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Vom Oberschüler zum Meister

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Schlagwörter wie „Wunder“ oder „Triumph“, die heute überstrapaziert werden, hatten damals keine Konjunktur. Dabei waren sie angebracht, denn aus den bescheidenen Anfängen des Basketballs in Osnabrück entwickelte sich nationale Klasse, aus einer Schulmannschaft wuchs ein Meisterteam: Vor 40 Jahren wurde der VfL deutscher Basketballmeister.

Es war exakt eine AG in der damaligen Oberschule, die heute Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, kurz EMA heißt, in der der engagierte Pädagoge Werner Henke ab 1954 zusammen mit Otto Papenhausen die Keimzelle schuf, aus der ein Pflänzchen in Rekordtempo wuchs. Denn lange Kerls wie Uwe Degen, Helmut Gerhardus, Volker Brandes, Kurt Kaschke & Co. legten kräftig vor, indem sie 1959 norddeutscher Meister in der damaligen Oberliga als höchster Liga wurden.

Knapp zehn Jahre später war aus dem besseren Schulteam ein deutsches Topteam unter der Fahne des VfL Osnabrück geworden, in dem Schul- und Vereinsinteressen ideal zu kombinieren waren. Und das, zumal Henke senior dank Beziehungen und Sichtweite erste Glücksfälle von außerhalb wie Klaus Weinand, Rassem Yahya, Winfried Böttger & Co. gewann. Als erster Pokalsieger ging der VfL 1967 in die Geschichte dieses Wettbewerbs ein, stand 1968 im Meisterschaftsfinale, das am Schlosswall gegen Gießen verloren ging, um 1969 in Gießen erfolgreich Revanche zu nehmen.

Und das noch ohne Amerikaner, dafür mit etlichen Schülern vom EMA sowie mit Studenten, die damals ihr Studium noch wichtiger als den Sport einstuften. Ein Grund mehr für den damaligen VfL-Präsidenten Friedel Schwarze, sich für das Dabeisein beim Basketball-Finale anstelle eines Aufstiegsspiels seiner Fußballprofis zu entscheiden. Er tat gut daran und sah neben Weinand, Böttger und Yahya vor allem auch Helmut Uhlig, Ingbert Koppermann und Egon Homm triumphieren neben den Youngstern Harald Rupp, Eckart Meyer, Klaus Ansmann, Uli Renner und Michael Haferkamp, die im gleichen Jahr im DM-Finale der A-Jugend standen.

Als Meister erlebte der VfL ebenso wie zuvor als Pokalsieger unvergessliche Europacupspiele in Athen, Stockholm, Prag und Budapest. Danach kamen Rolf Dieter, Volker Jarre, Karel Baroch, Volkmar Gaber, Ekkehard Husemann, Heinz Böttner und andere. 1969 und 1970 verlor der VfL jeweils das Pokalfinale. Ralph Ogden kam als erster Amerikaner 1972, als Weinand und Uhlig im Olympiateam standen.

Als dann Leistungsträger gingen, verlor der VfL an Glanz und bei mehr Bedeutung für den Fußball an Möglichkeiten im Basketball. 1974 kam die eingleisige Bundesliga, die der VfL verpasste. Zwei Jahre als BG mit dem OSC und Topwerfer Jürgen Kolze (bis zum 46 Punkte in einem Spiel) bildeten den Schlusspunkt unter einer Ära.

40 Jahre nach dem DM-Titelgewinn treffen sich Weinand, Uhlig, Koppermann & Co. heute – im Rathaus, im VfL-Stadion und bei Gemütlichkeit zum Klönen.


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