechtliche Schritte gegenüber der DFL: Hubertus Hess-Grunewald. Foto: Carmen Jaspersen/dpaErwägt im Polizeikostenstreit sogar rechtliche Schritte gegenüber der DFL: Hubertus Hess-Grunewald. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Neu-Isenburg. Werder Bremen muss die Polizeikosten bei Hochrisikospielen vollumfänglich selbst tragen. Die Erst- und Zweitligavereine schmettern einen Antrag der Hanseaten auf eine Umlage auf alle Clubs ab. Werder prüft nun rechtliche Schritte.

Nach der krachenden Niederlage bei der Abstimmung über einen Solidarfonds im Profi-Fußball schaltete Werder Bremens Führungsriege umgehend in den Angriffsmodus.

Die deutliche Abfuhr der Erst- und Zweitligisten für den auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga eingebrachten Werder-Vorschlag, die Beteiligung an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen auf alle Schultern zu verteilen, stachelte den Kampfgeist der Bremer nur noch mehr an.

„Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gerne vermieden. Aber wir müssen alles dafür tun, dass der Schaden, den das Land Bremen uns aufbürdet, so gering wie möglich ausfällt“, erklärte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, in einer Vereinsmitteilung.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kritisierte den Ligarivalen für diesen Plan. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass der SV Werder Bremen die Deutsche Fußball Liga jetzt sogar verklagen will. In der 19-jährigen Geschichte der DFL, seit ihrer Gründung im Jahr 2000, stellt dieser Schritt ein absolutes Novum dar“, sagte Rummenigge auf dpa-Nachfrage. „Der Solidargedanke war immer eine Stärke aller Mitglieder der DFL, die Werder Bremen auch in dieser Angelegenheit nicht in Frage stellen sollte.“

Genau das ist jedoch der Knackpunkt, fühlen sich die Bremer in der Streitfrage doch von den anderen Vereinen im Stich gelassen. „Wir haben heute gemerkt, dass es keine Solidarität mit Werder Bremen gibt. Werder steht isoliert da“, resümierte Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald beim Verlassen des noblen Tagungshotels vor den Toren Frankfurts.

Rummenigge hatte die Ablehnung des Bremer Antrags zuvor so begründet: „Wir können mit Werder Bremen nicht solidarisch sein, weil es das völlig falsche Zeichen wäre. Wenn wir einen Fonds gründen würden, wäre das eine offene Tür und ein Muss für alle Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten. Das können wir nicht akzeptieren.“

Werders Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode entgegnete dem Bayern-Boss über die Website seines Clubs: „Karl-Heinz Rummenigge und wir haben offensichtlich eine unterschiedliche Auffassung davon, was Solidarität bedeutet. Außerdem ist es nicht unsere Idee, sondern wurde von allen Gerichten festgestellt, dass Werder und die DFL Veranstalter sind.“ Es sei aus der Sicht Bodes durchaus möglich, dass Werder unverschuldet in diese Lage geraten sei.

Unterstützung erhielt Rummenigge von Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Es gibt keinen Grund, den Alleingang der Bremer Landesregierung von Seiten der DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass sich das Land Bremen auf dem Holzweg befindet.“

Von den 34 anwesenden Vereinen - nur die Vertreter der Zweitligisten Hannover 96 und VfL Osnabrück fehlten bei der rund zweistündigen Versammlung in Neu-Isenburg - votierten 32 gegen den Bremer Antrag. RB Leipzig enthielt sich der Stimme. Damit bleibt Werder vollumfänglich auf den vom Land Bremen in Rechnung gestellten Kosten in Höhe von 1,17 Millionen Euro sitzen.

Die Rechnungen, die zunächst von der DFL beglichen wurden, werden nun an Werder weitergeleitet. Die Hälfte der Gesamtsumme wird dem Bundesligisten allerdings bis zur abschließenden juristischen Klärung gestundet. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der DFL in Rechnung stellen dürfen. Die DFL will in dem Rechtsstreit auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Wann dies geschehen wird, ist offen.

Bis es so weit ist, müssen auch künftige Gebührenbescheide vom betroffenen Verein allein getragen werden. Werder erwägt daher, bei Hochrisikospielen künftig keine Tickets mehr an Gäste-Fans zu verkaufen. „Das ist keine Drohung von uns. Wir sind schon im April von der Polizei Bremen mit diesem Thema konfrontiert worden“, sagte Hess-Grunewald. Wäre es damals im Halbfinale des DFB-Pokals zum Nord-Derby gegen den Hamburger SV gekommen, hätten die Bremer 1200 Gäste-Karten nicht verkaufen dürfen.

Derzeit werden Gebührenbescheide nur vom Bremer Senat erhoben. In Rheinland-Pfalz und Hamburg soll es aber zumindest Überlegungen für eine ähnliche Regelung geben. „Ich glaube, wenn auch andere Vereine davon betroffen wären, müsste man die Situation noch einmal neu bewerten“, sagte Werder-Präsident Hess-Grunewald.

Rummenigge lehnt das rundweg ab. „Grundsätzlich haben wir kein Verständnis dafür, an den Polizeikosten beteiligt werden zu sollen. Wir zahlen alle wahnsinnig viele Steuern. Ich habe da dreistellige Millionenbeträge im Hinterkopf, die Bayern München abliefert. Wir sind uns mit dem Innenminister einig, dass dies in Bayern auf keinen Fall passieren wird.“

Auch Hessen lehnt das Bremer Modell ab. „Der Staat hat das alleinige Gewaltmonopol und muss dieser Aufgabe, die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, auch bei Fußballspielen nachkommen“, bekräftigte Innenminister Peter Beuth. Die DFL-Entscheidung verhindere „die Mithaftung auch unbescholtener Vereine für falsche Entscheidungen der Bremer Politik“.


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